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Cousteau - Gebrauchte Meerjungfrauen

Die Band um Songwriter Davey Ray Moor und Sänger Liam McKahey bleibt auch auf ihrer zweiten CD, "Sirena", dem maritimen Thema treu, dessen man sich mit der Namensgebung verpflichtet hat. Das ist aber im Fall von Cousteau kein Spleen.

Liam erklärt das so: "Zunächst mal heißt "Sirena" im italienischen "Meerjungfrau" (was ein wenig verwirrend ist, denn Sirenen sind eigentlich keine Meerjungfrauen) – und in Italien haben wir mit unser treuestes Publikum. Dann bin ich selbst ein großer Meerjungfrauen-Fan. Davey auch. Ich war aber immer schon davon besessen – warum, das weiß ich auch nicht so genau. Ich habe auch Tattoos von Meerjungfrauen ..." (und Liam hat viele Tattoos!) Es ist nun zwar nicht so, daß "Sirena" ein Konzeptalbum ist, jedoch scheint der Song "Last Secret Of The Sea" das Ganze auf den Punkt zu bringen? "Zum Teil ja", stimmt Liam zu, "es geht aber um mehr. Der Text ist ja relativ kurz, aber wie auf der restlichen CD auch ist die Sirene hier eine Metapher. Sie umgibt ja auch immer etwas Mystisches, etwas Zweideutiges. Es geht um unerfüllte Liebe, um ein Sehnen, ein Verlangen ..." Das interessante an der Sache ist, daß Liam die Texte, die er da mit bemerkenswerter Inbrunst vorträgt, gar nicht selbst schreibt. Das tut vielmehr Davey Ray Moor, der Gründer und Brian Wilson der Band. Er hat als Straßenmusiker angefangen, was ihm heute zu Gute kommt. "Das habe ich Jahrelang gemacht", sagt er, "und dabei habe ich hunderte von Songs anderer Leute gelernt. Dadurch bekommst Du schnell ein Gefühl dafür, was funktioniert. Du mußt dann nur darauf achten, ob ein Song wichtig ist, ob er wirklich benötigt wird." Was ein hehrer Ansatz ist – und zu der Frage führt, WARUM es Cousteau überhaupt gibt. "Das ist eine gute Frage", meint Davey, "es ist so, daß ich von dem Gedanken ein Popstar zu werden, Abschied genommen habe. Das ist bei Liam übrigens genau so. Dann habe ich mich also hingesetzt, und überlegt, welche Musik mir denn so gefällt. Und da bin ich zu dem Schluß gekommen, daß dies Musik von Künstlern ist, die gut mit Worten umgehen können – Tom Waits z.B., oder die gut singen können – wie David Bowie und – und das mag sich seltsam anhören – ich mag Soul à la Marvin Gaye. Und da dachte ich mir: Wenn Du das alles zusammenpackst, dann müßte doch das Großartigste dabei herauskommen. Denn: Ich wollte Musik machen, die ich selber gerne höre und nicht solche, die unbedingt in die Charts soll." Was natürlich von Vorteil ist: So kann man nicht enttäuscht werden. Gehört zu diesem Ansatz auch der distinguierte Stil der Band, der sich vom Jugendkult fernhält? "Das ist kein Act", schränkt Davey ein, "es ist vielmehr eine Widerspiegelung dessen, was wir tatsächlich sind. Du wirst es nicht glauben, aber als ich Liam zum ersten Mal traf, da hatten wir beide Anzüge an. Und zwar welche aus dem 2nd Hand Shop – und solche tragen wir heute immer noch." Was die Band übrigens auch von den gerne zum Vergleich herangezogenen Tindersticks unterscheidet, die sich ihre Anzüge auf den Leib schneidern lassen ...
© 09. Juli 2002  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Juli 2002

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