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HOLLY WILLIAMS - Auf eigenen Beinen

Dass eine gediegen Songwriterin auf eigenen Beinen stehen möchte, ist ja eigentlich nichts besonderes (denn ansonsten hätte sie sich ja z.B. einer Band anschließen können). Dennoch ist es im Falle von Holly Williams erwähnenswert. Für ihre Debüt-CD "The Ones We Never Knew" hat sich Holly 30 nämlich Jahre Zeit gelassen – und zwar mit eben dem Ziel, eine eigene Identität zu entwickeln. Das deswegen, weil die als Tochter von Hank Williams sr. und folglich Enkelin von Hank sr. stammbaumtechnisch mit einer schweren Hypothek umgehen musste.
Also nutzte sie Ihre Zeit, indem sie sich durch Live-Tingeln und dauerndes Songwriting eine eigene musikalische Persönlichkeit aufbaute. Obwohl sie obendrein in Nashville aufwuchs und ihre Lehrjahre verbrachte, haben die nun vorliegenden Songs denn auch mit Country-Musik nichts gemein.

"Ich glaube, wenn ich nicht so lange mit einem Plattenvertrag gewartet hätte, dann wäre ich nicht in der Position, in der ich jetzt bin", erklärt Holly sehr bestimmt, "ich wollte mich deswegen der Nashville-Szene nicht anschließen, weil ich auf keinen Fall wollte, dass das Label mir vorschreibt, was ich zu singen habe oder auf welchen Markt ich mich ausrichten soll. Mein Label – Universal South – ist zwar in Nashville, steht aber voll hinter mir. Sie versuchen jedenfalls nicht mich zu formen."

Holly´s Songs, die sich stilistisch an den klassischen Songwritern schlechthin orientieren, scheinen sehr persönlich gefärbt. Worum geht es denn der Songwriterin Holly Williams? Was ist wichtig?

"Nun, vom inhaltlichen her muß es etwas sein, was mich berührt. Entweder etwas aus meiner Sicht oder etwas, dass jemand anderem passiert ist, mit dem ich mich aber identifizieren kann. Es geht nicht darum, ob das jemand hören will oder ob es ins Radio paßt, sondern nur darum, dass es möglichst ehrlich ist. Und musikalisch geht es bei mir nur darum, die Musik und die Texte zusammenzubringen. Es ist mir unheimlich wichtig, dass die Texte betont - und nicht etwa zugeschüttet werden. Man muss die Stories verstehen können."

Holly´s Songs werden offensichtlich von einer ganzen Reihe von Charakteren bevölkert. Sie selbst meint auch, daß es für sie einfach sei, sich in andere hineinversetzen zu können. Ist das mit der Art zu vergleichen, in der sich ein Schauspieler eine bestimmte Rolle aneignet?

"Ganz genau", pflichtet Holly bei, "man muss als Songwriter immer versuchen, die Welt auch mit anderen Augen als den eigenen zu betrachten. Es reicht nicht, nur eine Sichtweise zu haben."

Aus welcher Quelle entspringen diese Songs dann wohl?

"Das werde ich oft gefragt", meint Holly, "und es ist schwer zu sagen. Es ist zum Beispiel so, dass meine Persönlichkeit doch ziemlich verschieden von meinen Songs ist. Ich bin nämlich eher extrovertiert und keineswegs so ruhig und zurück-haltend, wie das Album vielleicht vermuten lässt. Ich weiß also nicht so richtig, woher die Songs kommen. Ich mag es einfach zu schreiben und dieses Erlebnis zu haben, dass mich ein Song quasi überkommt."

Wer sind denn diejenigen, die wir niemals kannten?

"Das sind tatsächlich all jene, die ich nie kannte", räumt Holly ein, "im wörtlichen Sinne ist dies zum Beispiel mein Großvater, den ich ja auch auf der Scheibe erwähne. Und dann gibt es all jene jene im übertragenen Sinne. Charaktere aus Beziehungskisten, in denen die Wände niemals ganz fielen. Und jene, die gerade dabei sind, über etwas hinwegzukommen bzw. mit etwas fertig zu werden und sich deshalb verbergen. Diese Personenkreise, die ja auch meine Songs bevölkern, wollte ich im Titel repräsentiert wissen."



Aktuelles Album:

The Ones We Never Knew (Nuzzcom)
© 01. November 2005  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
November 2005

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