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LIVE - Mit gebremstem Schaum

22 Millionen Platten hat Live, bestehend aus Chad Taylor (g), Patrick Dahlheimer (b), Chad Gracey (dr) und Sänger Ed Kowalczyk, im Laufe der Zeit verkauft. Und dann verlässt der Sänger 2009 die Truppe. Da ein Sängerwechsel ein nahezu unlösbares Problem ist, löst sich Live auf. Aber irgendwie können die verbliebenen Mitglieder weder rasten noch ruhen und heben Live 2012 erneut aus der Taufe. Mit neuem Sänger Chris Shinn.

„Neu war er lediglich in seiner Funktion als Sänger bei Live“, sagt Chad Gracey, „als Freund kennen wir ihn schon eine halbe Ewigkeit und als Sänger war er bisher meist mit Unified Theory unterwegs.“



Magie der Anfangstage

Wie gesagt, ein Sängerwechsel ist immer äußerst problematisch, doch Live braucht lediglich eine Probe, um festzustellen, dass Chris Shinn der passende neue Mann für die Position des Sängers ist.

„Die Magie der Anfangstage war von Beginn wieder da“, lässt Chad Gracey verlauten, „auch den Konzertest hat Chris Shinn mit Bravour bestanden.“

Also geht es ins Studio. Eine neue Platte soll jetzt auch her.

„Dazu kauften wir ein altes Fabrikgebäude in unserer Heimatstadt York in Pennsylvania“, sagt der Schlagzeuger weiter, „dort hinein bastelten wir eine Aufnahmestudio. Wir wollten einfach die Freiheit haben, einfach aufzunehmen, wann immer wir wollten.“

Dazu holen sie erneut den Mann ins Boot, der schon früher ein Händchen für die Kompositionen von Live hatte, Jerry Harrison - Gitarrist und Keyboarder von The Talking Heads und Originalmitglied von The Modern Lovers. Bei drei der größten Live-Alben, nämlich ´Mental Jewelry´, ´Throwing Copper´ und ´The Distance to Here´ hat er seine Finger im Spiel.

„Jerry Harrison ist für die Zeit der Albumproduktion immer so etwas, wie das fünfte Bandmitglied“, klärt Chad Gracey auf, „er hat nicht nur unsere Art und Weise des Komponierens geprägt, er hat diesmal sogar an einigen Texten mitgeschrieben. Zudem lässt er es nicht zu, dass sich einer von uns in seine Ecke der Behaglichkeit zurückzieht. Das ist umso wichtiger, da alle vier Bandmitglieder Stücke für das Album ´The Turn´ liefern.“

Live hat sich deutlich hörbar an den Melodien und der Energie der alten Tage orientiert. Und denn och muss gleich ein aber formuliert werden. Das neue Material reicht eben nicht an das heran, mit dem es natürlich sofort gemessen wird. Mit dem alten. Vielleicht wäre es auch anderes gegangen, das Stück ´The Way Around Is Through´ ist ein Bewesi dafür. Dort hat Live die Stimme Chris Shinns in den aktuellen Bandkontext gestellt. Und schon geht das Ding ab, wie eine Rakete. Es ist sicherlich auch das poppigste auf der Platte. Was dann aber wirklich niemand braucht, ist ein das letzte Stück auf der Platte ´Till You Came Around´, das die gleiche Country-Anmutung reproduziert, wie ´Horse´, das letzte Stück auf dem Album ´Throwing Copper´. Bei allen gut gemeinten Versuchen, an die alten Tage anzuknüpfen, gelingt das Live nie so ganz. Was auch daran liegt, dass der Stimme von Chris Shinn letztlich dann doch das Charisma von Ed Kowalczyk fehlt. Der Schaum, den die Stimme des neuen Sängers schlägt, ist leider nur sehr gebremst. Zu übermächtig bleiben einfach Hits wie ´Selling The Drama´, ´Lightning Crashes´ und ´Turn My Head´. Live sollte einfach das tun, was Chad Gracey selbst angekündigt hat.

„Mit ‚The Turn’ wollten wir die Fans wieder ins Boot holen, der alten Live-Zeit ade sagen und einer neuen Guten Tag.“

Leider hat es an der angekündigten Radikalität dann doch gefehlt.

Aktuelelles Album: The Turn (Think Loud Recordings / H’ART)
© 01. Dezember 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Dezember 2014

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