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JOHNNY FLYNN - Wortgestöber

Johnny Flynn ist ein Name, der gut in einen Mark Twain Roman passen würde, und der Brite würde in seiner Vielschichtigkeit und Außergewöhnlichkeit auch ohne Schwierigkeiten genug Stoff für den großen alten Herren der amerikanischen Literatur bieten, aber Flynns Helden sind andere: Er verehrt Yeats, Shakespeare, T.S. Eliot, ist Schauspieler, Poet und natürlich einer der begnadetsten Singer/Songwriter, die das Vereinigte Königreich derzeit zu bieten hat. Sein traditioneller Folk verstört im ersten Moment, weil er so echt, plain und ohne Effekthascherei rüberkommt.

Flynns einzige Waffen sind seine atemberaubende Stimme und seine Lyrics, die ihn tatsächlich zu dem machen, was jeder Singer/Songwriter zu sein wünscht: Ein Storyteller! Aber lest selbst…

Du fliegst in ein paar Tagen für einige Shows in die Staaten. Was ist der Hauptunterschied dort verglichen mit Europa?

“Amerikaner sind sehr unvoreingenommen in ihrem Enthusiasmus, was sowohl gut als auch schlecht sein kann. Manchmal trau ich dieser Vorbehaltlosigkeit nicht, aber es ist natürlich schön, dass man nicht gleich beurteilt und in Kategorien gesteckt wird. Die Amerikaner mögen einfach Dinge ohne sie groß zu analysieren und das ist okay für mich.”

Deine Songs sind sehr vielschichtig und unterschiedlich. Woher nimmst Du diese ganze Inspiration?

“Meine Inspiration hat viele Formen. Wie bei allen anderen Menschen auch: Manchmal reicht es nur einen Song zu hören, manchmal schaut man sich gerade ein Kunstwerk an, liest ein Buch oder ein Gedicht… Oder man klettert auf einen Berg! Es ist ziemlich abstrakt. Manchmal ergehe ich mich einfach in Wortspielereien und andere Male verbringe ich den ganzen Tag mit meinem Sohn und die Ideen schießen mir nur so durch den Kopf und wenn ich ihn dann zu Bett gebracht habe, setze ich mich ans Piano und versuch das Ganze musikalisch einzufangen. Es ist immer anders!”

Wann bist Du das erste Mal mit Musik in Berührung gekommen?

“Ich habe angefangen Violine zu spielen, als ich sechs war oder so. Dann habe ich angefangen in Chören zu singen und klassische Stücke einzustudieren. Es gab aber auch eine ziemliche Bandbreite an moderner Musik bei uns zu Hause. Mein Dad hat gesungen und liebte alte Songs – Irving Berlin und so ein Zeug, während meine Mutter all dieses Sechziger und Siebziger Zeug liebte. Und natürlich gab es auch eine ordentliche Dosis traditioneller Musik, was mich wohl am maßgeblichsten beeinflusst hat.”

Du bist außerdem auch Schauspieler, inwieweit beeinflusst das Deine Musik und umgekehrt?

“Ich nutze Erfahrungen aus beiden Bereichen und wende sie auf den jeweils anderen an. Es hat beides hauptsächlich mit Präsenz zu tun: Die Leute dazu zu bringen, Dir zuzuhören und zuzusehen. Beide Disziplinen sind sich also gar nicht so unähnlich.”

Warum hast Du Dein neues Album ‘Country Mile’ genannt? Was steckt hinter diesem Titel?

“Es geht, grob gesagt, um eine Reise: Eine Country Mile ist eine undefinierte Distanz und jeder Song repräsentiert verschiedene Elemente einer Reise.”

Was steht für den Rest des Jahres an?

“Ich werde ziemlich durchgehend mit meiner Band auf Tour sein: Nächste Woche USA, dann komme ich zurück für einige Shows in Deutschland und Rest Europas. In Dezember finde ich vielleicht irgendwo ein Loch, in dem ich einfach nur schlafen kann.

Aktuelles Album:Country Mile (Kobalt / Rough Trade)
© 01. Oktober 2013  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow ||| Foto: Luke Montgomery
Oktober 2013

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