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CIRCA WAVES - Junge Kavaliere alter Schule

Liverpool is back: Die Circa Waves bringen alte Ideale, vermischt mit neuen Sounds, zurück in das Gewissen der Pop-Maschinerie. Think positive! Es ist schon sehr bewundernswert, wie Circa Waves-Sänger/Gitarrist Kieran Shudall, ein durchaus etwas jünger wirkender Mittzwanziger, es schafft, auf die hinterhältigsten Fragen so freundlich oder charmant zu antworten, dass sich keinerlei negative Zitate kommunizieren lassen.

Selbst die Frage, ob er die Musik des vermeintlichen Circa Waves-Fans Elton John möge, umschiffte Shudall mit seiner Antwort so diplomatisch, dass sich hier kein ´Diese Musik mag ich nicht´ findet! Es ist sehr vorbildlich, sich dem Leben stets positiv zu zeigen. Andererseits ist es gerade deshalb wahrscheinlich nicht ganz fair, in einem langen, intensiven Gespräch ob der permanent freundlichen Aussagen von der Fragestellerseite her damit zu beginnen, Fangfragen zu stellen, um etwas Pfeffer in die Zitate - Suppe zu geben. Dennoch ist der Autor der Band ebenfalls sehr positiv gegenüber eingestellt. Betrachten wir es also als einen Test, wie lange es ein junger freundlicher Mensch schafft, keinerlei negative Attribute verlauten zu lassen!

Erstmals waren Shudall, Gitarrist Joe Falconer, Bassist Sam Rourke sowie der zu Jahresbeginn durch Colin Jones ersetzte Original-Drummer Sian Plummer als Circa Waves im Sommer 2014 in Deutschland, um exklusiv beim Hurricane-Festival, sowie beim Southside-Festival zu performen. In der Heimat bespielten die Waves anschließend das Glastonbury-Festival. Im fernen Japan gab danach noch einen Live-Auftritt beim Summersonic. Für eine Band, die zu dem Zeitpunkt der Gastspiele noch gar kein Album veröffentlicht hatte, ist das eine große Leistung! Was unterscheidet in den Augen der Künstler, hier vertreten durch Kieran Shudall, die soeben genannten, großen Events? Der Musiker lacht.

„Tausende von Meilen liegen zwischen den Festivals! Glastonbury ist einfach Glastonbury. Es ist ein tolles Festival, es wird getrunken, gefeiert. Das Hurricane macht diesbezüglich keinen großen Unterschied. Auch das Summersonic ist ein großartiges Festival, hat aber eher etwas von einem großen Club-Konzert.“

Derartige Konzerte absolvieren die Waves in England derzeit in Hallen mit einer Kapazität um die 1500 Besucher(innen).

„Somit war das Hurricane unsere erste Gelegenheit, vor einer riesigen Menschenmasse zu performen.“

Die Lichtshow beim besagten Hurricane-Zelt-Konzert mutete sehr psychedelisch an. So ungefähr muss es bei Pink Floyd im London der End-Sechziger ebenfalls ausgesehen haben.

„Wir mögen es, bunte Farben in unserer Lichtshow für unsere Arbeit auf der Bühne zu verwenden. Es wird irgendwie auch eine Art Psychedelia sein. Doch ich hoffe, es hat dennoch mehr mit Rockmusik zu tun, als mit psychedelischer Musik. Wir mögen definitiv viele der alten Gruppen. Aber ich würde nicht behaupten wollen, dass sich darunter nun auch psychedelische Bands befinden würden. Ich bevorzuge eher jüngere Bands.“

Nach den oben benannten Sommerfestivals gab es im Herbst 2014 Support-Slots für die Tournee einer Band der etwas jüngeren Generation, The Libertines.

„Sie hatten uns gefragt, ob wir sie in Deutschland begleiten möchten. Großartig, dass so etwas passieren konnte, dass wir die Libertines spielen sehen durften.“

Gab es Kontakt zu Libertines-Sänger und Skandalnudel Pete(r) Doherty?

„Ja. Er war sehr nett. Ich durfte mit ihm sprechen.“

Englische Medien vergleichen die Circa Waves musikalisch mittlerweile gar mit den Libertines. Alternativ werden Parallelen zu den Strokes oder mit diversen Brit-Pop-Formationen angestrengt.

„All das sind Bands, die wir mögen.“

Als Resultat dessen darf man behaupten, diese Interpreten hätten die Music der Circa Waves beeinflusst. Dennoch wird das Liverpoler Quartett zudem von Vertretern der ganz alten Musikschule gelobt. Siehe Elton John.

