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FLAMING LIPS - C´est le meilleur groupe du monde!

Irgendwie sind sie die größte Gruppe der Welt. Leider weiß das nahezu (fast) niemand. Früher vertrieben sich Wayne Coyne, Michael Ivins & Co die Zeit damit, Pianos zu zerhacken. Nun sind sie gar orchestral!

Seit 10 Jahren veröffentlichen die als Trio arbeitenden Lips ihre Werke beim Major Warner. Eine wahre Meisterleistung, denn außer "She don´t use jelly" (1993) gab es keine Top-40-Hits. "Es ist niemand mehr da von den Leuten, die uns damals gesigned haben. Auch keine Künstler...okay, die Red Hot Chili Peppers und Madonna sind noch bei Warner," sagt Wayne Coyne. "Es ist ein komisches Mißverständnis. Labels sagen dir nicht, was du zu tun hast. Sie klären dich lediglich auf. Du mußt selbst entscheiden, ob du viel Geld mit Hits verdienen, oder mit den Flaming Lips glücklich sein möchtest. Unser Label glaubt an uns, es liebt uns - hätten sie uns sonst ihr Geld gegeben? Sie flogen mich für die Interviews sogar 1.Klasse von Oklahoma nach Hamburg, gleich geht es weiter nach London!" Eine Weltreise, musikalisch, ist auch der Weg der gitarrenorientierten, krachigen (Indie-)Frühwerke über das 1997er 4-CD-Monumentalwerk "Zaireeka" (der volle Sound ist nur zu hören, wenn alle vier Cds parallel auf vier Playern abgespielt werden) bis zu den orchestralen, teilweise schmusigen Stücken des exquisiten neuen Albums. "Warum müssen wir immer eine Rockband sein? Als Ronald (Jones) quittierte, änderten wir uns. Mögen uns die Leute dennoch - toll. Wir waren die längste Zeit eine Rockband! Als Ronald und Steven (Drodz) damals einstiegen, waren Gitarren für uns gut. Ronald ist ein ausgezeichneter, ausgeflippter Gitarrist. So mußte Steven Schlagzeug spielen, obwohl auch er fast alles spielen kann. Heute ist er unser Vehicle für Keyboards, Orchester-Sounds, Bläser. Bei Gitarren müßten wir fortwährend denken, Ronald sei hier. Dabei sitzt er wahrscheinlich gerade in seinem Schlafzimmer, zelebriert dort seine abgespacete Musik, die leider niemand hört. Nicht nur Gitarren sind toll. Keyboards sind es auch, ebenso Komputer...alle diese Dinge sind groß, alle Arten von Musik sind klasse! In unseren Köpfen baut eins auf das andere auf. Ich habe meine Ideale, möchte nicht wie Sonic Youth sein." Coyne schätzt(e) letztere allerdings sehr (das Cover-Inlet des 1992er Longplayers "Hit to death in the future head" zeigt ihn im Sonic-T-Shirt). "Hoffentlich werden sie uns eines Tages einmal überraschen. Oder nimm die Ramones. Ihr Sound ist/war nicht mehr frisch, neu oder aufregend. Es ist wie mit einer Achterbahn. Erst denkst du, wow, was für ein schrecklichesDing. Am Ende des Tages hast du dann doch einige hundert Runden damit gedreht. Sie hat ihre Faszination verloren, alles ist anders." Die obskuren Ideen zu "Zaireeka" gehen mit diesen Gedanken nicht konform, entspringen einem völlig konträrem Kontext. "`Zaireeka´ habe ich speziell entworfen für Leute, die sind wie ich. Typen, die auf Parties gehen, dort Drogen oder sonstwas nehmen und über Musik fachsimpeln. Irgendwie ist es mit `Zaireeka´ wie mit Drogen. CD1 ist der Einstieg, CD2 gut, dann kommt CD3, und bei CD4 war es dann zuviel!" Seltsame Gleichnisse, die nicht bierernst genommen werden sollten. Denn diese Gedanken entsprangen den Flaming Lips, bekanntlich "es el mejor grupo en el mundo!" Oder besser "e la migliore gruppo in tutto il mondo!" Ihre Sounds sind so variabel wie die Worte, die mensch über sie verliert. Aber sie sind halt die "fuckin´best band in the world!"

Aktuelles Album: Yoshimi Battles The Pink Robots (WEA)
Weitere Infos: www.flaminglips.com
© 01. August 2002  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
August 2002

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