interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
DR. CYCLOPS - Schwerfällig, verschleppt, düster

Das italienische Trio ist eins der vielen, die gegenwärtig auf dem Retrotrip sind. Eine Feststellung, die zunächst ja nicht wirklich Auskunft über die Musik gibt. Für Dr. Cyclops bilden hörbar die 1970er-Jahre die musikalische Basis. So frei, wie das Musikgefühl dieser Zeit war, so frei bedienen sich Dr. Cyclops aus den Hinterlassenschaften. Und da sind sie eben nicht festgelegt auf den Hard-Rockausschnitt, wie einige andere derartige Szenegrößen.

Hard-Rock bleibt zwar nicht unberücksichtigt, wie etwa im Eröffnungsstück ´Night Flyer´. Oder im darauf folgenden Lied, in dem immer wieder ´Iron Man´ von Black Sabbath durchklingt. Doch auch aus bluesigen Wurzeln, die eigentlich an der amerikanischen Westküste angesiedelt sind und an T-Bone Walker erinnern, schöpfen die Italiener. Wunderbar nachzuhören im Stück ´My Revolution´. Aber sie mögen auch die verspielte Art Klängen, wie etwa im Stück ´Giants Of The Mountains´in denen Flöten à la Ian Anderson von Jethro Tull zum Zuge kommen -hier gespielt von Alia O'Brien von Blood Ceremony- oder auch eine fette Bläserbesetzung, die an Blood, Sweat & Tears erinnert. Die massive Klangmacht, die Dr. Cyclops geradezu aus dem Nichts aus dem Boden wachsen lassen können, ist nicht immer auf Hochgeschwindigkeit getrimmt. In einigen Stücken geht es auch schon mal weitaus weniger temporeich zu. Schwerfällig, verschleppt und über weite Strecken verdammt düster gehen Dr. Cyclops in diesen Momente zur Sache.



Phantastik & Musik

Bereits das Cover weist auf einen weiteren Hintergrund hin, auf dem Dr. Cyclops agieren, die mythischen oder mystischen Welten der Phantasitk. Der epische Einsatz von Christian Draghis Gitarre, unterfüttert von Francesco Filippinis fett pluckerndem Bass und dem pochenden Schlagzeug Alessandro Dalleras, lässt neben dem sinistren Klangbild auch gleichzeitig die Armeen des schwarzen Landes Mordor aus dem Schattengebirge hervortreten.

„Wir geben den Hörern so einen Schlüssel für die Tür zu einer anderen Welt an die Hand“, sagt Christian Draghi, „diese Welt ist voller Emotionen, aber auch voll von dunkeln Pfaden.“

Auch beim Bandnamen spielen mythische Anleihen eine Rolle.

„Natürlich ist der einäugige Zyklop eine mythische Figur“, erklärt er weiter, „und da er die Welt mit diesem einen Auge betrachtet, führt das metaphorisch gesprochen zu einer klareren Sicht der Dinge.“ Dieser klarsichtige Blick auf die Musikwelt muss auch dazu geführt haben, dass Dr. Cyclops nicht auf einem simplen und banalen Nostalgietrip unterwegs sind.

„So, wie wir klingen eben nur Dr. Cyclops“, fährt Christian Draghi fort, „du kannst zwar durchaus Black Sabbath, Led Zeppelin oder Deep Purple-Noten in unseren finden. Doch nie sind wir wie sie.“

Dazu stehen Dr. Cyclops viel zu bewusst im Hier und Jetzt, als dass sie als pure Kopisten durchgehen könnten.

Aktuelles Album: Borgofondo (World In Sound / Rough Trade)
© 01. Juli 2012  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Juli 2012

Links

suche