interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
THE DILLINGER ESCAPE PLAN - Egoismus mit eingebauter Überraschung

Wer konnte das vermuten? Eine hoch talentierte Extrem- Prog – Grind - Metal Combo aus New York mausert sich langsam aber sicher zum international anerkannten Act und setzt sich trotz ihrer kompromißlosen Unkonventionalität im erfolgsorientierten Wettkampfbiz der Musiklandschaft durch. Presse sowie Fans feiern die Band und können nicht genug bekommen. Da dürfte das Herzlein aller Anhänger der Ausnahmetruppe bei der Ankündigung eines neuen 4-Track-Outputs ganz schön hektisch hüpfen...
Zudem muß erwähnt werden, dass kein geringerer als Obermaniac Mike Patton als Gastsänger auf der neuen EP fungiert. Natürlich ein Grund mehr sich vor Freude einzunässen. Das Ergebnis ist musikalischer Wahnwitz pur. Ähnlich überschwenglich berichtet mein Interviewpartner Ben Weinman, der übrigens so verdribbelt spricht wie er Gitarre spielt, von der Zusammenarbeit mit Patton: "Mit Mike zu arbeiten ist wirklich großartig. Er mag unsere Musik sehr und konnte seine gesanglichen Vorstellungen für die Songs voll umsetzen. Es war toll, mit so einem kreativen Musiker im Studio zusammen zu sein. Mit dem Resultat sind wir mehr als glücklich." Wie kam denn überhaupt die Kollaboration zustande? "Mike hat uns mal vor Jahren live gesehen und uns als Opener für Mr. Bungle gebucht. Da konnten wir nicht nein sagen. Der Kontakt blieb auch nach den Dates bestehen und die Idee, sich musikalisch ein wenig näher zu kommen, wuchs ganz automatisch." War Mr Patton denn auch am Songwriting beteiligt? "Unser Drummer und ich schreiben bei Dillinger die Songs. Jedoch funktionierte das mit Mike anders. Wir schickten ihm Tapes mit vorproduzierten Songideen, Mike schickte uns seine. So glichen wir unsere Songvorstellungen an und waren gut vorbereitet im Studio. Aber auch dort veränderten wir hier und da noch ein bißchen. Zudem hatte Mike immer wieder neue Sound- und Gesangsideen. Das war echt spannend!" Das glauben wir gern. Was sagt denn euer offizieller Sänger zu dem Ganzen? "Das ist schon o.k.! Er konzentriert sich auf unser ganz neues Material, das ja auch noch veröffentlicht werden soll." Hoffentlich bald, denn auch ich könnte wöchentlich neues Zeug von Dillinger konsumieren. Mittlerweile spielt ihr mit großen Acts wie System Of The Down zusammen, wie erklärst du dir dieses immense Interesse aller Orts an eurem Sound, der ja nicht gerade leicht verdaulich ist? "Tja, das können wir uns auch nicht so recht erklären, aber eigentlich interessiert uns das nicht sonderlich. Wir sind eine recht egoistische Band und mögen unsere Musik. Das heißt, wir spielen gerne live unsere Songs und mögen es, im Studio neues Material aufzunehmen. Wenn die Leute unsere Sachen mögen, ist das schön und wir sind darüber sehr glücklich, aber in erster Linie machen wir die Musik für uns. Das wird auch immer so bleiben! Vielleicht liegt es aber daran, das viele Leute von der aktuellen Musik gelangweilt sind. Zudem werden viele Acts extrem produziert, bekommen ein Image aufgedrückt und wirken sehr unrealistisch. Da sind wir mit unserem rohen aggressiven, ehrlichen Stil vielleicht eine willkommene Abwechslung. Außerdem weiß man bei unseren Songs nie, was im nächsten Moment passiert. In unseren Songs sind immer wieder Überraschungen eingebaut. Möglicherweise ist das das Geheimnis." Desweiteren stellt sich für mich die Frage, woher die Inspirationen für den Dillinger-typischen, progressiven Grind-Mix stammen und wie man überhaupt diese hyperschnellen, mit unmenschlichen Taktsprüngen ausgestatteten Songs arrangiert? "Beeinflußt werden wir von den unterschiedlichsten Sachen. Das kann mal was aus dem Jazz-Bereich oder auch ein stinknormaler Popsong sein. Wir sind da absolut unlimited. Die Songs werden meist bei der Entstehung wesentlich langsamer gespielt und erst später, wenn nötig, angezogen. Das ist unsere bewährte Methode." Dann müßten sich ja einige hektische Parts wie ein Bossa Nova anhören? "Das stimmt! Aber daran erkennst du, dass wir tatsächlich die stilfremdesten Elemente für einen Song benutzen." Nach der gerade laufenden Tour konzentriert man sich auf das neue Album und wird sicher bald wieder mit neuem Stoff begeistern. Ganz sicher!

Aktuelle EP: Irony Is A Dead Scene (Epitaph)
© 09. September 2002  WESTZEIT ||| Text: Marco Schardinel ||| Foto: Katie Thomson
September 2002

Links

suche