Shudall: „Er hatte einige unserer Lieder gehört. Danach lies er verlauten, dass er diese Songs möge.“

Wie sieht es andersherum aus - mag Kieran Shudall die Musik von Elton John ebenfalls? Shudall lächelt. „Ich möchte jetzt nicht unbedingt sagen, dass ich einen Großteil seines Materials mag. Aber er ist definitiv ein großartiger Songwriter, der viele schöne Lieder erschaffen hat.“

Die eigene, aktuelle Musik der Circa Waves für das nun vorliegendem Debutalbum wurde im Spätsommer 2014 in den geschichtsträchtigen RAK Studios in London eingespielt. Als Produzent agierte Dan Grech, der bereits mit den Kaiser Chiefs sowie The Kooks arbeitete. Im Ergebnis wurde mit ´Young Chasers´, so lautet der Name des Longplayers, eine fast 40 Minuten lange Songsammlung eingespielt, die in sehr hymnischer Weise subjektiv ungekünsteltes Material präsentiert. Der Track ´Best Years´ beschäftigt sich laut Shudall, der im übrigen alle Songs des Debuts komponierte, mit der glücklichen Kindheit und den Teenagerjahren im heimatlichen Liverpool. ´The Luck Has Gone´ beschreibt dagegen die eher unglücklichen, nicht von Erfolg gekrönten Versuche eines jungen Mannes, eine junge Lady für sich zu gewinnen. Als persönliche Favoriten des Albums benennt Shudall jedoch die Songs ´Lost It´ und ´Talking Out Loud´. Die Inspiration zur CD erklärt der Kopf der Circa Waves wie folgt:

„Wenn man in Liverpool aufwächst, interessiert man sich automatisch für Bands. Zumindest für mich gab es immer nur Bands. Solokünstler waren nie wirklich mein Ding. Man identifiziert sich mit einer bestimmten Formation, fühlt sich dazugehörig. Unsere Songs sind aus einer Stimmung der Frustration und eigenartiger Nostalgie heraus entstanden.“

Wie beeinflusste die Musik der ebenfalls aus Liverpool stammenden, größten Band, die die Welt bis dato jemals gehört hat, die Arbeit der Senkrechtstarter des Jahres 2015?

Shudall: „Wie uns die Beatles beeinflusst haben? Ich bin mit ihrer Musik aufgewachsen. Sie stärkten den Glauben in uns, dass man als Band wirklich alles machen kann! Als ich jünger war, spielte ich gar einmal im legendären Cavern Club, in dem die Beatles oft aufgetreten waren. Allerdings befürchte ich, dass ich nicht mehr den Original-Club erlebt habe.“

Shudall zählt weitere Locations auf, in denen es Auftritte sowohl von ihm als auch von den Fab Four gegeben hatte. Obendrein gibt es noch eine weitere Parallele. Der Beatles - Drummer aus den Anfangstagen, Pete Best, wurde kurz vor dem Durchbruch von Ringo Starr ersetzt. Und Original-Waves-Schlagzeuger Sian Plummer ist nicht mehr Mitglied der Circa Waves.

„Ja. Er ist nicht mehr dabei. Wir haben einen neuen Drummer namens Colin.“ Warum ist Sian ausgeschieden?

„Wie du dir denken kannst, handelt es sich hier um die bekannten musikalischen Differenzen.“

Wann fand das letzte Konzert in der alten Besetzung statt? „Das war vor einigen Monaten in Liverpool. Wir spielten dort zusammen mit einer anderen Band. Ich bin mir nicht mehr sicher, welche Band es war, kann deren Namen gerade nicht erinnern.“ Das erste Konzert im neuen LineUp war wann?

„Hmmm. Sorry. Auch das kann ich jetzt nicht erinnern. Wir waren so auf unsere Arbeit am Album und auf die vielen Konzerte konzentriert, dass ich andere Dinge komplett ausgeblendet habe.“

Ende April wird das deutsche Publikum bei den Konzerten in Hamburg, Berlin und München dann hoffentlich Colin Jones am Schlagzeug erleben dürfen. Werden alle dreizehn Album-Tracks zu hören sein?

Shudall: „Ich denke ja. Wir können ja (mehr als) 40 Minuten performen.“ Werden zusätzlich Coverversionen dargeboten werden?

„Nein. Coverversionen gibt es bei uns lediglich als B-Seite. Wir haben z.B. einmal `1901´von Phoenix und `Be My Baby` von den Ronettes neuinterpretiert.“

In dieser Songauswahl kreuzen abermals relativ neue und uralte Lieder die Interessen der Circa Waves. In welchem musikalischen Rahmen bewegten sich denn die Hörgewohnheiten der Eltern? Womit wurde Shudall als Kind beschallt?

Shudall: „Meine Eltern hörten Musik der alten Schule. James Taylor und Joni Mitchell zum Beispiel.“

Was mit einem Blick auf einige der oben im Text aufgeführten Antworten Shudalls somit abermals einen Gegensatz zu den eigenen Vorlieben darstellen dürfte. Shudall:

„Ach was. Ein guter Song ist ein guter Song.“

Punkt. Stimmt. Dankeschön für das Gespräch.

Aktuelles Album: Young Chasers (Virgin / EMI / Universal)
© 03. April 2015  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
April 2015

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