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PETE PHILLY & PERQUISITE - USA? Langweilig!

Wenn man sich das Ziel gesetzt hat, alle anzusprechen. Wenn man über den US Hip Hop sagt: „belanglose Videos, Texte über Titten und Waffen, und Musik, die jede Kreativität entbehrt“. Wenn man den Anspruch hat „in Zeiten von Plastik-Musik bringen wir den analogen Sound zurück“ – dann muss man schon etwas abliefern auf seinem eigenen neuen Album, das die Welt in Atem hält. Zumindest Holland ist schon verzaubert, diverse Preise und ausverkaufte Hallen sind der Lohn für ein mutiges Album und spannende Live Shows. Perquisite, das musikalische Mastermind an der Seite von MC Pete Philly findet das alles relativ normal und deshalb starte ich auch mit der Grundsatzfrage.

Was ist los mit dem Hip Hop heutzutage?

“Nun, alles was seit Jahren aus den Staaten kommt, ist langweiliges Zeug und immer das gleiche. Ich mag die Zeit von 1993-2000, das war vielleicht die beste Phase des US Hip Hop, aber was da heute noch erscheint ist nichts für mich. Im Moment kommt das spannende Zeug aus Europa, da passiert viel mehr. Frankreich, Deutschland und England, da vor allem Roots Manuva und MIA, das ist interessant. Selbst die Szene hier in Holland ist aufregender als der ganze US-Kram. Irgendwie sind die US-Rapper hängen geblieben und machen immer dasselbe. Traurig.”

Was erwartest du von der Tour durch Deutschland?

“Wir waren ja 2005 schon mal in Deutschland unterwegs und da waren wir sehr unbekannt. Da haben wir in Nürnberg vor fünf Leuten gespielt. Wir hoffen natürlich, dass das dieses Jahr anders wird. Wir sind mit sechs Leuten auf der Bühne. Cello, Saxophon, MC, Bass, DJ und Drums. Natürlich haben wir eine Set-Liste und wissen, welche Stücke wir spielen, aber es wird auch viel improvisiert, je nachdem, wie die Laune und Stimmung gerade ist. Das wird eine sehr spannende Geschichte.

Außerdem gibt es ja zwei Shows zu sehen, denn Leeroy von der Sajan Super Crew ist mit seiner neuen Show mit von der Partie. Wir haben den in Paris kennen gelernt und spontan entschieden, gemeinsam auf Tour zu gehen. Leider hat sich die Super Crew ja aufgelöst und jeder macht nun sein eigenes Ding, aber ich kann versprechen, auch Leeroy solo ist noch eine ganz wilde Geschichte.”

Und im März wird es dann ganz spannend, denn wir gehen nach Japan, weil unser Album dann dort erscheint. Da freuen wir uns wirklich drauf, denn wir haben keine Ahnung, wie man dort auf uns reagiert.”

Im Moment gehen doch alle nach China? Ihr auch?

“Nein, noch nicht (lacht). Aber wer weiß – eines nach dem anderen. Leider können wir im Moment nur an einem Ort zur gleichen Zeit sein.”

Was für Leute kommen denn zu euren Shows?

“Oh, das ist völlig gemischt. Eigentlich sprechen wir ja eher ein älteres Publikum an, aber es gibt auch die Homeboys auf unseren Konzerten. Dann natürlich die älteren Hip Hop Fans, aber auch Leute, die eigentlich nur Rockmusik hören. Aber natürlich haben wir auch die kreischenden Girls in den ersten Reihen. Es ist wirklich ein bunter Haufen, der da zusammen kommt.”

Wie kam es zu der Flamenco-Nummer bei dem Track „Traveller“?

“Ich war hier in Amsterdam auf einem Konzert und war begeistert von dem Gitarristen Ricardo Riviera. Nach der Show habe ich ihn angesprochen und er kam dann ein paar Monate später ins Studio und hat zu meinen Beats improvisiert. Das klappte sehr gut. Dann habe ich die spanische Sängerin Erminia, die hier in Amsterdam lebt, eingeladen und sie hat dazu gesungen. Wir sind alle von dem Ergebnis begeistert.”

Wie sieht denn generell der Arbeitsprozess aus? Erst die Lyrics? Erst der Beat?

“In der Regel fange ich mit einem ganz simplen Beat und Loop an. Dann kommt Pete ins Studio und hört sich das an und wir werden Ideen hin und her. Meistens geht er dann in sein stilles Kämmerlein und schreibt die ersten Lyrics, die zu dem Sound passen. Er kommt dann damit zurück und wir nehmen das auf. Dann kommen mir weitere Ideen und ich packe Klavier, Cello oder Bläser dazu, oder was weiß ich. Was halt gerade zu dem Song passt. Pete bekommt das dann wieder zu hören und ändert die Lyrics noch mal, fügt vielleicht einen Refrain dazu oder wir überlegen, ob wir einen Gast-Sänger oder Sängerin brauchen. So geht das hin und her, bis wir schließlich einen Song haben. Das kann endlos lange dauern oder auch mal sehr schnell gehen. Es ist ein konstanter Entwicklungsprozess.”

Vielen Dank für das Gespräch.

Aktuelles Album: Mystery Repeats (Anti / SPV)
© 01. Februar 2008  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Februar 2008

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