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CHRIS BROKAW - Still sitzen? Niemals!

Chris Brokaw ist das, was man für gewöhnlich einen Alleskönner nennt. Nur eines hat der amerikanische Multiinstrumentalist, der ab Oktober auf großer Europa-Tournee unterwegs ist, in den mehr als 20 Jahren seiner musikalischen Laufbahn nicht gelernt: still zu sitzen. Früher Drummer von Codeine und Gitarrist bei Come, glänzt er inzwischen immer wieder mit abwechslungsreichen Soloveröffentlichungen, ist mit Hugo Race und Chris Eckman als Dirtmusic unterwegs, macht mit Geoff Farina als Blues-Duo gemeinsame Sache, unterstützt Evan Dando und ist in eine ganze Reihe von Sideprojects involviert.

"Ich mag es, verschiedene Formen von Musik zu hören und zu spielen, und ich nehme einfach an, dass es anderen Menschen ähnlich geht", sagt Brokaw selbst über sein vielgestaltiges Schaffen – aktuell ein stimmungsvoller Filmsoundtrack, eine kurze, knackige Rock-LP und eine Zusammenarbeit mit Dirk Dresselhaus alias Schneider TM.

Bereits im Jahre 2005 arbeitete Brokaw mit der Filmemacherin Leslie McCleave für "Road" zusammen, und passend zum Erscheinen des Streifens auf www.roadthemovie.com veröffentlicht das Oberhausener Connaisseur-Label Jellyfant Brokaws Instrumental-Soundtrack in einer wirklich schönen Vinyl-only-Edition.

“Einiges davon klingt wie 'Rockmusik' (mit kompletter Band), der Rest ist weniger füllig instrumentiert”, verrät Brokaw. “Es gibt einen 'Theme Song' (in verschiedenen Versionen) und einige Versuche mit 'regionaler Musik', unter anderem meinen Versuch, eine Hurdy-Gurdy mit einer mit dem Bogen gestrichenen Gitarre zu simulieren.”

Dass die Filmmusik beim Brooklyn International Film Festival preisgekrönt wurde, sieht Brokaw vor allem als Ansporn, sich weiter auf diesem Feld zu betätigen:

“Es hat mir gezeigt, dass meine Ideen und meine Wahl der Mittel nicht idiotisch waren und dass ich womöglich dieser Kunstform etwas Neues hinzufügen konnte. Ich habe das Gefühl, dass auf diesem Feld sehr große Konkurrenz herrscht, dennoch würde ich gerne mehr machen, solange sich nicht Danny DeVito über meine Schulter lehnt und mir sagt, ich solle es ein bisschen mehr wie Madonna klingen lassen. Darin wäre ich vermutlich gar nicht gut.”

Ein Genre, in dem sich Brokaw gerne ausprobieren würde, ist der Horror-Film, da die meisten Soundtracks seiner Meinung nach den immer gleichen Mustern folgen:

“Ich würde gerne etwas anderes einführen, etwas, das dem Geschehen eine andere Art von Stimme hinzufügt. Eine Stimme, die nicht unbedingt vertrauenswürdig ist oder dem bestehenden Gesellschaftsvertrag in die Hände spielt. Ich möchte nicht zu sehr auf psychologisches Terrain vorstoßen, aber ich denke, man kann mit dieser Kunstform vieles machen und es würde alle möglichen Effekte auf das Publikum haben können.”

Musikalisch in eine ganz andere Richtung als Brokaws Filmmusik-Werke deutet dagegen die einseitig bespielte LP ´Stories´, die mit kunstvollem Artwork des Labelmachers Dean Styers im September auf dessen Label Limited Appeal erscheinen wird.

“Dean rief mich an und bat mich explizit um eine einseitig bespielte Platte, die 'Rockmusik, mit Gesang ' beinhalten sollte”, erinnert sich Brokaw. Aufgenommen hat er die Platte im Alleingang.

“Entstanden sind drei neue Songs, etwa 16 Minuten lang. Anschließend habe ich Dean dann verpflichtet, anhand der Texte der Songs drei Bilder zu kreieren, die die beiden Seiten des Covers und die leere Seite der LP zieren werden. Die Verpackung wird großartig! Bob Weston besorgte das Mastering des Vinyls und es klingt mörderisch!”

Die Kollaboration mit Dirk Dresselhaus, deren Früchte in Bälde auf Brokaws eigenem Label als Kassette (!) veröffentlicht werden, kam im Anschluss an einen Auftritt in Österreich zustande:

“2009 war Chris Eckman von der Stadt Wien gebeten worden, einen Festival-Abend mit der Musik von Lou Reed und The Velvet Underground zusammenzustellen. Der Band gehörten ein Dutzend Musiker an, darunter Dirk und ich. Wir probten vier Tage und spielten dann vor ungefähr 10.000 Menschen. Ziemlich verrückt, aber auch sehr spaßig! Dirk und ich verstanden uns auf Anhieb gut und beschlossen eine Zusammenarbeit: Bazillionaires!”

Und was erwartet uns musikalisch auf dem letzten Sommer in Berlin eingespielten Werk?

“Drone. Noise. Freedom Rock!”, lautet die knappe Antwort. Will meinen? Für Chris Brokaw gilt auch weiterhin: Erwarte das Unerwartete!

Akuelles Album: Road (O.S.T.) (Jellyfant)
Weitere Infos: www.chrisbrokaw.com
© 01. August 2011  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
August 2011

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