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DOGS - Katzengejammer ade!

In den Kneipen dieser Welt passiert es täglich: Unzählige Menschen saufen sich gegenseitig `unter den Tisch´, um sich am nächsten Tag mit einem `Kater´herumzuplagen. Daraus resultierende `Unglaubliche Geschichten´ erzählen die Dogs auf ihrem aktuellen Longplayer. Den widerum kann man jederzeit ohne Reue konsumieren. Besonders die Fans von `wilden´Gitarrenklängen müssen hier nicht mit den Wölfen heulen...

Nicht nur die Musik der des Quintetts ist aussergewöhnlich. Das Dogs-Debutalbum „Turn Against This Land“ (inklusive drei UK-Top-40-Hits: „London Bridge“, „She´s Gotta Reason“, „Tuned To A Different Station“) wurde von einem Major-Label vertrieben. Für „Tall Stories From Under The Table“ kehrte die Band der Industrie den Rücken und unterschrieb bei einem ´Indie´. WZ-Interviewpartner Rich Mitchell (Drums) startet den Versuch einer Erklärung: „Das Label wollte von uns Mainstream, Radio 1-Popsongs. Aber das ist nicht das, was wir machen wollen!“

„Die haben in uns die neuen Razorlight gesehen“, soll Dogs-Sänger Johnny Cooke als Grund für den Bruch zu Protokoll gegeben haben. „Johnny erzählt halt sehr viel...“ erwidert Mitchell lachend. Ironischerweise gehen die Dogs demnächst zusammen mit Razorlight auf Deutschlandtour. Ein weiterer Beweis für die humoristische Ader der fünf Londoner Musiker (Bassist Duncan Timms und Gitarrist Luciano Varga werden im Gespräch nicht dezidiert erwähnt) ist die Tatsache, dass sie Paul Weller eingeladen haben, dass Klavier zu „Let It Lay“ einzuspielen. Schließlich werden den Dogs permanent Parallelen zu Weller´s Ex-Band The Jam nachgesagt. Mitchell lacht abermals.

„Lustig, nicht wahr? Ich denke, diese Vorurteile entstehen, weil Johnny mit seinem Londoner Akzent auch noch sehr aggressiv singt. Da sind Vergleiche mit The Jam oder The Clash vorprogrammiert. Dabei sind wir allgemein eine sehr musikalische Band, weil wir große Musik-Fans sind. Wir lassen uns von verschiedenen Genre´s inspirieren. Die ´60er´ gehören ebenso dazu wie die ´90er´. Sonic Youth und Dinosaur Jr haben großen Einfluss auf unsere Musik. Jedenfalls im Bezug darauf, wie die Gitarren gespielt werden. Wir sind eigentlich eine ´heavy guitar band´, wirklich! Natürlich haben wir einen anderen Sound als diese Gruppen, aber sie haben uns in einigen Bereichen beeinflusst.“

Mit ihrem Sound könnten die Dogs, subjektiv betrachtet, eher ein ´Mod-Punk-Pop-Revival´ einläuten. Der CD-Track „Who Are Yu“ könnte als Referenz an The Who verstanden werden. Natürlich möchte Mitchell diesen Titel nicht so interpretiert sehen. Schließlich sind The Who nicht Dinosaur Jr, sondern scheinbar eher uncoole Dinosaurier der Branche.Obwohl der Dogs-Drummer diesen Satz nicht formuliert hat, verleitet die fiktive Antwort den Interviewer zu einer Frage nach autobiographischen Zügen des Album-Songs „Little Pretenders“.

„Nein, wir sind garantiert keine Heuchler. Ganz im Gegenteil! Doch es gab in unserem Umfeld so um 2003 viele Bands, denen man Heuchelei hätte nachsagen können. Aber deren Mitglieder sind schnell zu ihren bürgerlichen Jobs zurückgekehrt.“

Selbst kritische Fragen können das Lächeln nicht aus dem Antlitz des Musikers vertreiben. Beleuchten wir also die ´spaßige´ Seite der Medaille. „On A Bridge, By A Pub“ verleitet, im Zusammenhang mit dem Albumtitel, natürlich dazu, Statements zum Thema „Alkoholkonsum“ zu erfragen.

„Das Album heißt ja quasi ´Under The Table´. Und in England bedeutet dieser Satz, dass sich Leute ´unter dem Tisch´ befinden, weil sie ausprobiert haben, wer am meisten trinken kann. Viele unserer Lyrics setzen sich mit dieser Thematik auseinander. Get pissed without a drink! Ich freue mich schon auf das gute Bier in Deutschland...“.

Okay, Themenwechsel. Passenderweise favourisiert Mitchell den Song „Forget It All“ vom neuen Album. Allerdings aufgrund seiner treibenden Dynamik, nicht wegen seiner lyrischen Aussage. Bleibt letztendlich nur noch die Frage, ob er sich Rich und Leadgitarrist Mehta sich mit Vornamen Rikki nennt, um Verwechslungen zu vermeiden. Beide Versionen klingen nach einer Kurzform von ´Richard´. Mitchell bringt lachend den gesamten Namen des Kollegen zu Gehör. „Aber er nennt sich Rikki, weil er ´half indian´ ist.“

Die Klanggebilde der Dogs lassen sich also doppelt gut als „Indie-Musik“ definieren!

Aktuelles Album: Tall Stories From Under The Table (Weekender Recs. / Indigo)
Weitere Infos: www.dogsmusic.com
© 01. August 2007  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
August 2007

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