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SPOON - Das sanfte Joch der Vortrefflichkeit

Manche Verbindungen werden im Himmel geschlossen! Was für Freundschaften und Ehen gilt, ist auch bei Bands nicht anders: 1996 im Musik-Eldorado Austin/Texas gegründet und als Hommage an die deutsche Krautrockband Can nach einem ihrer Songs benannt, haben Spoon einen langen Weg hinter sich gebracht, der - wenn man die Bandgeschichte betrachtet - nach anfänglichen Schwierigkeiten stets steil aufwärts ging und nun in einer Popularität gipfelt, von der so manche Combo nur träumen kann.

Here we are: Ein schnöder Tag im Januar: Weltinterview-Tag für Spoon und alle Bandmitglieder müssen ran, um die immense Nachfrage zu bewältigen. Epitaph haben großzügige 20 Minuten für einen Phoner eingestanden und ich hoffe nur, dass mich kein texanischer Akzent am anderen Ende mit voller Breitseite trifft und ich alles zehn mal nachfragen muss. Doch das Glück ist mir hold und ich habe Drummer Jim Eno erwischt, neben Sänger Britt Daniels Gründungsmitglied von Spoon und außerdem aus Rhode Island, was er mir gleich erklärt, nachdem ich erleichtert “You sound so British” ins Telefon hauchte.

Also, wie kam es zu Allianz Daniels/Eno?

“Ich traf Britt, als wir zusammen in einer Band namens “The Alien Beats” spielten eine Art Rockabilly/ Country Combo. Als die sich auflösten, kam Britt auf mich zu und erzählte mir, dass er weiterhin Songs schreibe und ob ich sie mir mal anhören könne. Es waren ungefähr fünf Songs, die dann letztendlich auf unserer ersten Platte landeten und gleich, als er anfing sie mir vorzuspielen, wusste ich: ‘Wow, das ist genial!’.

Blieb nur noch die Frage nach einem Bandnamen. Wir hatten eine Show für Freitags oder Samstags und immer noch keine Ahnung, wir uns nennen sollten. Wir probierten ein paar Möglichkeiten durch, aber nichts gefiel uns. Also ging Britt seine Plattensammlung durch und blieb bei einem Album von Can hängen und auf dem war ein Song namens ‘Spoon’.”

Spoon sitzen bereits in den Startlöchern für eine kleine feine Tour in Europa und einen wahren Tour-Marathon in den Staaten. Wo liegt der prägnanteste Unterschied?

“Wir sind in Europa wesentlich unbekannter, als in den USA. Es kommen weniger Leute und die betreten dann eine Art Neuland, sind zurückhaltender, müssen uns erst mal entdecken, während das amerikanische Publikum fast schon was Familiäres hat. Die meisten kennen unsere Songs und reisen extra von weiter her zu unseren Gigs an. Ähnlich geht es uns auch in Australien. Dort werden wir auch immer mit offenen Armen empfangen. An Deutschland gefällt uns, dass die Leute sehr offen und neugierig sind. Wir haben einige Mal in Köln, Berlin und Hamburg gespielt und das sind zudem wunderschöne Städte. In England ist die Resonanz hingegen eher verhalten. Naja, vielleicht sind denen unsere Hosen auch nicht eng genug. Aber selbst wenn wir in manchen Gegenden der Welt nicht frenetisch abgefeiert werden, ist es trotzdem ein Privileg dort überhaupt hinzukommen. Wir sind in einer Band und können von unserer Musik leben. Das ist allein schon ein Riesenglück! ”

Ihr musikalisches Zuhause haben Spoon nach einem kleinen unerfreulichen Intermezzo mit Elektra Records, die die Combo bereits nach einem Album an die Luft setzten, seit nunmehr einem Jahrzehnt bei Merge Records, von dem man in Szenekreisen nur das Allerbeste hört.

“Merge ist ein eher kleines Label, das seine Künstler sehr gut behandelt und dem daran gelegen ist, Bands auch zu halten. Nichtsdestotrotz können sie Platten verkaufen, wie kaum ein anderes Indie-Label. Ich glaube, Arcade Fire, einer meiner persönlichen Favouriten hat bereits in der ersten Woche nach Erscheinen 95.000 Alben verkauft. Die Leute bei Merge sind geschäftstüchtig, aber eben in erster Linie auch Musikfans. Sie respektieren ihre Künstler und würden nicht irgendwelche Ansprüche einfordern, die einfach nur lächerlich sind, wie es die meisten Major tun. Sie betreiben ihr Label aus den richtigen Gründen. Das ist das Geheimnis ihres Erfolges.”

Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen spielen?

“Ich persönlich würde ‘The Cure’ nennen, Britt ist ein Riesenfan von David Bowie, einigen könnten wir uns vermutlich alle auf ‘The Clash’, wenn es sie noch gäbe.”

Hörst Du Dir Dein neues Album auch privat an?

“In der Regel dauert es sechs Monate oder manchmal sogar ein Jahr, bis ich mir unsere Alben auch privat anhöre. Aber mit einiger Distanz gefällt es mir dann auch umso besser.”

Aktuelles Album: Transference (Anti / Indigo)
© 01. Februar 2010  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow ||| Foto: Autumn de Wilde
Februar 2010

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