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STEREOPHONICS - Die innere Dringlichkeit

Er strahlt, er ist gespannt und er ist ein Stück weit stolz. Er ist Richard Jones und Bassist einer Band, die so ziemlich alles erreicht hat, was es für eine Rockband abzugrasen gibt – Positives wie Negatives. Diese Band ist weltweit bekannt unter dem Namen Stereophonics und bringt im zehnten Jahr ihres Bestehens ihr sechstes Studioalbum heraus. Für den Strahlemann James fühlt sich das gar nicht so an. „Pull The Pin“ ist ein gefühltes Debüt, zumindest für Richard.

„Ich bin schon ziemlich stolz auf unser neues Album. Es hat eine einzigartige Atmosphäre, finde ich. Und das liegt sicher auch daran, dass wir uns zum Entstehungszeitpunkt so wohl und sicher in unserer eigenen Haut gefühlt haben.“

Eine erdenklich gute Ausgangsposition, um zurück auf Start zu gehen. Denn von dort aus kann man bekanntlich besser überblicken, wo man zuvor überall gestrandet war, und kann man all die Dinge ruhen lassen, die einen zuvor getrieben haben. Was nach einer kompletten Grundsanierung des Hauses Stereophonics klingt, ist im Grunde aber eine Art der totalen Selbst-Freischaltung. Die letzten Jahre und der volle Kopf wurden für das neue Album ausgeknipst, sobald die Verstärker eingeschaltet waren.

Das Ganze begann damit, dass sich Kelly, Javier und Richard Anfang letzten Jahres für rund drei Wochen in London trafen. Dort spielten sie sich erste kleine Ideen von der Seele und siebten rudimentäre Fragmente heraus. Damit hatte man bereits die halbe Miete, sprich die Basis für ein Album, das so bald als möglich eingefangen werden musste. Denn: die Vibes waren gut, die Köpfe ruhig und die Herzen voller Tatendrang. Was in der Vergangenheit unmöglich bis undenkbar gewesen wäre, setzen die Stereophonics einfach in die Tat um und gingen schnurstracks ins Studio.

„Wir erzählten der Plattenfirma nichts davon. Wir sagten ihr nur, dass wir Demos und erste Skizzen aufnehmen wollten. Dabei wollten wir nur ganz in Ruhe und ohne Druck unsere gute Stimmung und Atmosphäre aus den Proben schnellstmöglich auf ein Album bannen.“

Einleuchtend, denn eine Deadline, ein Marketing-Schedule oder ein wie auch immer geartetes Konzept hat schon diverse good vibrations verpuffen lassen. Ohne Druck von Außen, aber mit einer hohen inneren Dringlichkeit machten die Stereophonics im Studio das, was sich gut für sie anfühlte. Aber was war das eigentlich?

„Da ist etwas, das dich all diese Dinge tun lässt. Etwas, das du nicht wirklich steuern, beeinflussen oder gar benennen kannst, sondern dem du folgst, weil es sich gut anfühlt. Das spürt man in sich und teilt es im besten Fall mit den Jungs in seiner Band. Dieses Gefühl war wieder da.“

Wovon Richard spricht, ist diese gewisse Dringlichkeit, die den Stereophonics über eine bestimmte Strecke in der Vergangenheit fehlte. Man kann ihnen diese Abwesenheit aber auch kaum verdenken, passen Geschäft und Dringlichkeit in jeweils ausgeprägter Form eben nur selten unter einen Hut. Das Geschäftliche schwebte lange Zeit wie ein schwerer Koloss über den Köpfen der Stereophonics und belastete diese sehr. In solch bedeckten Zeiten ging es damals auf Tour, musste man doch das Rad der Geschäfte am Laufen halten.

„Wir mussten uns in einem kurzen Zeitraum von vielen Leuten aus unserem Umfeld trennen. Das war eine Zeit, in der uns all diese Businessgeschichten mehr beschäftigten, als unsere Musik. Das war eine sehr trübe Phase.“

Nun, nach einer Dekade höchster Höhen und tiefster Tiefen in allen Rock n’ Roll-Lebenslagen, sind die Stereophonics aber wieder da – und zwar ohne große Geschäftlichkeiten im Nacken, ohne den Masterplan im Hinterkopf und ohne klare Devisen im Visier, aber dafür mit hohem inneren Druck. Diese Gunst der Stunde wurde genutzt, um Musik zu machen, die nicht an gestern und morgen denkt. Fast so wie ein Kind, das sich nicht um den nächsten Schritt kümmert und kein Morgen kennt, sondern einfach das tut, was ihm intuitiv in den Sinn kommt. Fast so haben die Stereophonincs auf „Pull The Pin“ auch einfach mal gemacht und fühlen sich damit so wohl wie zu ihren Anfangszeiten. Und das sieht man Richard auch an. Denn er hat dieses Funkeln in den Augen, wie es ein kleiner Junge hat, der zum ersten Mal mit einer großen Gitarre um den Hals vor dem Spiegel steht und sich auf die große Bühne träumt. Solch ein Funkeln, wie es ein Teenager hat, wenn er aufgeregt seinem ersten Auftritt vor Publikum entgegenfiebert. Solch ein Funkeln hat Richard in den Augen, wenn er vom neuen Album seiner Band erzählt. So, als wäre es sein erstes.

Aktuelles Album: Pull The Pin (V2 / Universal) Vö: 12.10.
© 01. Oktober 2007  WESTZEIT ||| Text: Björn Bauermeister
Oktober 2007

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