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THE MILES HUNT CLUB - Gestern und heute

Die Sonne brennt. Aufs Hirn. Vielleicht ein Grund, warum in England gerade eine verwurstete Casting- Version des (Doors-)Songs "Light My Fire" von Null auf Eins in die Charts schoß. Die spinnen, die Briten...
..natürlich nicht alle. Miles Hunt ist eine der Ausnahmen. Zwar meuchelt er auch gerade die Vergangenheit, bzw. (durch eine Reunion) das Andenken seiner wundervollen The Wonder Stuff, aber er definiert sich gleichfalls neu. Mit einem Neuanfang, "The Miles Hunt Club" betitelt. Denn Alben veröffentlichte er nach dem Split der Wonder Stuff (1994) diverse. Solo ("Hairy Of The Inside"), mit Band (als Trio Vent 414). Seine Musik war teils frivol, manchmal auch schroff (von Steve Albini produziert). Nun spielt er herzerfrischenden, unspektakulären Post-Indie-Gitarren-Pop. "Ich hasste das gesamte Brit-Pop-Ding in England, weil WIR es eigentlich eingeleitet haben. Wir, The Wonder Stuff, spielten bereits fünf Jahre vorher solche Musik. Zweieinhalb bis drei Minuten-Songs, sehr englisch klingend. Das kam sehr gut in den Achtzigern. In den Neunzigern suchten wir nach neuen Ufern..." Er fand sie in Amerika. "Britische Musik interessiert mich nicht. Ich mag Shudder To Think, Barkmarket, Jeff Buckley. Im Moment höre ich viel Godspeed You Black Emperor, deren Album ist wundervoll. Ihr Stil, die Verpackung, alles stimmt. Die Titel sind eine halbe Stunde lang, man wartet nicht auf den Chorus." Warum veröffentlicht ein bekennender Fan von Art-Rock nun ein Album mit 12 mehr oder weniger kurzen Pop-Songs? "Gerne würde ich mich des Stils von GSYBE bedienen, aber... ich kann nur schreiben, was in mir ist. Ich habe keine musikalischen oder kommerziellen Vorgaben." Die verjüngten Wonder Stuff spielen demnächst in London. Manchmal zusammen mit dem Miles Hunt Club. Bassist Stuart Quinell gehört ebenfalls zu beiden Formationen. "Würden mir an einem Tag zwei Gigs offeriert, wobei ich mich für einen entscheiden müßte, ich würde The Miles Hunt Club wählen. Weil er meine Zukunft ist. Wonder Stuff ist meine Vergangenheit. Außerdem schreibe ich Musik für Kinder-Cartoons. Alles, was ich tue, ist für mich wichtig. Dieses Jahr steht das Solo-Projekt im Vordergrund, die Kinder-Cartoons gehen erst im August 2003 auf Sendung." Warum überhaupt "Club", wenn eigentlich ein Hunt-Solo-Projekt mit Aushilfsmusikern? "Es war ein Vorschlag meiner Plattenfirma. Der Name Miles Hunt allein gefiel ihnen nicht. Ich mochte keine Anhängsel wie Band, Gruppe, etc. Die Idee dahinter war ...man sollte mich nicht mit Henry Mancini verwechseln." Oder mit Paul Weller? "Einige Leute vergleichen mich mit ihm. Auch ich habe akustische Gitarren-Shows gespielt. Wellers Gigs sind bestimmt fantastisch. Aber politisch? Ich glaube, das war einmal. Mit The Jam hatte er ein politisches Konzept. In meiner Vergangenheit stehen viele humorvolle Texte. Da war ich 21, nun bin ich 35Jahre alt, es gibt andere Themen, über die ich schreibe." Letzteres ist ihm die liebste Arbeit. "Zuhause sitzen, schreiben, Gefühle und Ideen umsetzen, sie wahr werden lassen, aber das Verfassen von Poesie und Kurzgeschichten genieße ich ebenfalls sehr!" Eventuell von Jeff Buckley inspiriert? "Leider habe ich ihn niemals live spielen sehen. Gestern jährte sich sein Todestag zum fünften Mal. Ich ging auf ein paar Bier in einen Pub, um mich an ihn zu erinnern - heute abend gehe ich mir TV Smith ansehen. Seine Adverts waren eine meiner Lieblingsbands, als ich ein Kind war." Das Kind eines Jazz-Drummers.

Aktuelles Album: The Miles Hunt Club (Eagle Records / Edel)
© 09. Juli 2002  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Juli 2002

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