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REPTAR - Wie R.E.M., nur ganz anders

Nach Jahren der Stille brodelt es wieder im kreativen Schmelztiegel Athens/Georgia im Südosten der USA: Reptar sind mit ihren Landsmännern von REM groß geworden und wollen eine ähnliche Karriere wie Michael Stipe & Co hinlegen. Ihr Pop-Verständnis mündet zwar nicht im Stadionrock, ist aber genauso detailverliebt, eigen und facettenreich – präsentiert wird das Ganze auf dem Debüt ´Body Faucet´, welches in der Heimat bereits für Aufsehen sorgt. „Wir sind jung, aber definitiv bereit für die große Bühne“, versichert Frontmann Graham Ulicny und man möchte ihm sofort zustimmen.

Als sie im vergangenen Jahr die kalifornischen Durchstarter von Forster The People als Support unterstützten, konnten Reptar eine ganze Menge lernen. Allein die Möglichkeit in solch großen Hallen zu spielen, sei für sie ein „alles entscheidender Einblick“ in die Musikwelt gewesen, betonten sie heute mit großer Dankbarkeit.

„Natürlich gab es Kritiker, die der Meinung waren, wir sind für all das noch viel zu grün hinter den Ohren“, führt Ulicny fort, „aber der erste Erfolg kam nicht über Nacht, wir spielen seit der High School zusammen und sind ein eingeschworenes Team – dass sich untereinander kennt und Halt gibt.“

Gut zu wissen, denn nur zu oft passiert es, dass sich Newcomer fragend anschauen, was das plötzlich soll mit den Verpflichtungen und Aufgaben, die eine Band anfänglich von jetzt auf gleich in Kauf nehmen muss - damit es irgendwann reicht, um Vaters Garage gegen die Clubs der weiten Welt einzutauschen.

Erst einmal gilt es jedoch die damit verbundenen Hindernisse aus dem Weg zu räumen:

„Logisch fragt uns jeder, ob wir von REM oder The B-52’s beeinflusst worden sind und niemand aus Athens, der Musik macht, würde dies verneinen – ich gebe gerne zu, dass die uns massiv inspiriert haben, weil es einfach großartige Künstler sind!“

Und wenn Reptar mit beiden Combos etwas gemein haben, dann die Herangehensweise an die eigene Musik: ´Body Faucet´ entstand nicht durch loses Herumexperimentieren und zufälligem Zeitvertreib – jahrelang schraubte das Quartett an den Tracks herum und ist sichtbar zufrieden mit dem Ergebnis.

„Das ist wahrscheinlich für jeden Musiker eine Herausforderung: In welche Richtung willst du dich entwickeln? Gehst du mit dem Mainstream, wagt du etwas extrem Abwegiges oder hältst du den Ball irgendwo dazwischen so flach wie möglich?“, erklärt Ulicny und liefert die Antwort gleich selbst:

„Wir haben die Live-Energie versucht ins Studio zu holen, das Erlebnis der Bühne in die Aufnahmen zu integrieren und sind sehr happy mit ‚Body Faucet‘ – es ist abwechslungsreich und zeigt all die Facetten, die Reptar ausmachen“

Vervollständigt wird die Band durch William Kennedy an den Keyboards, Ryan Engelberger am Bass und Drummer Andrew McFarland – zusammen ist den vier Jungspunden mit ebenerwähntem Erstling ein Konglomerat aus flinkem Indiepop, satten Elektro und verspieltem Dancefloor gelungen.

Vielleicht nicht der Sound, mit dem die berühmten Bands der Heimat durch die Decke gingen, aber Aufgüsse erweisen sich ja meist als Schuss in Ofen – „darum geht es, sich abzugrenzen und weiter zu entwickeln. Hin zu etwas Eigenständigem, dass nicht nur Althergebrachtes zitiert.“

Die Ansätze sind herauszuhören, selbst wenn ´Body Faucet´ an manchen Stellen zu unentschlossen wirkt – wunderbare Tracks sind auf dem Reptar-Debüt allemal enthalten. Die Euphorie muss jetzt nur bewahrt werden und dann dürfte nichts mehr schief gehen.

„Wir haben uns die verschiedensten Szenarien im Studio ausgemalt und sind sehr zufrieden, wie es gekommen ist – alles Weitere können wir nicht beeinflussen, den Leuten nur unsere Platte anbieten. Wer sie mag, ist herzlich willkommen uns zu unterstützen.“

So viel Bescheidenheit sollte belohnt werden.

Aktuelles Album: Body Faucet (Lucky Number / Cooperative)
© 01. Juli 2012  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Juli 2012

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