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DIE GOLDENEN ZITRONEN - Gegen den Imperialismus

Die Zeiten, wo die Goldenen Zitronen mit kleinen Bubblegumpunk- & Teenage-Powerpop-Hits wie ´Am Tag Als Thomas Anders Starb´ oder ´Ich Und Rocky Waschbär´ aufgewartet haben, sind lange schon passé. Nachdem bereits die Alben ´Das bißchen Totschlag´ bis hin zu ´Die Entstehung der Nacht´ in den Niederungen scheppernder Rhythmen, komplexer Spielarten, musikalischer Disonanzen und zum Teil schrägen Texten abdriftete und von vielen Kritikern als intellektuelle Speerspitze der deutschen Indenpendentmusik bezeichnet wurden, geht ihre Musik jetzt noch abgedrehter gegen das imperialistische Abendland vor. Weitere Einblicke gewährt uns Schorsch Kamerun im folgenden Interview:.

War so ein Intrumentenpark wirklich von Nöten um per exemplum solch Getöse, Distortions und viel Aufhebens, um wenig Melodien zu fabrizieren?

„Ich verstehe Fragen immer so schlecht, die schon eine Wertung im Gepäck haben. Ich kann deshalb natürlich nicht verlangen, dass jemand etwas anderes hört als ich in meiner eigenen Wahrnehmung. Also, das erkennen oder nicht erkennen von ´Meledodie´ ist natürlich subjektiv, oder wie John Cage so schön sagt ´alles ist Musik´. Wir selbst behaupten unsere Platte ist voller besonders betörender Töne. Unter anderem natürlich auch deshalb, weil! wir mit handelsunüblichem Equipment laborieren.“

Mal ehrlich, Eure geistigen Ergüsse sind manchmal so gagga, das nur die Nerds, geistig Verwirrten und Leute mit summa cum laude den Inhalt verstehen. Ist das (immer) so gewollt?

„Hast du was gegen gaga, Nerds oder Verwirrte? Ich selbst fühle mich in so einer Umgebung per se nicht unwohl. Aber es stimmt ja nicht mal. Wir werden ja verstanden. Unsere Themen bewegen sich in den aktuellen Diskursen, wir werden zitiert und befragt - u.a. von dir selbst an dieser Stelle. Auf den aus unserer Sicht passend frequentierten Konzerten kommen die unterschiedlichstne L eute, oft besonders viele junge, die uns u.a. auch als geistige Verwandtschaft schätzen.“

Versteht ihr späterhin immer noch was ihr Anfangs ausdrücken wolltet bzw. gemeint habt!?

„Diese Frage impliziert, dass wir wahllos vor uns dahinbasteln würden. Der Punkt ist aber: DU verstehst anscheinend nicht, was WIR ausprobieren. Das verlangt aber auch keiner, es ist ja zulässig, dass man unsere ausgesuchte Vielfalt - welche natürlich aus einer langen Geschichte und sicherlich auch aus sehr komplexen Referenzen entsteht - anders aufnimmt als wir selbst. Aber ganz im ernst, nimmst Du wirklich an, wir würden etwas schaffen, was wir selbst nicht kapieren? Ich verstehe die Kunst nicht, die man immer gleich versteht!“

Puzzeln mit den verschiedensten Elementen des musikalischen Undergrounds, das mit Gästen dann zu einem musikalischen Spektrum avanciert. Ist das nur auf „Who´s Bad?“ so oder zieht sich das Prozedere wie ein roter Faden durch Eure letzten Alben?

„Wir haben von Anfang an immer Gäste auf unseren Platten gehabt, auch um das eigene Spektrum zu erweitern. Wir finden halt geschlossene Männer-Band-Bünde erstickend und glauben deswegen an geöffnete Kollektive und ihre Diskurse. Man will ja auch nicht immer in dieselbe Kneipe gehen, wo immer dieselben Leute abhängen mit immer demselben Gelaber und wo dann immer deren gleiche Lieblingsplatte kreiselt.“

Was ist deiner Meinung nach der beste Song auf dem aktuellen Album?

„Keine Ahnung. Kann das immer erst viel später einschätzen. Ist doch klar, dass wir nicht alles nur super finden was wir machen. so etwas behaupten Leute, die jedes Mal aufs neue von ihrem ´persönlichsten Album´ sprechen, weil sie damit meinen, es wäre ihnen ´persönlich´ diesmal eigentlich alles voll spitze gelungen.“

Was würdet ihr mit „Who´s Bad“ gerne erreichen?

„Dass die Leute auf der Straße unsere Songs pfeifen!“

Was liegt Dir auf der Zunge oder möchtest Du gerne quitt werden bzw. unseren Lesern auf´s Auge drücken?

„Liebe Leser, bitte wehrt Euch unnachgiebig gegen das imperialistische Auftreten des Abendlandes und ganz viel Spaß mit unserer ´bislang- persönlichsten Platte´! Sie heißt „Who`s Bad“, handelt von den aktuellen Verdrängungskämpfen, deren zynische Wettbewerbe und ist ein gut zu verstehendes Meisterwerk.“

Aktuelles Album: Who´s Bad (Buback / Indigo)
© 01. Oktober 2013  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen ||| Foto: Frank Egel
Oktober 2013

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