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MARTIN & JAMES - Man muss nur warten können.

Vieles fühlte sich für Schotten Martin & James in den letzten Jahren gut an. Sie eröffneten Konzerte für Stereophonics, Bryan Adams oder Paul Weller. Eine große Plattenfirma legt einen unterschriftsreifen vertrag auf den Tisch. Das erste Album verkaufte sich nicht schlecht und ihre Musik tauchte in der deutschen Filmkomödie von und mit Matthias Schweighöfer ´What A Man´ auf. Alles wunderbar. Jedoch mussten sie erfahren, dass der Weg zur nächsten Platte, zu ´Life’s A Show´, ein verdammt langer und steiniger sein kann.

Selbstbesinnung auf Zwei

Doch Martin Kelly und James O’Neill sind zwei Künstler, die sich auf Erreichten nicht ausruhen. Das wäre gegen ihre Natur.

„Wir haben diese unglaubliche Stärke als Duo entwickelt, diesen Zusammenhalt“, blickt Martin Kelly zurück, „uns war schnell klar, welch seltenen Schatz wir da mit uns herumtragen. Dieses Talent, das sonst nur Geschwister kennen, dieses miteinander harmonieren, dass klingt, als würden wir aus einer Kehle singen. Doch da ist noch Luft nach oben. Wir wollten noch besser werden.“

Sie haben sich deshalb weitere Lehr- und Wanderjahre verordnet, um handwerklich dazuzulernen und ihren Horizont zu erweitern. Voller Elan machen sich beide vor etwa zwei Jahren ins gelobte Musikmekka, nach Nashville auf.

„So viel ist da jüngst abseits der Countryzusammenhänge passiert“, erinnert sich Martin Kelly, „da musste es doch auch für uns für jede Menge Inspiration geben.“

Gab es auch. Martin & James lernen nahezu an jeder Ecke jemanden kennen, der auch Musik macht, der schreibt. Voller Erwartungen haben sie sich mehrfach gemeinsam hingesetzt.

„Wir haben sogar das ein oder andere Stück dort geschrieben“, greift James O’Neill ins Geplauder ein, „und doch fühlte sich all’ das fremd an und passte nicht zu uns.“

So wird schon nach der ersten Wegbiegung jede Menge Material in die berühmte Tonne geklopft. Was nicht in der Tonne verschwindet, ist der neu gesponnene Freundschaftsfaden zum Produzenten Tobias Kuhn. Ein spannender Mann, hat er doch bereits mit Udo Lindenberg oder Thees Uhlmann gearbeitet. Er bringt das Singer-/Songwriter-Duo auch dazu, sich wieder auf sich selbst zu besinnen, zu zweit zu schreiben. „Das war immer unser Ding“, nimmt James O’Neill den Gesprächsfaden auf, „gemeinsam stark zu sein. Plötzlich sprudelten die Ideen nur so, als wäre ein Damm gebrochen. Man muss manchmal einfach nur auf den richtigen Augenblick warten können. Schließlich dauerte es auch ganze zwölf Jahre, bis es uns gelang, ein Debütalbum in den Händen zu halten.“



Unverwechselbare Harmonien

An diesem Punkt kommt Tobias Kuhn erneut ins Spiel.

„Er mochte unsere unverwechselbaren Harmonien schon seit wir ihn kennen, doch triezte er uns, noch präziser darin zu werden, was wir musikalisch und textlich sagen wollten“, fährt James O’Neill fort, „also lag es nahe ihm die Produktion anzuvertrauen.“

Doch dann stellt sich heraus, dass weitaus mehr daraus wird. Tobias Kuhn beginnt Stücke voranzutreiben, indem er an ihnen mitschreibt. Dazu gehören das Titellied, ´I Know A Girl´, ´Cynical Skin´, sowie ´My Dog Don’t Like The Rain´. Anschließend setzt er sich für eine Klimaveränderung ein und begleitet Martin & James ins Heimatland ihrer großen Idole, The Everly Brothers und Simon & Garfunkel. Die Reise der Drei nach Los Angeles, wo gerade Sommer ist, die Palmen sich leicht im Wind wiegen und die Sonne auf den Wellen tanz und den Sandstrand heiß werden lässt.

„Er war so, als hätten wir nicht ganz reife Früchte mit hinüber genommen und die Sonne und die Atmosphäre in L.A. haben sie dann ausreifen lassen“, lacht Martin Kelly. L.A. hat den Liedern von Martin & James einen Schub gegeben. Einen, der so stark ist, dass am Ende ein fertiges Album steht. ´Life’s A Show´ ist als Album deshalb so spannend, weil man sich von nichts verabschieden muss, was er an den beiden schottischen Singer/Songwritern so lieb gewonnen hat, die zeitlosen Harmonien und die packenden Melodien und die wunderschön ausgestalteten, mit facettenreichen Zweistimmigkeiten verzierten Songs. Man bekommt sogar noch etwas dazu. Ihre sympathische Schwerelosigkeit ist noch schwebender geworden. Ihre Melancholie noch ehrlicher. Und der sanfte vorwärts drängende Rhythmus ist noch kraftvoller geworden. Doch die schlichte Begleitung, bei der die akustische Gitarre die Hauptrolle spielt, bleibt, wenn auch der Klangkoskosmos eine Erweitung durch weitere Musiker erfährt. Dies geschieht aber mit Bedacht und sehr behutsam.

Mit ´Life’s A Show´ beweisen Martin & James, dass sie weitaus mehr können, als über Teenagerliebe und Jugendrebellion singen. Anfang dreißig und kreativ gewachsen, spannen sie in ihren Liedern die Melodiebögen noch weiter, laden sie dabei mächtig mit Energie auf und reflektieren textlich das voranschreitende Leben. So geht es bei der ersten Single ´Matilda´ um das Vatersein, ein Thema, dass nicht mehr ganz so romantisch abgehandelt werden kann, wie vieles auf der ersten CD. Doch auch das Alltagsleben kann gewinnende Refrains hervorbringen. Damit haben Martin & James jedes ihrer neuen Lieder reichlich voll gestopft. Und am Ende ist wieder alles wunderbar. Und man will nur noch lauthals mitsingen. Denkt man die bisherigen Erfolge weiter, dann wäre es nicht verwunderlich, sänge da bald ein ganzes Stadion mit.

Aktuelles Album: Life’s A Show (Vertigo / Universal)
© 02. September 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Katja Kuhl
September 2013

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