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KAFKAS - KAMPF

In Zeiten wo Kritiker israelischer Politik als Antisemiten abgestempelt werden. Möllemänner pünktlich zur Wahl verbale Gefechtstrategien gegen überhebliche Friedmänner entdecken. Die wiederum immun unfundierte Behauptungen gegen unser Nation aufstellen dürfen und Tierkrankheiten wie BSE oder die Maul- und Klauenseuche um sich greifen, ist es nicht weiter verwunderlich das Namen und Größen wie Kafka eine Renaissance erfahren. Franz Kafka, österreichischer Schriftsteller jüdischer Herkunft und "eingefleischter Vegetarier", der in seinen Werken oft den aussichtlosen Kampf des Individuums gegen verborgene, aber stets gegenwärtige anonyme Mächte aufgreift und schildert, ist somit gegenständlicher denn je.

Die aus Fulda stammenden Kafkas, vier Punx, die aus ihrer Weltanschauung heraus selbstbestimmend ihr eigenes Label betreiben und als verbündete Individuen unbeirrt die Grenze zwischen Musik und Aktivismus als Berufung leben, bekunden nicht erst mit dem aktuellen Album "Privilegienthron", dass sie sowohl namentlich als auch mental und politisch in die gleiche Kerbe wie die des dt.sprachigen Erzählers schlagen. Markus Gabi Kafka (g/v) trat zum Kampf gegen den Dilettantismus an.

In welcher Verbindung steht euer Bandname mit dem Schriftsteller Franz Kafka?

"Eine ähnlichen Schreibweise. Nein, die Namensbenennung nach Franz Kafka bezog sich weniger auf die schriftstellerischen Arbeiten, sondern hauptsächlich auf die Person Franz Kafka selbst. Er war eine beeindruckende Person und natürlich auch Vegetarier."

Wie steht ihr zur momentanen israelischen Politik?

"Wahrscheinlich so wie auch viele Menschen in Israel. Regierung ist nicht gleich Bevölkerung. Militärische Einsätze und Gewalt haben für mich generell nichts mit Politik zu tun. Wenn Menschen unterdrückt werden ist die Konfessionszugehörigkeit und Nationalität egal. Unrecht bleibt Unrecht! Dieser Konflikt ist sehr komplex, es ist nun mal nicht so wie in "Krieg der Sterne", dass es einfach nur Gut und Böse gibt."

Was haltet ihr von Möllemann?

"Möllemann ist nicht erst seit gestern indiskutabel. Allerdings finde ich diese Diskussion vollkommen heuchlerisch, denn es haben so viele, die sich jetzt ´betroffen´ zu Wort melden, geistige Brände gelegt um Wählerstimmen zu gewinnen. Wenn Politiker versuchen den rechten Rand zu bedienen, dann heißt das natürlich nicht, dass sie damit Recht haben, aber es bedeutet, dass ein großer Teil in der Bevölkerung damit sympathisiert und gerade Jugendliche sich der rechten Kultur zunehmend annehmen. Deshalb ist es wichtig Argumente dagegen vorzubringen und nicht einfach Sündenböcke auszurufen und wie gewohnt weiter zu gehen."

Was sind für euch die gegenwärtigen anonymen Mächte?

"Ich denke, es lässt sich nicht übersehen, dass das Kapital auf unseren Planeten sehr großen Einfluss hat - anders wäre es nicht zu erklären wie die Ausbeutung des Menschen, der Natur und der Tiere in diesem Masse möglich ist. Wirtschaftliche Interessen nehmen Einfluss auf die Politik und somit auf alle Abläufe. Sie übernehmen immer mehr die Regulierung von sozialen Belangen. Es bleibt immer weniger Platz für alles das was wirtschaftlich unrentabel ist. Das betrifft sowohl Naturressourcen als auch die sozial Schwächeren."

In eurem Info habt ihr euren Style als "Punkrock ohne Nietenlederjacke" und "Hardcore ohne Muskeln" betitelt. Was heißt das bzw. wollt ihr damit ausdrücken?

"Für uns ist Punk mehr als Formen des Entertainments und gestylten Outfits. Auch in der Punkszene haben Äußerlichkeiten einen viel zu hohen Stellenwert. Die Frisur und die Kleidung sind oftmals wichtiger als alles andere. Ich meine was sollen bunt gefärbte Haare 2002 aussagen? Jeder 2. Schauspieler von Gute-Zeiten-Verbotene-Marienhofliebe sieht aus wie ein Punk. Dagegen gibt es in der HC-Szene schon Fraktionen, die glauben ein Bodybuilder und Tattookörper hätten irgendwas mit HC zu tun. Wem es gefällt schön, aber eigentlich richteten sich doch HC & Punk genau gegen Schönheitsideale und der Heroisierung des Stärkeren."

Der Unterschied zwischen dem ersten Album "Hypochonder" und dem aktuellen "Privilegienthron"?

"Dazwischen liegen 5-6 Jahre. Von der personellen Umbesetzung mal abgesehen, ist in der Zeit einiges passiert was nicht unbeobachtet blieb. Es haben sich natürlich auch die spielerischen und finanziellen Möglichkeiten verändert. Wir sind was Aussagen betrifft, deutlicher und direkter geworden und genau das ist uns wichtig. Auf dem neuen Album haben wir auch zum erstenmal mit ein paar Effekten und Samples rumgespielt. Ich denke ´Privilegienthron´ ist einfach detaillierter. Außerdem haben wir zum erstenmal einen Multimedia-Track mit draufgepackt."

Was ist euer Ziel und mit welchen Mitteln versucht ihr es zu verwirklichen?

"Wir wünschen uns eine gesellschaftliche soziale Weiterentwicklung. Der Wunsch, dass alle Lebewesen egal welcher Spezies, Rasse oder Geschlecht das Recht auf ein freies, selbstbestimmtes und schmerzfreies Leben haben. Das hört sich nach schalem PC an, aber wer meint, dass hier Alles in Ordnung ist, der muss blind, taub und herztot sein."

Warum und weshalb das "androgyne Quartett" sich hinter den "legalen Rufnamen" zweite "jungfräuliche Vornamen" deponiert, bleibt in diesem Interview unbeantwortet. Schade!
© 09. Juli 2002  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen
Juli 2002

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