interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
BAD NENNDORF BOYS - Schöne Töne aus der Provinz

Bad Nenndorf Boys ist nun nicht gerade ein Name, der eine Leinwand füllen kann, aber das muss er ja auch nicht. Dafür füllt die Combo aus der Nähe von Hannover so ziemlich jede Bühne, die sich ihnen bietet, perfekt aus. Von ehemals stolzen sieben Bandmitgliedern auf nunmehr Sechs geschrumpft, sind Dennis, Georg und Co, so fleißig wie eh und je. Gerade mal zwei Jahre ist es her, seit sie mit ihrer brillianten Ska-Punk Scheibe ‚Ich will Alles‘ aufwarteten um nun gerade mal zwei Atemzüge später, ihr neues Baby zu präsentieren. Ein Imperativ musste her und ‚Austehen –Tanzen‘ könnte es nicht besser treffen. Gerade noch in inniger Symbiose mit dem heimischen Sofa, reißt der Sound des Sextetts auch den letzten Faulpelz auf die Füße.

Nachdem ich mir die profane Frage nach der absonderlichen Wahl des Bandnamen beim letzten Mal noch charmanterweise verkniffen habe, kann ich es diesmal nicht lassen. Warum nennt man sich in einer Welt, in der Coolness alles ist ‚Bad Nenndorf Boys‘?

„Ich muss zugegeben, dass ich den Namen am Anfang auch ziemlich doof fand. Dennis, unser Sänger kam damit an und da es bandintern bei uns ziemlich demokratisch zugeht, haben wir halt abgestimmt und die Mehrheit war dafür. Also musste ich mich damit abfinden. Als klar wurde, dass wir Ska Punk machen würden, fanden die anderen, dass ein Name, der so uncool ist, schon wieder was hat. Wir haben als Punkband angefangen und als wir uns dann umorientierten, wollten wir das auch mit einem neuen Namen manisfestieren. Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt und das Gute ist, dass die Leute ihn sich wenigstens merken können.“

Die Bad Nenndorf Boys bestechen mit Texten, die die Lakonie des Alltäglichen behandeln, übermäßigen Pathos und gezwungen bedeutungsschwangere Lyrics sucht man bei ihnen vergebens. Deutsche Texte zu machen, die leicht, fluffig und dennoch eingängig sind, ist kein leichtes Unterfangen. Trotzdem hält man wenig von englischsprachigen Lyrics, auch wenn die unter Umständen einen internationaleren Erfolg mit sich bringen könnten.

„Wir haben noch nie versucht, mit unserer jetzigen Band englischsprachige Songs einzuspielen, weil es echt schwer ist, sich vernünftig auszudrücken, wenn man eine Sprache nicht fließend spricht und das tun in dem Fall die meisten von uns nicht. Wir möchten ja schließlich auch nicht total dämlich rüberkommen. Mein Lieblingssong aud der neuen Scheibe ist z.B. ‚Sonntagsdepression‘, er behandelt diesen emotionalen Kater nach einem durchfeierten Wochenende: angeschlagen auf der Couch zu hängen ohne irgendwas Anständiges gemacht zu haben und wieder mal seine Zeit sinnlos vertan zu haben. Die Stimmung, wie sie in diesem Song herrscht, würden wir wohl auf Englisch nie hinkriegen und so lange wir mit unseren Texten auch den Ehrgeiz haben, etwas sagen zu wollen, bleiben wir bei Deutsch.“

Dennis, Georg und der Rest der Band legen für ein Sideprojekt erstaunliche Disziplin an den Tag. Mal abgesehen von der Tatsache, dass sie innerhalb von zwei Jahren zwei Alben veröffentlicht haben (Social Distortion hat sich da wesentlich mehr Zeit gegönnt) bemüht man sich um konstante Proben und regelmäßige Auftritte.

War nie der Wunsch da ins Profilager überzuwechseln?

„Natürlich würde jede Band gerne von ihrer Musik leben, aber dafür müssten wir Sicherheiten aufgeben, die viele von uns nicht aufzugeben bereit sind und dann würde auch ein Druck entstehen,der uns den Spass nehmen würde, den wir jetzt zusammen haben. Alle Bandmitglieder könnten das eh nicht hauptberuflich machen und das würde bedeuten, dass wir für manche Occasions Musiker anheuern müssten, die dann nur für Geld spielen würden. Das würde den Spirit innerhalb der Band kaputtmachen. Wir sind zufrieden! Wir werden dieses Jahr mehr touren, als jemals zuvor und wenn die Leute jetzt noch unsere Platte kaufen und mögen, sind wir wunschlos glücklich.“

Aktuelles Album: Aufstehn-Tanzen! (Sunny Bastards / Broken Silence)
© 01. August 2011  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
August 2011

Links

suche