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BRETT NEWSKI - Konkretes Leben

Brett Newski als jungen Wilden bezeichnen zu wollen, wäre sicherlich nicht ganz falsch – was schon alleine durch den Titel seiner aktuellen CD ´American Folk Armageddon´ und das Artwork nahe gelegt wird. Brett ist dann – was die Musik betrifft - auch eher ein Rocker als ein Folkie, auch wenn er mehr akustische als elektrische Gitarre spielt und die hier versammelten Songs in bester Troubadour- (und eben Folkie-) Manier auf seinen ausgedehnten Reisen rund um den Globus entstehen.

Dabei kennt Newski keine halben Sachen – weder was die knackig auf den Punkt kommenden Rausschmeißer betrifft, die den Großteil seines Materials ausmachen, noch was seinen unsteten Lebensstil betrifft. Der Mann ist nicht nur zwei Drittel des Jahres auf Tour, sondern er leistete sich auch einen jahrelangen Aufenthalt in Vietnam und einen ausgedehnten Besuch Süd-Afrikas. Wie passt das denn bitte eigentlich alles zusammen?

„Nun, ich komme aus Milwaukee, Wisconsin – dem Heim von Miller Bier und den Violent Femmes, wenn Dir das was sagt – die finde ich ziemlich cool.“ Das passt – denn Newski wird gerne nachgesagt, dass er wie die Violent Femmes klingen kann.

„Ich zog vor vier Jahren nach Asien und reiste dort herum, weil meine Band in Amerika sich aufgelöst hatte und meine Freundin und ich uns getrennt hatten. Ich hatte mir gedacht, dass es ganz gut wäre, wenn ich etwas von der Welt sähe und stellte fest, dass es mir dort gefiel. Ich landete irgendwann in Saigon und blieb dann für zwei Jahre dort – arbeitete ein wenig, lehrte ein wenig Gitarre und spielte in ein paar Bands. Es war ziemlich bizarr.“

Wohl auch deshalb, weil Asien ja nicht gerade für seine Rock-Tradition bekannt ist, oder?

„Stimmt, das war wirklich ein Problem. Ich bin ja kein J-Pop-Star und touren konnten wir wegen der Entfernungen auch nicht“, berichtet Brett, „es war aber so, dass nur etwa die Hälfte meines Publikums vietnamesisch war – der Rest bestand aus Gestrandeten aus aller Herren Länder – so wie ich.“

Nun schreibt Brett Songs in der besten Tradition eines Hobos – also über sich selbst, aber beeinflusst von seinen Reisen. Muss man denn reisen, um solche Songs schreiben zu können, oder schreibt man Songs wie diese, weil man reist?

„Man muss natürlich nicht reisen, um Songs zu schreiben, aber es hilft, denn so etwas zwingt Songs aus Dir heraus, die normalerweise nicht entstünden. Insbesondere, wenn man in seltsame Situationen gerät oder irgendwie die Solo-Zeit und Isolation auf Reisen überbrücken muss. Zum Beispiel wenn man zwei Tage auf einen Bus oder einen Flug warten muss. Das ergibt dann die eine oder andere verrückte Geschichte, die man auf Tour erzählen kann – ist aber ganz schön anstrengend. Dann nimmt man sich besser einen Kaffee und einen Notizblock und fängt an zu schreiben – alleine schon um seinen Verstand nicht zu verlieren.“

Damit wären wir beim Thema „Verstand“: In dem Song „Dirt“ philosophiert Brett darüber, dass sein Verstand zuweilen ein Eigenleben führe. Wie wichtig ist eigentlich Humor für Brett Newski?

“Humor ist das Größte“, meint er bestimmt, „man muss einfach als Songwriter Humor haben, weil das Musikbusiness ganz schön brutal ist. Humor hilft da, weil es sich im wesentlichen doch um einen einzigen, gigantischen Popuaritäts-Wettbewerb handelt, oder? Und wenn man da keinen Humor hat, dann wird man innerhalb eines Jahres wahnsinnig. Man muss das zuweilen einfach als Witz betrachten und man muss es mögen, über sich selbst zu lachen.“

In dem Song „Dirt“ nimmt Brett das wörtlich und singt, dass sein Verstand ein Eigenleben führe.

„Ja, 'Dirt' ist mein Katharsis-Song. Und es stimmt: Zuweilen führt man einen richtigen Kampf mit seinem Verstand – speziell, wenn man zu lange alleine ist. Man betrachtet seinen Verstand am besten als selbstbestimmtes Wesen außerhalb seines Körpers, wenn Du weißt, was ich meine.“

Wie entstehen denn Bretts Songs?

„Das ist ziemlich geographisch zu sehen, weil ich immer in Bewegung bin. Ich fühle mich von neuen Orten einfach inspiriert. Meine Songs sind autobiographisch und können für das genommen werden, was sie zu sein scheinen. Keine versteckten Botschaften hier. Das Leben ist – ehrlich gesagt - schließlich ja auch ziemlich konkret.“

Was ist denn ein ´American Folk Armageddon´?

„Nun, Musik, die laut und energisch ist und die Attitüde hat. Es ist nicht Punk, hat aber Punk-Drive. Ich mochte immer schon Indie Rock – das mit dem Folk ist relativ neu für mich und dem Umstand geschuldet, dass ich meist akustische Gitarre spiele.“

Was ist das Wichtigste dabei?

„Dass Musik ein menschliches Element hat. Sie muss handgemacht sein und Gitarren beinhalten. Nur mit einem Computer kann man keine glaubwürdige Musik machen. Und die Songs müssen kurz auf den Punkt kommen, denn die Aufmerksamkeitsspanne der Leute darf nicht überstrapaziert werden.“

Aktuelles Album: American Folk Armageddon (Make My Day)
© 01. Dezember 2014  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Chuck B
Dezember 2014

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