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THE ROBOCOP KRAUS - Die Fallhöhe macht es doch erst interessant!

Manche Bands werden gegründet und kriechen jahrelang durch ein Jammertal aus Unterschätzung und monetären Nöten um dann irgendwann mal entdeckt zu werden oder auch nicht, während anderen von Anfang an das Schicksal hold ist. Dies ist nicht der Beginn eines kitschigen Rock‘n‘Roll Märchen, sondern die Geschichte von The Robocop Kraus. Über den Namen lassen wir uns jetzt nicht mehr aus, das haben schon unzählige andere vorher getan. Einzige deutsche Band auf Amerikas Kultlabel Epitaph. Das kommt schon einem Ritterschlag gleich und bedeutet für viele Bands die Erfüllung langgehegter Hoffnungen. The Robocop Kraus sehen es eher pragmatisch:

„Grundsätzlich sind wir erst mal Bedenkenträger. Bevor wir zu Epitaph gegangen sind, haben wir uns erst mal als Band zusammengesetzt und sind uns darüber klar geworden, was wir bereit sind zu tun und was nicht. Was das Touren z.B. angeht, sind wir völlig eigenständig. Das liegt nur in unserer Hand, da lassen wir uns von Keinem reinreden. Wir haben denen also erklärt, wie wir funktionieren und unsere Vorstellungen stimmten ganz gut überein. Für uns war Epitaph aber auch nie so ein ehrfuchtserfüllender Wunschkandidat. Mittlerweile sind wir intern zu Anti übergewechselt und da haben wir schon eher dieses Gefühl: „Woow, die machen echt cooles Zeug und wir gehören dazu!“

Mittlerweile sind die fünf Jungs aus Nürnberg um die halbe Welt getourt. Japan stand bereits auf dem Programm und war sowohl imposant als auch ziemlich scary:

„Wir waren u.a. in Tokyo und wenn da die Ampel umschaltet laufen 1000 Leute gleichzeitig los.

Eine unvorstellbare Betriebsamkeit. Wir haben uns teilweise an die Hände genommen, um nicht verloren zu gehen. Hinzu kam, dass wir ja uns ja auch gar nicht orientieren konnten, Du kannst keine Straßenschilder lesen und bist total auf Deinen Tourguide angewiesen.“

In Russland konnten die Fans sogar jeden einzelnen Song mitsingen und wer die Photos auf ihrer Myspace Seite anguckt, kann sich eine gewisse Rührung nicht verkneifen, so viele glückselige, frische Gesichter im Publikum zu sehen.

Das beste und gleichzeitig mieseste Konzert hatte die Combo jedoch in L.A.!

Was macht man, wenn einem die Schlüssel vom Tourbus geklaut werden, der auf dem Sunsetstrip steht, wo ab den frühen Morgenstunden absolutes Parkverbot herrscht und man um die Zeit auch schon längst wieder on the road sein muss.

Richtig, man pickt sich einen Glücklichen aus den Reihen der Band heraus, der auf dem Gehweg campieren muss, während man verzweifelt versucht Hilfe zu bekommen.

Engel erscheinen ja oft in merkwürdiger Form und so verwundert es nun niemanden, dass das Gefährt ausgerechnet vor der Church of Scientology strandete und besagter Engel ein Mitarbeiter der dortigen Kommandozentrale war, der hektisch zwischen Gehweg und Büro hin und her switchte, um sich Instruktionen einzuholen, was denn nun zu tun sei. Pannenhilfe a la Scientology. Da soll noch mal jemand was über Sekten sagen.

Ein Thema, das auch auf der neuen Scheibe eine Rolle spielt:

So handelt „Minions of Satan“ von den Zeugen Jehovas. Auch wenn die Lyrics beim ersten Hören ausgesprochen düster anmuten, ist die tatsächliche Ausage eine ganz andere:

„Mich hat das Thema beschäftigt, weil mein Cousin ein Zeuge Jehovas ist und wenn Du dort aussteigen möchtest, wirst Du von allen, einschließlich Deiner Eltern geächtet. Einem Bekannten ist das passiert und der ist jetzt ein Wrack. Auch wenn der Song sich im ersten Moment Du mal einen Platz ziemlich negativ anhört, ist die Message eher ‚Wenn alles in Flammen steht, Du kannst zu mir kommen und bei mir pennen‘. Diese Wendung kam mir so im letzten Moment; da hab ich mich total gefreut!“

The Robocop Kraus gehören zu den absoluten Stars, die der deutsche Musikhimmel derzeit international aufzuweisen hat und das aus gutem Grund: Sie schwören auf Professionalität und Bodenständigkeit statt sich in großkotzigen Attitüden zu ergehen. Nachdem ihr vorletztes Album ‚They think they are Robocop Kraus‘ von Produzentengröße Pelle Gunnerfeldt produziert wurde, hatte man sich für die aktuelle Scheibe ‚Blunders and Mistakes‘ Tobias Levin an Land gezogen, der bereits Tocotronic den letzten Schliff verpasste. Aber auch hier gaben sich die Robos eher eigenwillig:

„Die Arrangements der Songs hatten wir eh schon im Kasten und was den Sound anging hatten wir uns überlegt, dass wir das neue Album ganz anders klingen lassen wollen. Anstelle von Perfektion wollten wir was anderes, Schwelgerisches, Rauheres haben. Also haben wir live aufgenommen und alles in einen Raum gepackt, ohne Kopfhörer. Das hat zur Folge, dass man Fehler nicht mehr rausschneiden kann. Du kannst nichts mehr verändern im Nachhinein, wir nicht und auch sonst niemand.Wir wollten weg vom Sauberen, toll gespielten, dafür mehr Seele hineinbringen. Du kannst die Songs auch tot mischen“

Das Ergebnis ist ein Album von epischen Ausmaßen: gewaltig, schwelgerisch und authentisch.

Hätte aber auch schief gehen können, oder??

„Die Fallhöhe machts doch interessant“

Letztes Statement! Überzeugt Euch selbst!

Aktuelles Album: Blunders and Mistakes (Anti / SPV)
© 01. Oktober 2007  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow ||| Foto: Torbjorn Persson
Oktober 2007

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