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WARPAINT - Keine Mathematik

Die klassische Mädchenband sind Warpaint aus Los Angeles nicht wirklich. Denn obwohl die Band ausschließlich aus Damen besteht, gibt man sich betont kämpferisch – nicht nur, was die Namengebung betrifft, sondern auch die musikalische Attitüde. Gitarristin/Sägerin Emily Kokal beschreibt dies so:

“Viele weibliche Acts haben immer das Bedürfins, sich durch Schönheit auszudrücken, auch musikalisch – oder aber sie werden in diese Richtung gedrängt. Daran sind wir aber nicht interessiert. Wir möchten andere Optionen ausloten. Das fühlt sich gut an. Und das ist auch der Grund, warum unsere Musik immer ein bisschen ruppig und ungeschliffen daher kommt.”

Wahrscheinlich aus diesem Grund verweigern sich Warpaint auch gängigen Klischees und Kategorisierungen. Mit Elementen aus allen möglichen Musikrichtungen, darunter Indie-, Post-, New Wave-, Tribal- und Avant Garde-Pop kreierten sie einen ganz eigenen Do-It-Yourself-Style, in dem nichts so ist, wie es eigentlich sein müsste – und der ergo enorm abwechslungreich und überraschend daher kommt. Wie haben Warpaint das bloß hinbekommen?

„Wir hatten keinen wirklichen Plan, sondern haben einfach drauflos gespielt“, beschreibt Theresa das Prozedere, „wir kommen nicht von der Tradition her, dass wir wie jemand klingen wollten, sondern wir wollten wir selbst sein. Vielleicht können wir beim nächsten Album mit einem Konzept arbeiten und haben genauere Vorstellungen davon, wie etwas klingen könnte oder sollte – aber momentan tun wir immer das, wonach wir uns fühlen. Es gibt da keine Regeln.“

Das ist doch auch ein Konzept – nicht wie jemand anders zu klingen.

„Ja, aber nicht wie jemand zu klingen ist nicht unser Konzept”, betont Theresa ausdrücklich, “unser Konzept ist so zu spielen, wie wir uns fühlen!“

Das Ergebnis sind dabei recht lange Stücke, in denen eine Menge Ideen stecken und die erkennbar aus einem kollektiven Ansatz heraus entstanden sind. Was aber macht dabei am Ende den Song als solchen aus?

“Für mich ist immer ein interessanter Basslauf oder eine spannende Struktur das, was mich an einem Song interessiert – etwas wozu man sich bewegen möchte, das man immer wieder hören kann – mit einer ungewöhnlichen Melodie vielleicht und Harmonien, die einzigartig sind”, erklärt Theresa, “das ist aber kein bewusster Prozess, sondern wir lassen uns auf alles ein, was uns einfällt. Am Ende muss alles Sinn machen und dann erst ist ein Song auch fertig. Es ist nicht so, dass man das mathematisch definieren kann, aber am Ende muss eine Art Konsens da sein.”

Wie wichtig ist Sound bei diesem Prozess?

„Sound in Bezug auf was? Uns geht es immer darum, alles möglichst perfekt auszubalancieren. Es macht natürlich keinen Sinn, wenn man die Stimmen nicht verstehen kann und es macht genausowenig Sinn, wenn sie zu laut sind, weil es nicht nur um den Gesang geht. Es macht keinen Sinn, wenn eine Gitarre lauter ist als die andere. Der Bass ist nicht einfach ein Rhythmus-Instrument, sondern hat auch melodische Funktionen. Darum geht es. Es braucht eine Weile, das alles zu verstehen und es ist schön, dass wir zuletzt einen Tontechniker fanden, der das verstand. Der Produzent hat da eher die Funktion eines Beraters, der uns hilft, das zu tun, was wir wollen. Weil er nicht wissen kann, was wir möchten.“

Wenn es um Selbstbewusstsein und eine klare musikalische Vision geht, macht den Damen von Warpaint im Moment so schnell niemand etwas vor. Und die Entwicklung ist auch nicht zu Ende: Auf der nächsten Scheibe ist das Ziel, die Energie der vielgelobte Live-Shows auch auf Konserve zu bannen. Das Kriegsbeil wird also vorerst nicht eingegraben.

Aktuelles Album: The Fool (Rough Trade / Beggars / Indigo)
© 01. November 2010  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Mia Karby
November 2010

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