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MORCHEEBA - Wasserspiele

Alles was recht ist: Für einen Act, der sich bislang stets über eine zentrale Stimme definierte (auch wenn das bereits derer drei waren), ist der Schritt, den die Gebrüder Paul und Ross Godfrey auf dem neuen Album vollziehen, vergleichsweise mutig und radikal: Anstatt sich für das neue Werk wieder ein stimmliches Aushängeschild zu suchen, entschloss man sich, stattdessen das Liedgut als Solches ins Zentrum zu stellen. Passende Stimmen zu dem, was Paul und Ross im Kopf hatten, suchten sie sich dabei über das Web zusammen.

So fanden sie z.B. zu Judie Tzuke, dem skandinavischen Songwriter Thomas Dybdahl, dem Rapper Cool Palm Pete und schließlich wandte sich die französische Sängerin Manda von sich aus an die Godfreys und wurde mit offenen Armen nicht nur für die Scheibe, sondern auch gleich für die Tour-Band als Sängerin verpflichtet. Aber es sind eben unterschiedliche Stimmen, die dieses Mal in der Summe das neue Morcheeba-Album ausmachen – auch wenn Paul Godfrey's gewohnt organische Produktion das Ganze soundmäßig dann doch wieder irgendwo zusammen hält.

„Für mich ging es dieses Mal darum, die richtigen Stimmen zu finden", erklärt Paul die Vorgehensweise, "für mich ist die Stimme eigentlich wichtiger als der Sänger. Ich wußte ungefähr, wie die Musik klingen sollte, weil ich da so einige Ideen hatte. Aber ich verbrachte eine Menge Zeit im Internet und suchte nach Sängern. So entdeckte ich Thomas Dybdahl, den ich vorher noch nicht kannte. Ich kannte Judie Tzuke und dachte, dass ihre Stimme gut zu uns passen würde. Die französische Sängerin Manda wandte sich von sich aus an uns – das war ein glücklicher Zufall. Und als wir dann die Leute zusammen hatten, haben wir auch mit ihnen zusammen geschrieben."

Das ist eine neue Erfahrung für Paul und Ross, nicht wahr?

"Ja, in der Tat", bestätigt Paul, "Thomas Dybdahl spielte uns z.B. etwas auf der Gitarre vor, das er sich im Flugzeug ausgedacht hatte – das war sehr spontan und kreativ - ein ziemlich natürlicher Prozess, der ein wenig an unsere Anfänge erinnerte, wo wir fertig geschriebene Songs produzierten, während wir zuletzt während des Produzierens schrieben. Wir haben uns auch lange über die Songs unterhalten. Wir sind da ja in der glücklichen Lage, dass wir ein eigenes Studio haben und uns keine Gedanken um die Zeit machen müssen."

Nach "The Sea" ist dies bereits das zweite Morcheeba-Album mit einem maritimen Thema. Ist das eine Sache, die Morcheeba wichtig ist?

„Auf jeden Fall“, pflichtet er bei, „als Kind hatte ich schon diesen Tick, in der Badewanne unter Wasser für zwei Minuten die Luft anzuhalten um vor allem irdischen zu entfliehen. Ich liebte es immer schon zu schwimmen. Meine Mutter musste mich als Kind gar mit einem Seil festbinden, damit ich nicht ertränke. Ich wollte immer ins Wasser rennen und darin untertauchen, während andere eher eine Gefahr darin sahen."

Und was hat das mit Musik zu tun?

"Das weiß ich auch nicht", gesteht Paul, "außer vielleicht, dass meine glücklichsten Kindheitserinnerungen entweder damit zusammen hängen im Wasser zu liegen, wo ich mich sicherer als auf dem Land fühlte oder damit, alten Soul-Scheiben zu lauschen. Ich hatte damals das Gefühl, dass diese Musiker an mir Interesse hatten und mir etwas gaben, was ich im täglichen Leben nicht bekam. Das sind also die beiden größten Einflüsse in meinem Leben.“

Und ergo ist "Dive Deep" auch eine typische Morcheeba-Scheibe geworden. Jetzt liegt es also an den Fans, einer Band mit mehreren Stimmen eine Chance zu geben.

Aktuelles Album: Dive Deep (PIAS)
© 01. Februar 2008  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Februar 2008

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