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RIVULETS - So simpel, so stark

Seit rund 15 Jahren widmet sich Nathan Amundson alias Rivulets nun bereits seinem Faible für minimalistisch dahingetupfte Slowcore-Dramen im Stile der Red House Painters, doch die Leichtigkeit, mit der er auf seinem aktuellen Album ´I Remember Everything´ den Bogen von seinem solistisch-akustischen Schaffen der Vergangenheit zu intensiven, elektrisch verstärkten Bandarrangements schlägt, verblüfft selbst langjährige Fans, Weggefährten und Mitstreiter.

So schreibt Amundsons Seelenverwandter Alan Sparhawk von Low, der vor 13 Jahren auf dem selbstbetitelten Rivulets-Debüt mitgewirkt und die Platte auf seinem Label Chairkickers Music veröffentlicht hatte:

„Als der Eröffnungssong mit bekannter Schwere dahergestolpert kam, dachte ich, ich wüsste, was kommt, doch ich lag falsch. Nach nur zwei Zeilen des zweiten Songs, ´Into The Night´, musste ich mich setzen, denn wenn die Platte so weitergehen würde, dann wollte ich dabei sein.“

Und auch Chris Brokaw, der einst mit Codeine praktisch die Blaupause für den Rivulets-Sound erfand und Nathan in der Vergangenheit bereits als Drummer unterstützt hat, ist restlos begeistert: „Ich bin völlig von den Socken und super neidisch auf die Simplizität der Songs. Ich wünschte, ich könnte etwas so Minimalistisches schreiben, das so stark ist!“

Zur besonderen Energie des Albums, das letztes Jahr als limitierte Vinylauflage erschien und nun erstmals in allen Formaten mit einem geregelten Vertrieb in Deutschland erscheint, trägt vor allem auch das erweiterte Instrumentarium bei. Dabei ist der Grund für die Abkehr von einem rein akustischen Sound, wie so vieles bei Amundson, sehr simpel.

„Lange Zeit habe ich vornehmlich akustische Platten gemacht, weil ich lediglich Akustikgitarren zur Verfügung hatte“, sagt er, als wir ihn daheim in Colorado bei einer Tasse Tee erwischen. „Jetzt besitze ich auch Stromgitarren und mehr Effektgeräte, und deshalb kann man die nun auch hören.“

Als sei es die leichteste Übung, verbindet er auf ´I Remember Everything´ klangliche Naturbelassenheit, emotionalen Tiefgang und nicht nur von Chris Brokaw bewunderten Minimalismus beim Songwriting in unglaublich bewegenden Songs, die er stets auf ihren emotionalen und musikalischen Kern zu reduzieren scheint.

„Es ist weniger das Reduzieren, sondern mehr das gar nicht erst Hinzufügen“, erklärt er. „Mein Können auf der Gitarre ist sehr eingeschränkt, deshalb schreibe ich einfach so, wie ich schreibe, und das ist es dann. Glaube mir, ich würde gerne mit einem Killer-Solo loslegen!“

Auch wenn das neue Album Band-orientierter anmutet als frühere Werke Amundsons, sind Rivulets auch heute noch ganz sein Baby.

„Ich schreibe immer noch alle Songs, verschicke die eingehenden Bestellungen, arbeite mit Booking-agenturen zusammen, um die Konzerte zu buchen und so weiter“, unterstreicht er. „Hier gibt es keinen Manager. Wenn es Rivulets-Geschäfte zu erledigen gibt, bin ich derjenige, der sie tätigt. Die Band bringt bei den Songs allerdings im Großen und Ganzen ihre eigenen Parts ein. Ich gebe ihnen zwar ein wenig Input, aber ich habe meine Mitstreiter ausgewählt, weil ich liebe, was sie tun. Es ist eine große Freude zu sehen, was sie aus dem machen, was ich ihnen gebe.“

Passend zur Musik gibt sich Amundson inzwischen auch textlich weniger einsiedlerisch. Seine Texte sind jetzt deutlich geradliniger.

„Heute singe ich viel direkter über oder für bestimmte Menschen“, verrät er. „Zuvor war ´du´ oft eine Kombination einer ganzen Reihe von Leuten oder überhaupt niemand, also ein fiktionaler Charakter.“

Obwohl getragenes Tempo und Melancholie seit jeher Markenzeichen im Rivulets-Universum sind und man schnell auf die Idee kommen könnte, dass Amundson ein eigenbrötlerischer Sauertopf ist, beweist er immer wieder ein Faible für schrägen Humor. So ließ er etwa Hollywood-Darling Jennifer Lawrence via Twitter wissen, dass er wieder Single sei, und beantwortet unsere abschließende Frage, was ihn derzeit am glücklichsten macht, mit nur einem Wort: „Antidepressiva!“

Weitere Infos: www.rivulets.net

Aktuelles Album: All Your Favorite Bands (HUB Records / ADA-Warner)
Weitere Infos: www.rivulets.net
© 01. September 2015  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
September 2015

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