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Gemma Hayes - Unterschiedliche Biester

Gemma Hayes ist 22, kommt aus Irland, schreibt ihre Songs selbst und spielt Gitarre. Gerade letzteres führt dazu, daß sie gern mit wirklich jeder Frau verglichen wird, die schon mal eine Gitarre gehalten hat – von Beth Orton bis hin zu Joni Mitchell.

Was sie verständlicherweise nicht mag: "Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich mag Joni Mitchell sehr, aber ich habe nie versucht, sie in irgendeiner Weise nachzuahmen. Wenn ich denn schon mit jemandem verglichen werden muß, dann würde ich mir wünschen, es wäre P.J. Harvey – und das auch weniger der Musik wegen, sondern weil ich die Art bewundere, in der sie Ihren Weg geht." Es ist anzunehmen, daß auch Gemma ihren Weg gehen wird. Anstatt sich nämlich etwa auf eine bestimmte Richtung festzulegen, stellt sie auf der Debut-CD, "Night On My Side", ihre beiden Vorlieben – akustisch angehauchte Folk-Songs und polternden Indie-Schrammel-Rock – nebeneinander.
"Am liebsten wäre es mir gewesen, ich hätte gleich eine Doppel CD machen können", überlegt Gemma, "eine akustische und eine rockige. Denn das sind zwei Seiten von mir, die beide gleichwertig sind. Ich wollte nie von einer der beiden Musikrichtungen ablassen – sie aber auch nicht in einem Song zusammenpacken. Weil es sich da um unterschiedliche Biester handelt. Akustische Musik ist ruhig und braucht Deine Aufmerksamkeit. Rockmusik ist farbenfroher und GROSS." Angefangen hat die Gute als Straßenmusikantin. Was nicht unbedingt aus ihren leicht spröden, leicht transzendenten Songgebilden, die auch nicht unbedingt den Mitsing-Refrain in den Vordergrund stellen, herauszuhören ist. "Wenn ich einen Song schreibe, dann geht es mir mehr darum, eine Atmosphäre zu erzeugen", sagt sie, "Die Melodie ist bei diesem Prozeß eher zweitrangig." Die Texte auch? Denn Gemma scheint eher eine Lautmalerin als Geschichtenerzählerin zu sein. "Das stimmt schon", bestätigt sie, "es ist dann auch so, daß ich nicht unbedingt eine Botschaft habe. Es geht mir eher um die Kleinen Momente im Leben, die ich in meinen Texten vertone. Manchmal gibt es auch eine kleine Geschichte. Das kommt aber auf den Song an – der entscheidet letztlich, ob es eher um den Text gehen soll, oder ob er mehr Raum braucht. Ich entdeckte die Songwriter erst nach den Bands. Als ich 15, 16 war, war ich eine von denen, die sich Konzerte von Bands anhörte. Erst in Dublin begann ich mich für Songwriter zu interessieren." Gemma wird mit diesem Ansatz in England bereits als "Next Big Thing" gehandelt. Bei uns stellt sie ihre dialektische Weltsicht auf dem Haldern Festival vor.
Aktuelles Album: Night On My Side (Labels)
Weitere Infos: www.gemmahayes.com
© 01. August 2002  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
August 2002

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