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BRISTOL - Trip Hop-Referenzen satt!

Bristol liegt im Südwesten von England und macht zum Ende der 80er-Jahre musikalisch von sich reden, als Massive Attack und Tricky mit einem Klangmix wie aus dem Nichts aufwarten, der auf eine bisher noch nie dagewesene Weise Dub, Hip Hop, Soul und Jazz vermengt und dabei mächtig Tempo aus den Takten nimmt. Portishead kommen als Protagonisten noch dazu. Der Rest ist Geschichte und bald auch ein internationales Phänomen. 2015 kommt Marc Collin ins Spiel - er, der Denker hinter Nouvelle Vague, fasst den Plan, Trip Hop-Klassiker neu einzuspielen - allerdings nicht im originalen Klanggewand, sondern im lässigen 1960er-Jahre Retro Stil.

Mit freiem Geist und offenen Ohren

„Als Musikliebhaber mit freiem Geist und offenen Ohren konnte das Phänomen Trip Hop nicht an mit vorübergehen“, blickt Marc Collin zurück, „ Also wendete ich mich für mein nächste Projekt dem Trip Hop zu. Und damit Stücken, wie ‚Safe From Harm’ vom Massive-Attack-Album ‚Blue Lines.’ Das Lied hat mich damals vom Hocker gehauen und mir eine neue musikalische Welt zu eröffnet.“

Mit Nouvelle Vague will er das Projekt nicht umsetzen. Er sucht sich neue Mitstreiter und nennt diese lose Formation schlicht und passend Bristol. Und natürlich gibt er die Linie vor, wie mit den alten Trip Hop-Stücken umgegangen wird.

„Wenn jemand wie ich eine klare Vision hat, was wie mit den Originalstücken zu geschehen hat, dann hilft das allen Beteiligten“, erklärt der Produzent, „deshalb waren die Titel auch alle fertig vorproduziert. Dennoch weiß eine gute Führungspersönlichkeit, wenn ein Vorschlag eines beteiligten Musikers das Projekt voran bringt oder ihm zusätzliche Dynamik verleiht.“

In diesem Zusammenhang gibt Marc Collin ganz den kreativen Dirigenten, nie aber den kreativen Diktator.

Was ist eigentlich Trip Hop

„Die erste Frage, wenn man sich mit einem historischen Thema auseinandersetzt, ist die, worum genau geht es eigentlich? Dann musste ich mir die Frage stellen, ob ich ausschließlich Titel von Bands aus Bristol covern sollte?“, gibt Marc Collin zu bedenken, „schließlich ist das Genre später zu einer internationalen Erscheinung geworden. Ich erinnere da nur an Kid Loco aus Frankreich und Kruder & Dorfmeister aus Wien. Zentrales Auswahlkriterium war letztlich, dass es sich um Stücke handelte, die wirklich wie Lieder aufgebaut waren.“

Die Ehrfurcht vor Helden hat Marc Collin noch nie gelähmt. Munter dekonstruiert er Stück für Stück, angefangen beim bereits angesprochenen Schüsselstück ´Safe From Harm´, über Neneh Cherrys ´Woman´, Trickys ´Overcome´ bis hin zu ´Moog Island´ von Morcheeba. Sehr spannend sind auch sein Verweis auf ´Widows By The Radio´, ein wenig bekannter Song vom irischen Trip-Hop/Singer-Songwriter Perry Blake. Marc Collin arbeitet 2012 mit der libanesischen Sängerin Yasmine Hamdan an ihrem Album ´Ya Nass´, bei Bristol revanchiert sie sich durch die Übernahme des Gesangsparts im Björk-Stück ´All Is Full Of Love´.



Schön reduziert im Stil

Als Mitstreiter hat sich Marc Collin den Sänger und Gitarristen Jim Bauer, den Bassisten Martin Rahin, den Schlagzeuger Julien Boye sowie die Stimmen von Clara Luciani, Dawn Aurore und der Engländerin Prudence Fontaine ins Boot geholt. Herausgekommen sind wunderbar verschlurfte und im Stil schön reduzierte, manchmal stimmig spröde Interpretationen, die die Originalstücke darauf abklopfen, was mit dem Ausdrucksmittel Trip und Hop heutzutage gesagt werden kann. Für das Artwork hat sich Marc Collin für ein Schablonengraffiti des Streetart-Künstlers Banksy entschieden, der übrigens auch aus Bristol stammt. Hat Marc Collin sich in seinen bisherigen Projekten immer nur der Musik gewidmet, hat er beim Thema Trip Hop Blut geleckt und hat mit dem Thema weitere Pläne.

„Es gibt kaum etwas über Trip Hop, lediglich das Buch von Phil Johnson ‚Straight outa Bristol. Massive Attack, Portishead, Tricky and the Roots of Trip Hop’“, weiß der Produzent, „deshalb sollen eine Ausstellung und ein Dokumentarfilm folgen.“

Aktuelles Album: Bristol (JSM / Rough Trade)
© 01. April 2015  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Sarah Bastin
April 2015

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