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TURBOWOLF - Riff-Rowdies

Der Wolf als Symboltier verheißt meist nichts Gutes. Was mag da erst hinter einem Turbowolf stecken? Bei der gleichnamigen englischen Band jedenfalls geht um Punk-Rock-Wut. Aber nicht nur die Turbowolf Klangwolke ist von Wut geprägt, sondern auch ihr Vortrag. Sie kommen als richtige Riff-Rowdies daher, die soeben ein neues Album in die Regale der Plattenhändler gestellt haben - ´Two Hands´.

Etwas von Wert schaffen

Ganze vier lange Jahre hat die Formation aus Bristol gebraucht, bis das Album fertig war.

„Wir mussten uns Zeit lassen, schließlich ist eine Platte eine ganz besondere Kunstform“, erzählt Chris Georgiadis, “damit die Lieder richtig gut werden, musst du sehr vorsichtig und achtsam mit ihnen umgehen. Kreative Ergebnisse lassen sich eben nicht erzwingen. Schließlich soll am Ende der Arbeit etwas von Wert stehen.“

Gitarrist Andy Ghosh und Sänger und Tastenmann Chris Georgiadis sind die beiden ideereichen Köpfe hinter Turbowolf.

„Obwohl die grundsätzliche Struktur dann bereits festliegt, wird das endgültige Arrangement jedoch gemeinsam mit den anderen Bandmitgliedern gemacht“, fährt der Sänger fort, „aber damit ein Stück glaubhaft und energiegeladen rüberkommt, muss ihn jedes Bandmitglied zu seinem eigenen machen. Dazu muss er seine ganze Persönlichkeit in das Lied legen. Darauf legen wir allergrößten Wert - ganz egal, wie lange es dauert.“

Da hat natürlich zur Folge, dass etwa 95 Prozent eines jeden Stücks, das Turbowolf ins Studio schleppen, ausformuliert ist.

„Doch manchmal ist einfach so, dass beim Aufnehmen sich eine überraschende Idee Bahn bricht, die dem Stück zwar nicht grundsätzlich eine andere Richtung gibt, aber zu einem kreativen Sahnehäubchen kann es schon mal führen“ erklärt Chris Georgiadis. Doch Turbowolf sind sich im Studio nicht allein überlassen, Produzent Tom Dalgety schaut ihnen auf die Finger, wie er schon äußerst erfolgreich bei Band Of Skulls oder Royal Blood gemacht hat. „Sein Job ist es, den Stücken die maximal mögliche Größe zu verleihen“, sagt der Sänger.“



Eindeutig Pop-Stücke

Obwohl die Turbowolf Stücke durchaus eine gewisse Wut in sich tragen, rau und aggressiv sind, sind es eindeutig Pop-Stücke.

„Was gäbe es auch gegen Pop einzuwenden?“, fragt Chris Georgiadis eher rhetorisch, „Pop kommt von populär und das möchte ja wohl jeder Musiker erreichen, dass seine Stücke populär sind. Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden gibt, der für die Schublade schreibt.“

Damit sie ihren Liedern diesen poppig-melodischen Schub verleihen können, beschäftigt Turbowolf sich einer Vielzahl von Musikstilen und Bands.

„Denn ein gutes Stück hat einerseits sicherlich etwas mit dem Kuss der Muse zu tun, aber gewisse handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ein gerüttelt maß an Arbeit helfen dabei auch“, gibt er weiterhin zu Protokoll, „ich glaube, es war Picasso, der gesagt hat, die Muse klopft nicht an die Tür Künstlers, wenn sie vorher nicht durchs Fenster gesehen, dass er arbeitet.“

Deshalb halten Andy Ghosh und Chris Georgiadis so etwas, wie Forscherkolloquien ab. Sie spielen sich gegenseitig Musik vor, etwa die alten Motown-Sachen oder ABBA, Jimi Hendrix, Cream oder Jeff Beck und analysieren dabei, warum was so besonders gut funktioniert.

„Du kannst gar nicht genug über Musik lernen“, lacht Chris Georgiadis, „und dieses Lernen hört nie auf - jedenfalls nicht so lange es Musik gibt.“

So ist es auch nicht zufällig, wie die einzelnen Stücke auf dem Album ´Two Hands´ zueinander in Beziehung stehen.

„Wir denken darüber lange nach; denn so eine Platte braucht einen Spannungsbogen und dazu kommt jedem Stück eine ganz bestimmte Aufgabe zu“, weiß der Frontmann.

Deshalb kann es in der Reihenfolge auch nur dort stehen, wo es steht, Jedes Lied ist ein unverrückbares Puzzleteil, das dazu beiträgt, ein großes Ganzes zu schaffen. Das erschließt sich dem Hörer recht schnell; denn der Sog der ersten Note ist bereits so stark, dass man gepackt wird. Und nicht mehr losgelassen wird, bis die letzte der Noten verklungen ist. Das ist große handwerkliche Kunst. Und der erste Eindruck der lauten und angriffslustigen Herangehensweise von Turbowolf darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie klar und deutlich die Visionen sind, die die beiden Schreiber ihren Stücken mit auf den Weg geben. So klar, dass auch die beiden Neuzugänge, Blake Davies am Schlagzeug und Lianna Lee Davis am Bass keine Probleme hattten, unmittelbar zu verstehen, wie die Lieder gemeint sind.

Aktuelles Album: Two Hands (Spinefarm/Caroline / Universal Music)
© 01. April 2015  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
April 2015

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