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STOMPER 98 - Klasse statt Konsum

Keine andere Subkultur wird von der Öffentlichkeit und den Medien so sehr zerpflückt und misstrauisch beäugt wie die der Skinheads. Dauernd auf einen ideologischen Prüfstand gestellt zu werden, ist ärgerlich und lästig: Darum gleich zu Anfang ein klares Statement: Skinheads sind keine Nazis!

Die Band von der hier die Rede ist, heißt Stomper98 und gilt als eine der bekanntesten OiPunk-Bands hierzulande. Gegründet 1998, geht es in ihren Songs nicht um Indoktrinierung und politisch korrektes Gutmenschentum, sondern um die Ingredienzen von denen die Szene zehrt: Fussball, Musik, Biergelage, und das Bewusstsein anders zu sein.

Anders im Sinne von aufrecht, aber auch autark, denn wenn man etwas findet, das größer ist, als die schnöde Ode an Konsum und gesellschaftlichen Status, kann das nur eine Befreiung sein.  

Unnötig zu erwähnen, dass Stomper 98 deutsche Lyrics haben und es damit in die Staaten schafften. So brachten sie den Pit in Szenehochburgen wie Boston und NYC zum Kochen. Den Song “From Göttingen to NYC” ziert sogar ein Englischer Singalong, der mich in Entzücken versetzte. Wie kam es zu diesen Shows?

“Ich war schon öfter drüben, auch für längere Zeit, unser Drummer kommt ja aus New York und spielt bei “The Templars”, also haben wir mit denen mal eine Split EP und eine 10” rausgebracht, und so unsere Kontakte geknüpft. Das Ergebnis waren diese Gigs in Boston, wo 200 Leute kamen und in New York sogar 450! Die Stimmung war einfach einzigartig: es gab Moshpits wie bei klassischen NY Hardcore Konzerten. Wie waren überwältigt!”

Bei oben erwähnten Drummer handelt es sich genaugenommen um Phil Rigaud, Afro-Amerikaner und Gründungsmitglied der New Yorker Oi-Legende “The Templars”, eine exquisite Wahl, auch wenn diese bedeutet, dass der gute Phil sowohl für Touren als auch für Plattenaufnahmen immer eigens eingeflogen werden muss.

Neben den USA stand auch Grossbritannien bereits auf dem Programm und zwar bei keiner geringeren Gelegenheit als dem Rebellion-Festival in Blackpool, ehemals ‘Holidays in the Sun’ bei dem sich Jahr für Jahr das “Who is Who”  in Sachen Punkrock die Ehre gibt und mit über 100 Bands in drei Tagen ein Spektakel der Extraklasse darstellt. Hat man da nicht Angst unterzugehen?

“Wir haben die beiden Male, die wir dort gespielt haben, ein sehr gutes Feedback bekommen, und das obwohl wir Sonntags abends um 10 auf einer kleineren Bühne gespielt haben, vor der sich an den Tagen zuvor vielleicht 200 Leute rumdrückten. Als wir dann anfingen zu spielen, waren es dann 1000. Das hat uns schon sehr beeindruckt. Für mich als Musikfan ist es natürlich der Oberhammer, dort auch selber spielen zu können. Dieses Jahr sind wir wieder gebucht und wir freuen uns schon.”

Ein Aspekt kam bisher zu kurz, nämlich für welche ideellen Werte diese Subkultur steht.

Persönlich betrachtet:

“Für mich bedeutet Skinheadsein Klassenbewusstsein, auch wenn es in Deutschland keine klassische Arbeiterklasse mehr gibt oder sie sich zumindest nicht als solche bezeichnen würde. Ich bin Lagerarbeiter und bin glück-lich damit, mein Vater war Klempner und auf den bin ich stolz. Ich habe mein Leben auf der Straße verbracht, Musik gemacht und nie danach gestrebt auf eine Uni zu gehen und das große Geld zu machen. Für mich steht ‘Glücklichsein’ vor Konsum. Ich bin zufrieden mit dem was ich habe und wenn ich mal wenig habe, geht davon die Welt nicht unter, weil ich gelernt habe andere Dinge wertzuschätzen, wie eben meine Musik, meine Familie…Mich ärgert es, dass in Deutschland noch jeder Fabrikarbeiter auf einen Hartz IV-Empfänger runterguckt. Diese mangelnde Solidarität gibt es in anderen Ländern Europas nicht: In Frankreich gehen auch wohlhabende Leute für arme Menschen auf die Straße und so sollte es eigentlich sein.”

Aktuelles Album: 4 the Die Hards (Sunny Bastards / Broken Silence)
© 01. Februar 2010  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Februar 2010

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