interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
VASHTI BUNYAN - Eine einmalige Geschichte

Die Geschichte von Vashti Bunyan ist selbst im verrückten Musikbiz wohl einmalig. Sie begann vor genau 40 Jahren, und die Rolling Stones, Folk-Ikone Donovan, ein Gaul, ein Pferdewagen, Hippieträume, große Enttäuschungen, eine 30-jährige Schaffenspause, Kultstatus, späte Anerkennung und ein wunderschönes neues Album namens „Lookaftering“ kommen darin vor. Aber der Reihe nach.
1965 wurde Vashti von Rolling-Stones-Manager Andrew Loog Oldham entdeckt, ihre erste Single wurde gar von Jagger/Richards verfasst. „Damals war ich mir ziemlich sicher, dass ich innerhalb kürzester Zeit als Popsängerin groß rauskommen würde“, erinnert sich Vashti beim Gespräch mit der WESTZEIT. „Es wurde oft geschrieben, dass Andrew Oldham ‚diese kleine Folksängerin’ entdeckt habe, die er dann gegen ihren Willen als Popstar aufbauen wollte. Das war allerdings überhaupt nicht der Fall. Ich hatte schon seit frühester Kindheit die Idee, Popsängerin zu werden – allerdings mit meinen eigenen Songs. Durch Andrew schien sich dieser Traum zu erfüllen.“



Die Single jedoch floppte, und die Realität holte Vashti bald ein. 1968 wollte sie nur noch weg aus London, rauf nach Schottland, wo Donovan den Traum einer friedlichen Kommune verwirklichen wollte. Völlig pleite traten Vashti und ihr Lebensgefährte Robert Lewis die Reise mit Pferd und Karren an – und brauchten zwei Jahre, bis sie in Schottland ankamen. Die Reiseerfahrungen verarbeitete Vashti in Songs. Joe Boyd, damals als Produzent der Folk-Stars Fairport Convention und Nick Drake ein gefragter Mann, hörte sie und machte mit Vashti ein Album. Das hieß „Just Another Diamond Day“, erschien 1970 und interessierte ob seiner persönlichen Färbung und unkommerziellen Arrangements (Stichwort: „Hippie-Folk“) absolut niemanden.
Erst viel später wurde die LP zum Kultobjekt und ist heute ein Sammlerstück – Listenpreis: 350 englische Pfund. Enttäuscht kehrte Vashti vor 35 Jahren dem Musikbusiness vollends den Rücken und widmete sich ihrer jungen Familie. „Das Desinteresse brach mir das Herz, aber der Traum von einem anderen Leben, das in den Songs beschrieben wird, war mir damals auch wichtiger als das Album, vor allem nach der Geburt meines ersten Kindes. ‚Diamond Day’ war nur das Dokument eines kurzen Abschnitts, deshalb konnte ich es ohne größere Probleme hinter mir lassen.“

Im Jahr 2000 wurde das Album neu aufgelegt und hat seitdem Lob von allen Seiten bekommen. So viel sogar, dass dadurch beinahe ein Comeback Vashtis verhindert worden wäre. „Ich habe mich lange gescheut, etwas Neues zu machen, weil ich Angst hatte, all die Mythen zu zerstören, die sich um die alte Platte rankten“, gibt sie zu. Nach vereinzelten Gastauftritten auf Einladung von Piano Magic, Devendra Banhart und Animal Collective erscheint nun allerdings wirklich ihre zweite LP, „Lookaftering“. Textlich mögen die Songs teils anders ausgerichtet sein, und auch die Arrangements sind etwas ausgefeilter, trotzdem klingt die Platte bisweilen, als sei die Zeit stehen geblieben. „Eigentlich wollte ich eine urbane Platte machen, doch dann schrieb ich über Familie, Kinder, Häuslichkeit und all die Dinge, die mit dem Leben auf dem Lande einhergehen. All das war immer noch da“, erklärt Vashti.
Die ersten Kritiken fielen zu Recht ausgesprochen positiv aus – und Vashti fiel ein Stein vom Herzen. „Nachdem die Platte gemastert war und nichts mehr verändert werden konnte, lag ich drei Wochen lang wach: ‚Was hast du bloß getan? Was werden die Leute wohl denken?’ Aber ich hatte Glück. ‚Diamond Day’ brauchte 30 Jahre, um verstanden zu werden, bei der neuen Platte ist das sofort der Fall, es gibt eine direkte Kommunikation mit den Menschen. Das ist fabelhaft.“
Weitere Infos: www.anotherday.co.uk
© 01. November 2005  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
November 2005

Links

suche