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TARWATER - Zwischen den Orten

TRACK versus SONG, organisch gegen synthetisch, wie oft werden diese scheinbaren Gegensätze beschworen, wenn es um die Beschreibung elektronischer Musik geht; gerade und besonders scheint es jene Musiker zu treffen, die alles zu tun bemüht sind, um jene Stereotypen, es handelt sich hierbei eigentlich nur um Konstrukte, aufzuheben. Tarwater dürften diese Probleme kennen, zieht sich doch dieser ungehemmte Umgang mit Sounds, die Zusammenführung von verschiedenen Künsten, wie ein roter Faden durch die lange, gemeinsame musikalische Biografie von Ronald Lippok und Bernd Jestram.

"Wir kennen diese Gegensätze natürlich, so wie organisch instrumentell und technisch roboterartig, aber die haben bei uns noch nie gegriffen, denn man muss sich nur einmal vorstellen, was man mit Gitarren für seelenlose Musik machen kann und für einen guten Song war uns schon immer jedes Mittel recht." Seelenlosigkeit kann man ihrer Musik auch wirklich nicht vorwerfen. Auf ihrem neuen Album befinden sich zwölf wunderschöne Exponate atmosphärischer Popmusik. Tarwater schaffen es unter Einbeziehung verschiedenster Klänge, eine unglaubliche Dichte zu erzeugen. Doch haben sie diesmal viel mehr Wert auf die akustischen Aspekte gelegt. "Auf unseren letzten Alben standen Loops eindeutig im Vordergrund und live eingespielte Instrumente fungierten eher als Ergänzungen. Nun haben wir versucht verschiedenen Instrumenten mehr Platz einzuräumen, um so eine akustische Basis für unsere Songs zu schaffen. Das ist ja auch eine Tendenz, die allgemein in der elektronischen Musik gerade sehr verbreitet ist. Ob Fennesz oder März, alle greifen auf akustische Instrumente zurück, wobei man sagen muss, dass wir schon immer Gitarren benutzt haben. Nur hatten wir diesmal das Glück, auch mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten, um Instrumente live auf unterschiedlichste Art einzubeziehen." So kam es zur Zusammenarbeit mit dem Perkussionisten der Fela Kuti Band oder der Norwegischen Performancekünstlerin Tone Avenstroup. Diese spricht am Anfang der CD die Worte: "Hier, sagte er, endet Europa, hier ist der Rand Europas.", diese Worte und der Titel des Albums verweisen auf Tarwaters Vorliebe für Zwischenräume, für Übergange, aber eben nicht im Rahmen eines referentiellen Umgangs mit popmusikalischer Metaphysik. Die Schlüssigkeit und Dichte eines Songs wird nie auf Kosten einer Strategie oder eines Sendungsbewusstseins aufgegeben. „Diese schiefen Modelle spielen für uns keine Rolle, dass heißt auch, dass wir nicht bewusst bemüht sind sie zu überwinden. Wir gehen bei unserer Musik überhaupt wenig strategisch vor. Wir verabreden und treffen uns im Studio und basteln dort gemeinsam an Tracks, die dann noch am selben Abend fertiggestellt werden. Es passiert äußerst selten, dass wir Stücke noch nachbearbeiten.

Alle Arten von Klängen kommen für uns dabei in Frage. Wir arbeiten mit Loops, mit Instrumenten und Samples. Aber all diese Dinge fungieren bei uns nicht als Verweise oder als Referenzen; ein bestimmtes Sample von der und der Band heißt nicht: Das sind unsere Vorbilder und hier docken wir an, sondern ihr Nutzen und ihre Funktion liegt ausschließlich in ihrer Bedeutung für den Song.“ Diese scheinbare Referenzlosigkeit der Musik, lässt sie zeitlos wirken und gerade auf ihrem neuen Album fällt eine Zuordnung nicht nur schwer, sie scheint von vornherein sinnlos und wenig interessant. Die Musik stellt nicht die Frage nach einer zeitlichen Verortung oder einem Lebensgefühl, sie funktioniert einfach und tönt. "Uns werden kaum noch Einflüsse und Vorbilder unterstellt. Früher wurde unsere Musik als TripHop tituliert und in anderen Ländern bezeichnete man uns als Kraut-Rock und verglich uns mit Can. Jemand hat sogar mal gesagt, dass meine Stimme wie die von Lou Reed klingt. Aber im Grunde sind das journalistische Probleme. Um Musik zu beschreiben, muss man einfach irgendein Vehikel finden, um den Sound transparent zu machen." Danke für ihr Verständnis!

Aktuelles Album: Dwellers On The Threshold (Kitty-Yo)
Weitere Infos: www.kitty-yo.net
© 09. September 2002  WESTZEIT ||| Text: Bastian Stoppelkamp ||| Foto: Sebastian Maier
September 2002

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