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SUICIDE GIRLS - Stewed, Screwed and Tattooed

Dafür, das eine Heimkehr nicht zwingend ein Rück-schritt sein muss, ist Missy Suicide, Initiatorin der Website www.suicide-girls.com, der leibhaftifge Beweis. Als sie von Los Angeles zurück nach Portland ging, traf sie einige alte Freunde wieder, Skaterinnen, die ihre Tattoos und Piercings offen zur Schau stellten. Fasziniert vom anarchischen Charme und dem offenen Stolz dieser Mädels, die sich in ihren bunten Körpern wie selbstverständlich zeigen und dabei auch wohlfühlen, entwickelte sich ein Kunstprojekt, in dessen Fokus eine Mischung aus Burlesque, Pin-Up-Ästhetik, Punkrock, Goth, Rockabilly und anderen Subkulturen steht. Über 500.000 Hits verzeichnet die Website monatlich, 808 Suicide Girls sind registriert und stellen dort ihre oft selbstgestalteten Pin-Up-Bilder zur Verfügung, wöchentlich gibt es hunderte Anfragen, wie man Suicide Girl wird - eine Erfolgsgeschichte ohne Gleichen. Was bedeutet Suicide Girl? Es bedeutet Konfrontation mit den Normen und „gesellschaftlichen Selbstmord“. Nun erscheint dieser Tage eine DVD über eine Tour, die zehn Damen über 9.000 Meilen, bei 61 ausverkauften Shows in 45 Städten, begleitet hat. Höchste Zeit mal drüber zu sprechen.
Eure Mitglieder sind „unkonventionelle Schönheiten“, hattest du damit gerechnet, das SGs so ein Erfolg würden und macht es jetzt, wo es ein Full-Time Job ist noch Spaß?

„Nun, eigentlich war es ein Nebenprojekt. Ich hatte nur eine Website im Kopf, auf der solche Mädchen, die meine Idee gut fanden, ihre Bilder hochladen sollten. Dass es so dermaßen populär wird, hat mich selbst am meisten überrascht und es hat natürlich vieles verändert. Meine anderen Projekte finden kaum noch Zeit und SGs ist mehr als Full-Time, aber es macht immer noch jede Minute Spaß. Klar, es gibt Momente zum Haareraufen, aber dann bin ich wieder sicher das Richtige zu tun.“

Woher kommt deine Begeisterung für Pin-Ups?

„Oh, die fand ich schon während meiner Kindheit. Ich fand immer beeindruckend, wie selbstbewusst und ausgewogen diese Posen waren, besonders Betty Page, ihren Fotos sieht man an, dass sie immer die Kontrolle über alles hat. Das versuche ich auch mit den Models die ich selbst fotografiere. Sie entscheiden, was sie anziehen und wie sie posieren und ich versuche nur das Beste mitzunehmen.“
Wo ist der Unterschied, zwischen den Models von einst und heute? Gibt es bestimmte Maße, die man erfüllen muss? Worauf legen die Besucher wert?
„Auf unserer Seite sind über 800 Frauen, in allen Formen die es gibt. Es kommt auf die Haltung an, nicht auf die Maße. Diese Haltung besteht auch beim Publikum, das sich fast zur Hälfte aus Frauen und Männern zusammen setzt. Die große Klammern, die alle zusammen bringen sind Tattoo, Piercing, Pin-Up und Subkulturen. Freundschaften entstehen, mehrere Hundert (!) Pärchen haben sich über unsere Seite kennengelernt und geheiratet.Unsere Vorliebe ist schon speziell und bei uns treffen solche Menschen eben öfter aufeinander als im normalen Leben.“
Was sagen deine Eltern zu dem was du machst?
„Schöne Frage (lacht). Meine Eltern haben mich eigentlich immer unterstützt. Aber meine Großmutter ist eine sehr konservative Frau, die war überhaupt nicht begeistert, dass ihre Enkelin nackte Frauen fotografiert. Aber dann hat sie einige der Mädchen kennen gelernt und heute sagt sie, wenn sie jünger wäre, wäre sie vielleicht sogar eine von uns - sie hat mit 75 ihr erstes Tattoo bekommen, dasselbe wie ich, an der gleichen Stelle.“
Habt ihr überhaupt schon einmal schlechtes Feedback bekommen?
„Na ja, jedes Model sollte sich klarmachen, dass man als Suicide Girl nicht anonym bleiben kann. Wenn man das glaubt, sollte man es auch gleich vergessen. Irgendjemand findet es immer heraus, Eltern, Nachbarn, ehemalige Lehrer. Also sage ich immer:“Ihr tragt die Konsequenzen selber.“
Du nimmst dir sehr viel Zeit die Models auszuwählen, warum?
„Die meisten lehnen wir ab, weil sie nur ihre Eltern oder den Freund ärgern, oder dem neuen Freund gefallen wollen - das sind die falschen Gründe ein Suicide-Girl zu werden.“
Gibt es etwas was du heute anders machen würdest, wenn alles nochmal von vorne losginge? Wohin geht die Zukunft?
„Ich hätte von Anfang an mehr Angestellte, wir sind gestartet wie eine Rakete und das war ein bisschen zu schnell, aber mittlerweile geht es. Zur Zeit wächst SGs noch. Die Mitglieder gründen weltweit sowas wie Sub-Chapter eines MC´s auf lokaler Ebene. Eine Europa-Tour würden wir auch gerne machen.“
Wir sind da!
„Danke.“

Aktuelle DVD:
The First Tour (Epitaph)
© 01. November 2005  WESTZEIT ||| Text: Andre Helfers
November 2005

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