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TINDERSTICKS - Aufwärts / Abwärts

Eigentlich waren die Tindersticks schon mal am Ende. Als Stuart Staples 2006 sein zweites Solo-Album "Leaving Songs" vorstellte, erzählte er allenthalben davon, das musikalische Erbe der Band aus Nottingham übernommen zu haben. So klang dieses Album denn auch gar nicht so Tindersticks-untypisch.

Freilich gab es auf der anstehenden Tour eine Überraschung: Stuart präsentierte sich als extrovertierter, energischer Frontmann und spielte das Material mit einer bislang nicht gekannten Energie. Und dann kam "The Hungry Saw" – ein neues Tindersticks-Album mit abgespeckter Kernbesetzung und einem ruppig-rauen Sound, den es bislang noch nicht von der Band zu hören gab. Die anschließende Tour überzeugte schließlich jeden davon, dass die "alten" Tindersticks der Historie angehörten. Das neue Werk, "Falling Down A Mountain", setzt da an, wo "The Hungry Saw" aufhörte – und stößt in Bereiche vor, die die Band bislang noch nicht betrat. Was ist denn eigentlich passiert?

"Es begann für mich mit 'Leaving Songs', dass für mich eine Art Essay war", erklärt Stuart Staples, "'The Hungry Saw' war dann der Neuanfang, ab dem wir sehen wollten, was noch möglich war. Das Album war Showcase für die Band konzipiert. Die Sache wuchs von da an. Wir haben ein Studio in Frankreich gebaut, weil ich einen Ort brauchte, an dem Ideen quellen könnten. Und seither sind auch einige Ideen durch diesen Raum geflossen. Wenn man das ganze Ding dazu nutzt, die Ideen der Beteiligten einfließen zu lassen und es sich bewegen zu lassen, wie es will, ist das richtig. Man verharrt so nicht auf der Stelle. Und das war bei uns bis 2003 lange Zeit der Fall.“

So stehen auf diesem neuen Album auch weniger die alten Zeiten oder die Musiker im Zentrum, sondern die Songs – von denen jeder sein eigenes Kleidchen bekommen hat. Was ist denn heutzutage für Stuart am Wichtigsten?

„Sich der Idee verpflichtet zu fühlen“, meint Stuart umgehend, „früher schrieb ich ein Mal Songs, die einer bestimmten Form entsprachen. Das war im Nachhinein sehr einengend. Heutzutage fühle ich mich frei beim Songschreiben. Ich kann quasi überall hin. Der größte Unterschied zu 'Hungry Saw' ist der, dass wir damals eine Band-Scheibe machen wollten, während wir bei diesem Album versuchten, die richtigen Leute für den jeweiligen Song zu finden. Es gibt zum Beispiel auf keinem Song das gleiche Drumkit und wir haben Gäste wie Terry Edwards, David Kitt oder die von mir sehr geschätzte kanadische Songwriterin Mary Margaret O'Hara eingeladen – wir haben einfach versucht, das Richtige für jeden Song zu finden.“

Dazu gehören auch einige Instrumentals.

„Nun, wir haben seit 'Hungry Saw' viel Filmmusik gemacht", erklärt Stuart dieses, "ich habe gewisse romantische Erinnerungen an die Zeit, in der die Band nicht existierte und ich Zeit für mein Leben hatte. Ich habe in dieser Zeit viel Soundtrack-Arbeiten gemacht. Wir haben aber eigentlich immer schon Instrumentals und abstrakte Songs gemacht. Es ist immer wichtig, dass es Raum und Pausen zum Träumen auf den Alben gibt.“

Was nicht heißen soll, dass das neue Werk verträumt daherkommt. Ganz im Gegenteil: Es finden sich auch regelrechte Popsongs darauf. Der Neuanfang hat den Tindersticks offensichtlich gut getan und das Ziel nicht verfehlt: Eigentlich können die Jungs nun den Berg wieder hinaufklettern, von dem sie – metaphorisch und mit einem Augenzwinkern – auf diesem Album heruntergefallen sind.

Aktuelles Album: Falling Down A Mountain (Beggars / Indigo)
© 01. Februar 2010  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Februar 2010

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