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KRIEGER - Blues Made In The Wild Wild East

Bottlenecks und Steelguitars...Yiiieeeaaah, wir machen uns bereit metertief durch schwärzesten Blues zu waten. Wenn das Ganze aber ‚Krieger‘ heißt fühlen wir uns in unserem Assoziationsempfinden erheblich gestört. Also, um dem Stigma der Deutschtümelei gleich mal einen Riegel vorzuschieben:

„Wir verwenden das Wort im Sinne von „Krieger im Alltag“ oder auch Helden. Es geht um die Werte, für die man einsteht und die man aufrechterhält. Wie bei dem Vater, der seinen Sohn an die Hand nimmt und sagt: „Wir sind beide wie zwei Krieger, wir schaffen das. Du und ich!

Der erste Song auf unserem Debutalbum heißt so und den habe ich damals für meinen Vater geschrieben, der schwer krank war. Ich bin also zu ihm ins Krankenhaus gefahren, hab‘ ihm das Stück vorgespielt und in dem Moment wusste ich auch, dass unsere Band so heißen soll.“

Krieger gibt es seit seit dreieinhalb Jahren und die musikalischen Einflüsse reichen von ZZ Top, über alte DDR Punkbands bis Johnny Cash. Bluesrock mit deutschen Texten ist eine Kombination, die gewöhnungsbedürftig ist. An Pathos haben die Jungs nicht gespart:

„Ich schreibe alle Texte und mein Schreibstil wird mit Sicherheit dadurch beeinflußt, dass ich nur Klassiker lese. Russische Klassiker und von denen ist mir Tolstoi der Liebste...der hat ja schon eine sehr imposante Schreibe. Was Du liest, so schreibst Du auch!“

Aber ist es nicht so, dass man sich mit deutschen Texten sehr limitiert, was internationalen Erfolg angeht, wenn man nicht gerade Rammstein heißt und auf diese Riefenstahl-Ästhetik setzt?

„Das ist uns total egal. Wer als deutsche Band, englische Texte hat, legt meiner Meinung nach, nicht genug Wert auf die Aussage seiner Songs. Dem ist es eben wichtiger, toll zu klingen. Ich möchte mich in meinen Texten ausdrücken und von daher war es für mich auch nie eine Frage. Ich bin ja in dieser DDR Punkrockszene aufgewachsen, mein Vater hat in einer Rockband gespielt und so habe ich schon sehr früh den Kontakt zu diesen ganzen Berliner Bands gehabt und das hat mich sehr geprägt. Musik empfinden Menschen auf der ganzen Welt gleich.“

Ihr Debutalbum haben Krieger in Schweden aufgenommen und eigentlich muß man den Namen des Produzenten gar nicht erst erwähnen: Ja genau, Pelle Gunnerfeldt!

Weniger ging es darum, den perfekten Sound hinzukriegen, als vielmehr etwas vom Spirit der Skandinavier aufzusaugen bezüglich ihrer Art Musik zu machen und zu produzieren.

„Ich habe so einen ganz fest gefahrenen Stil, ich spiele Sachen, wenn es sein muß, 100 mal ein, bis sich alles perfekt und ordentlich anhört. Und Pelle hat das so ein bisschen gebremst und wenn der dann sagte, es ist okay, dann habe ich es auch dabei belassen, während ich ansonsten noch ewig darum rumgefeilt hätte. Die Skandinavier haben viel mehr ein Gefühl dafür, sich nach außen zu öffnen und innovative Musik zu machen.“

Sie waren schon als Support von In Extremo unterwegs und haben bereits ihre Nase ins ganz große Festivalgeschäft stecken können. So standen dieses Jahr sowohl ‚Rock am Ring‘ als auch ‚Wacken‘ auf dem Programm.

„Bei Wacken habe ich im Vorfeld nur gedacht, das wird bestimmt total Scheiße, bei diesen ganzen Riesenacts interessiert sich keine Sau für uns und dann so ganz ohne Platte.

Aber jetzt im Nachhinein muss ich zugeben, dass Wacken eins der besten Konzerte war, dass wir je gespielt haben. Das Publikum ist mitgegangen und das hat uns schon sehr stolz gemacht.“

Bei Krieger finden sich keine nervtötenden Gitarrensoli, sie versuchen nicht schwarz zu klingen oder legen gar irgendwelche Dixie-Attituden an den Tag.

Von Dresden bis New Orleans sind es schließlich ein paar Meilen. Sie klingen simpler, aufgeräumter. Wem also Blues schon immer viel zu schmierig und schwül rüberkam und wer die Texte eh nie verstehen konnte - und wenn, wen bitte interessieren hierzulande die Nöte eines Baumwollpflückers in Alabama vor 50 Jahren - der hat Glück: Das neue Album ist gerade raus und hier wird mal gezeigt, wie episch die deutsche Sprache sein kann. Da träumen die Amis doch nur von!!!

Aktuelles Album: Krieger (Motor)
© 01. Oktober 2007  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow ||| Foto: Maxi Holland
Oktober 2007

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