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BOYSETSFIRE - Aufbruchsstimmung

Die Truppe Boysetsfire gründet sich bereits 1994 in Newark im US-amerikanischen Bundestaat Delaware. Nach dem Prinzip, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, scharen sie nach und nach mehr und mehr Fans um sich. Seit 2003 läuft es auch finanziell rund. Das ist exakt das Jahr, in dem der deutsche Musiker Robert Ehrenbrand die höheren Weihen erhält und Boysetsfire-Bassist wird. Über Nacht muss er nach dem Ausstieg seines Vorgängers alle 17 Lieder des Livesets lernen. Vorher hat er jedoch seit 2001 als Roadie die Band bereits unterstützt. Im Februar 2006 wird das vierte Album ´The Misery Index: Notes from the Plague Years´ veröffentlicht. Doch schon im Juli wird angekündigt, dass die Band sich trennen werde. Aus. Vorbei.

Mehr Authentizität geht nicht

Robert Ehrenbrand zieht wieder in seine Heimatstadt München. Doch der Kontakt in die USA reißt nicht vollends ab. 2010 ist das Jahr für den Neustart. Zumindest für eine Tournee. Anschließend dreht sich das Personalkarussell noch ein wenig. Doch 2013 steht mit ´While A Nation Sleeps…´ endlich ein neues Album in den Regalen der Plattenhändler.

„Ein wütend vorgetragenes Album“, erinnert sich Robert Ehrenbrand, „eins, dass immer und immer wieder Salz in die offenen Wunden unserer Gesellschaft streut. Ohne jetzt großartig politische Statements abgeben zu wollen, mussten wir auf Dinge aufmerksam machen, die einfach nicht richtig laufen. Da kannst du einfach nicht mehr nur darüber singen, wie toll Cabrio fahren am Meer ist.“

Wenn man ´The Misery Index: Notes from the Plague Years´, also das letzte Album vor der Trennung und das aktuelle selbstbetitelte Boysetsfire-Abum hintereinander hört, wird unmittelbar klar, wohin der Hase läuft.

„Es ist das hoffnungsvollste Werk, das wir je vollendet haben“, erklärt der Bassist, „es ist so, als wären wir nach einer langen, dunklen Tunnelstrecke ans gleißende Licht getreten. Es kommt mir vor, wie ein Befreiungsschlag.“

Da mehr Boysetsfire-Authentizität offenbar nicht geht, ist das Album auch selbstbetitelt. Nichts anderes steckt hinter dem Kürzel „s/t.“ Aber was bedeutet denn Befreiungsschlag oder Authentizität genau?

„Wir haben zu unserer Lockerheit zurück gefunden, die uns früher ausgezeichnet hat“, fährt Robert Ehrenbrand, „wir sprechen auch auf der neuen Platte von der Verantwortung des Einzelnen und darüber, wie Handlungen Einzelner weit ausstrahlen können. Aber wir gestehen ihm zu, dabei auch Cabrio zu fahren.“



Stücke mit Ohrwurmqualitäten

Die Melodie steht bei „s/t“ deutlicher im Vordergrund, als je zuvor. Das Eröffnungsstück des Albums, ´Savage Blood´ hat sogar Ohrwurmqualitäten. Dann kommt man nicht umhin, die übergroße Spielfreude zu registrieren. Mit Sicherheit ist auch das ein Indiz für eine Aufbruchsstimmung der Band. Diese Stimmung wird auch nicht dadurch getrübt, dass der eine Teil der Truppe in den USA arbeitet und Robert Ehrenbrand von Deutschland aus. Erwähnenswert ist auch, dass alle Bandmitglieder an den Stücken mitschreiben. Lediglich für die Texte ist Nathan Gray allein verantwortlich. Aber als Sänger muss er sie auch an der Bühnenfront verkörpern. Aber zurück zur Arbeit an unterschiedlichen Orten.

„Einige Zeit lang hatten wir diverse digitale Proberäume“, erläutert Robert Ehrenbrand, „es gab Skype-Proben, whats-app-Sessions oder E-mail-Demos. Aber das Studio konnte die Vorarbeiten natürlich nicht ersetzen. Und dort waren wir natürlich gemeinsam. Da sind wir doch zu sehr eine große musikalische Familie, die ihre großartige kreative Energie nur dann wirklich ausspielen kann, wenn man sich gegenseitig in die Augen schauen kann. Und trotz geprobter Stücke, den anderen mit einer überraschenden Note aus der Reserve locken kann.“

Mit der neuen Platte „s/t“ haben Boysetsfire einmal mehr bewiesen, wie groß der Spaß sein kann, wenn sich nicht nur beste Freunde, sondern eine Familie gemeinsam in der Musik verlieren. Und für das Publikum fühlen sich die Stücke an, wie ein Gespräch mit einem richtig guten Freund.

Aktuelles Album: s/t (End Hits Records/ Cargo Records)
© 01. September 2015  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: David Warren Norbut
September 2015

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