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INFAMIS - Vom Underground in den Himmel!

Bunte Blumen machen die Internationale Gartenschau (igs) in Hamburg-Wilhelmsburg zu einem farbenfrohen Vergnügen. Unweit des himmlischen Ambientes der igs, die gar Landebahnen für Engel bereithält, sitzen René Schwettge und Wim Wenders im düsteren Rialto-Lichtspielhaus, um gemeinsame Kooperationen zu diskutieren...

„Infamis sind so ein Phänomen des Untergrunds. Kaum einer kennt die Band, doch die, die sie kennen, sind tief bewegt von der musikalischen Weite dieser Berliner Großstadt Cowboys. Infamis-Musik ist eine Welt zwischen dem Soundtrack eines Spaghetti Westerns und der alptraumhaften Fahrt durch eine elende Metropole“ (Arndt Peltner / Radio Goethe); Wilhelm Ernst Wenders ist Regisseur, Professor für Film an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und war 1971 Mitbegründer des Filmverlags der Autoren des Neuen Deutschen Films. Weiterhin schuf er mit „Der Himmel über Berlin“ ein Meisterwerk der Filmkunst. Das darin enthaltene musikalische Rahmenprogramm bestreitet u.a. mit zwei Songs der australische Musiker Nick Cave. Protagonisten des Films sind die Engel Damiel und Cassiel - ob diese jedoch noch bis zum Ende der igs am 13.10. dort landen werden, darf bezweifelt werden. Die Berliner Band Infamis aber wird am 11.10. abermals im Rialto-Lichtspielhaus sein, um das Programm der hervorragenden aktuellen CD ´Im Westen der Himmel´ inklusive Filminstallationen zu präsentieren. Wer sich nun fragt, was die Lichtgestalten und die musikalischen Düstermänner verbindet, sollte die Annalen der Zeit etwas zurück drehen. Besser gesagt, subjektiv bis zum Jahr 1987, als besagte Damiel und Cassiel in Gestalt von Bruno Ganz bzw Otto Sander (stieg am 12.09. endgültig in Berlin in den Himmel auf, R.I.P.) in Wenders´ Film ´Der Himmel über Berlin´ in Erscheinung traten, um den dortigen Menschen neuen Lebensmut einzuhauchen, ohne jedoch selbst eingreifen oder sich zu erkennen geben zu können.

Jahre später, 2011, gründet Wim seine eigene Plattenfirma Wenders Music, um den Soundtrack seines Films ´Pina´ zu veröffentlichen. Die Band Infamis - namentlich Maren van Ham (b, Banjo, voc, git), René Schwettge (voc, perc, Harmonica, git), Pierre Moulin (git, p, Banjo, voc) und Benno Verch (dr, perc) – stand seinerzeit noch bei anderen Labels im Artist-Rooster, hatte u.a. mit ´Underground´ ein in Kritikerkreisen wohlwollend bedachtes Album veröffentlicht. ´Der Himmel über Berlin´ schien ihnen ebenfalls wohl gesonnen, denn plötzlich begann sich Deutschlands bekanntester Regisseur für das Quartett zu interessieren.

Die Quadratur des Kreises ist vollzogen - Die Gegenwart zurück. Wenders & Schwettge eruieren mit der Westzeit die Fakten. Warum gründet ein Filmemacher ein Plattenlabel?

Wenders: „Das kann man mit dem schönen deutschen Wort Selbsthilfe umschreiben. Ich habe Wenders Music ins Leben gerufen, weil niemand meinen Soundtrack zu `Pina´ herausbringen wollte. Nachdem es das Label nun einmal gab, und gut gegangen ist (40.000 verkaufte Exemplare „Pina“), dachte ich, nun holst Du, was es gibt, denn das Label soll weitere Früchte tragen. Dann kam Infamis...bzw war die Band natürlich schon vorher da...“

Schwettge: „Wir kennen uns seit fünf Jahren. Es gibt in Oakland einen lieben netten Fan von uns, der schon viele Jahre Radio macht. Kleine Sendungen vom Goethe Institut etc. Der spielt nur deutsche Musik in den Sendungen. Ein bis zwei Stunden lang - Radio Goethe. Er (der Moderator) hat dem Wim nach einem Interview eine Platte von uns in die Hand gedrückt. Daraufhin meldete sich Wim bei uns.“

Wenders: „...nicht sofort. Er hatte mir tatsächlich eine Vinyl-Platte in die Hand gedrückt. René hat das wörtlich gemeint. Als Reisender bist Du völlig aufgeschmissen mit Vinyl. Ich habe es um die ganze Welt geschleppt. Bis ich (zu Schwettge) Eure Platte endlich zuhause hören konnte. Es war die vorherige, von 2008, die hieß `Underground´. Ich hab ein Lied gehört, dann die Internetadresse, die hinten drauf war, angemailt. Gefragt, super, was gibt es denn noch von Euch?“

„Der Himmel über Berlin“, Nick Cave...

Wenders: „Es könnte irgendwie passen. Nick Cave könnte ich mir auch nicht leisten! (Wenders lacht.) Aber ich glaube, dem Nick wird die Musik gefallen. Vielleicht ist auch etwas Wahres dran, dass die Jungs klingen wie Nick mit seiner fast deutschen Band geklungen hat. Gleichzeitig klingt Infamis schon ganz anders. Irgendwie muss man immer mal was vergleichen. Irgendwann hab ich mal töricht gesagt, wenn Nick Cave mal richtig gut deutsch gelernt hätte, hätte er auch so eine Platte hinbekommen.“

Die Inspirationsquellen für ´Im Westen der Himmel´ sind dennoch vielfältiger.

Schwettge: „Die gehen von Robert Johnson bis Trio, über Udo Jürgens und die Einstürzenden Neubauten. Man hört soviel, nimmt so viel auf. Im weitesten Sinne Blues! Country! Doch das macht es noch viel zu eng. Man hört ja nicht so Musik!“

Parallelen zu Tarantino...

Wenders: „...auch nicht dumm.“

Der Opener des Albums heißt ´Ganz großes Kino´... Schwettge: „Zufall.“

Wenders: „Entspricht der Wahrheit!“

Schwettge: „Damit hat das nichts zu tun. Es geht in dem Song um Zufälle!“

Wie dem auch sei, „Ganz großes Kino“ gehört in ein großes Lichtspielhaus, deshalb tourt Infamis im Oktober durch unsere Republik.
07.10. Düsseldorf, Kino Metropol
08.10. Essen, Eulenspiegel Filmtheater
10.10. Berlin, Kino Babylon
11.10. HH-Wilhelmsburg,Rialto Lichtspiele
16.10. Lich, Kino Traumstern
Aktuelles Album: Im Westen der Himmel (Wenders Music / Rough Trade)
AKTUELLE VÖ: IM WESTEN DER HIMMEL (WENDERS MUSIC / ROUGH TRADE)
Weitere Infos: www.wendersmusic.com
© 02. Oktober 2013  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Katja Burmeister
Oktober 2013

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