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BEN LEE - Reifer Klebstoff

Als er im Alter von 14 Jahren, am Anfang seiner Karriere, die Fachwelt in Erstaunen versetzte, war der Australier Ben Lee bestenfalls frühreif. Damals, als junger Wilder wollte er alles auf ein Mal und war dabei auch noch davon überzeugt, dass das alles richtig so sei und ihm zustände. Deswegen wirkte er zu jener Zeit auch recht überheblich und von sich selbst eingenommen. Das ist ihm auch selbst bewusst und deswegen konzentriert sich Lee heutzutage auf das Wesentliche.

„Ich denke, dass ich heutzutage nicht mehr so gierig und selbstverliebt als Künstler bin“, gesteht Ben, „ich habe mein System jetzt bereinigt, meinen Kopf frei und konzentriere mich nun darauf, sehr ehrlich und gleichzeitig hoffnungsvoll zu sein. Das ist eine gute Herausforderung für mich. Das heißt nicht, dass ich positiv bis zur Selbstaufgabe sein möchte, aber ich möchte 'echt' sein – und dennoch andere Leute inspirieren. Ich denke, dass ich diese Linie weiter verfolgen werde und dabei besser und besser werde.“

Das Ergebnis spricht für sich. Seit seinem letzten Album „Awake Is The New Sleep“ feierte der kleine Mann mit dem Wuschelkopf auch kommerzielle Erfolge. Das neue Werk, „Ripe“, knüpft im Prinzip daran an – gibt sich aber dabei hemmungslos und mit Hingabe dem Pop hin. Und zwar dem großen, 'klassischen Radio-Pop mit viel Soul und Emotionen', wie er selbst sagt. So etwas gibt es ja heutzutage fast kaum noch – und so outet sich Lee auch als altmodischer, romantischer Romancier. Was wiederum zu seiner Musik passt, denn die Songs auf dem neuen Album widmen sich allesamt der Liebe. Beziehungsweise dem, was dazu führt ... oder auch nicht. Das mit Mandy Moore vorgetragene Duett „Birds & Bees“, in dem es um Liebe um jeden Preis geht – und sei es auch nur für eine Nacht - bringt es dabei auf den Punkt. Das ist aber nichts ungewöhnliches für Lee:

„Ich glaube, dass jede Scheibe, die ich mache im Prinzip ein Konzept-Album über die Bedeutung der Liebe ist“, erklärt er nämlich, „das neue ist wahrscheinlich auch so eines ...“

Wie sieht Ben denn heutzutage seine Verantwortung als Songwriter? Es gibt ja nicht sooo viele Songwriter, die die freie Liebe und die Promiskuität propagieren.

„Ich fühle zunächst mal eine Verantwortung dem Universum gegenüber, der beste Mensch sein zu wollen, der ich sein kann“, meint er ausweichend, „und dann möchte ich mir und anderen auf die bescheidene Art helfen, die mir möglich ist. Musik ist etwas, das ich mit anderen teilen kann und das scheint viele Leute glücklich zu machen. Für mich ist Musik ein Ausdruck dessen, was ich bin. Musik gestaltet mein Leben. Erst kommen die Songs, dann erst kommt das Erleben. Meine Songs sind wie Mantras. Sie führen mich irgendwo hin.“

Das spiegelt sich auch in Bens Texten wieder, in denen er gewisse Textpassagen immer wieder wiederholt. Und musikalisch lässt sich Ben auch gerne inspirieren – zum Beispiel von der Big-Hair-Musik der 80er, wie in dem Song „Sex Without Love“ oder?

„Yeah – Bon Jovi, The Cars und West Side Story. Humor ist der Klebstoff, der das Leben auf Trab hält. Das ist mir immens wichtig!“

Dabei finden sich durchaus Botschaften in den Songs – wie z.B. in „American Television“.

„Viele meiner Gedanken und Hoffnungen kommen vom Betrachten des amerikanischen Fernsehens“, gesteht er, „Fernsehen hat viel Gutes und viel Schlechtes, aber es ist ein sehr kraftvolles Medium. Ich wollte einen Song als Meditation über diese Kraft schreiben.“

„Reif“ bedeutet bei Lee übrigens „bereit zu sein, die ganze Welt in Angriff zu nehmen“. In der momentanen Form dürfte ihm das spielend gelingen.

Aktuelles Album: Ripe (Blue Rose / Indigo)
© 01. Oktober 2007  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Oktober 2007

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