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LOU RHODES - Frühlingserwachen

An den Namen Lou Rhodes – als selbständige Solo-Künstlerin – muss man sich immer noch gewöhnen. Zwar legt Lou mit "Bloom" nun bereits ihr zweites Solo-Album vor, doch allgemein ist sie zunächst noch als Vokalistin und Frontfrau von Lamb in Erinnerung. Nachdem Lamb auseinander brachen, ordnete Lou ihr Leben neu, zog in eine Kommune aufs Land und orientierte sich auch musikalisch neu. Waren Lamb ja eher als klassischer Trip-Hop-Act bekannt, so experimentierte Lou auf ihrem Solo-Debüt-Album "Beloved One" mit einer Art Neo-Folk.
Diese Entwicklung setzt sich auf "Bloom" nun fort – wobei es hier in Sachen Songwriting, Arrangements und vor allen Dingen Sounddesign doch erkennbare Entwicklungen gibt. Sogar die Dramatik und Atmosphäre älterer Lamb-Aufnahmen kann man aus dem neuen Material jetzt heraushören (was wohl nicht zuletzt an Lous einzigartiger, einprägsamer Gesangsstimme liegt). Was war denn das Ziel bei den neuen Aufnahmen?

“Wie bei 'Beloved One' auch, war es mir wichtig, die Aufnahmen für 'Bloom' so ehrlich, natürlich, organisch und akustisch wie möglich zu gestalten”, erläutert Lou, “davon mal abgesehen, war der kreative Prozess immer offen. Für mich sind die Songs immer nur Ausgangspunkte. Im Studio ist es wichtig, dass jeder Song das bekommt, was er braucht. Nicht mehr und nicht weniger.”

Unterstützt von Produzent Emre Ramazanoglu gelangen Lou dabei einige beeindruckende Tracks, wobei Emre wohl dafür zuständig war, den Songs Lous ein Gesicht zu geben:

“Ich schätze, dass ich die Skelette der Songs beisteuerte und er half, Fleisch auf die Knochen zu bringen”, erklärt dies Lou. Lous Songs handeln oft von Zuständen wie Zweifel, Einsamkeit, Sehnen und ähnlich heiteren Dingen - auch wenn es gelegentliche Hoffnungschimmer am Horizont erscheinen. Dennoch führt das dazu, dass ihre Stücke eher melancholischen Charakters sind; auch der nach wie vor eher düsteren Musik wegen. Sie selbst sieht das zwar so, dass heutzutage automatisch alles als “melancholisch” abgestempelt wird, was nicht einem bestimmten, künstlichen Glücks-Begriff entspricht, aber dennoch: Wo findet Lou Rhodes ihre Themen?

“Themen? Das klingt ja nach einem Schulaufsatz”, meint sie eher zögerlich, “es ist aber stattdessen so, dass meine Songs eher aus meinem Herzen als aus meinem Kopf kommen. Es ist dabei fast so, als dass das Thema mich findet als umgekehrt. Die größte Herausforderung ist dabei, Gefühle so aufrichtig wie möglich zu vermitteln ohne dabei allzu offensichtlichen Klischees aufzusitzen.”

Diese Gefahr ist freilich im Falle Lou Rhodes kaum gegeben – einfach deswegen, weil ihre Songs schlicht anders klingen als das meiste, was aus der Ecke “Songwriter” kommt. Wie gesagt, hängt das mit ihrer wirklich einzigartigen Stimme zusammen und auch mit der ungewöhnlichen Art, wie die Songs aufgebaut und arrangiert wurden. “Bloom” – ganz nebenbei auch ein Sinnbild für die Entwicklung, die Lou Rhodes als Songwriterin durchläuft (auch wenn sie selbst die Namensgebung eher intuitiv begreift und ihr keine intellektuelle Bedeutung zumisst) – ist dabei ein bemerkenswert modernes Album zwischen Folk und Pop geworden, dass sich exakten Kategorisierungen entzieht, Neues sucht, Traditionelles einbindet, eine Entwicklung erkennen lässt und gleichzeitig in einer Linie mit Lou Rhodes bisheriger musikalischen Laufbahn zu sehen ist. Auf der anstehenden Live-Tour wird Lou übrigens noch einen Schritt weiter gehen und die Songs solo, in ihrer ursprünglichen, “nackten” Form präsentieren.

Aktuelles Album: Bloom (A&G Records / RTD)
© 01. Februar 2008  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Februar 2008

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