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THE TEMPER TRAP - Die Sache mit dem Ich

Wenn es nach The Temper Trap geht, beginnt das Spiel mit ihrem zweiten, gleichnamigen Album ´The Temper Trap´ erneut. „Wir wollen uns auf keinen Fall ausruhen“, betont die Band anlässlich der Veröffentlichung und dreht die Regler einmal mehr auf Anschlag. Doppel-Gold und über 800.000 verkaufte Exemplare konnte ihr Debüt ´Conditions´ verzeichnen und so liegt die Messlatte naturgemäß hoch – wie die Jungs damit umgehen und weswegen sie die australische Heimat im Zuge des Erfolgs verlassen haben, erklären The Tamper Trap aber am besten selbst.

Interviews können so eine Sache sein. Im Idealfall helfen sie dem Künstler sein Werk zu erklären und bieten dem Redakteur eine gute Grundlage für spannende Stories – oder sie gehen voll daneben, sorgen auf beiden Seiten für Verwirrung und am Ende ist niemanden geholfen.

„Als wir letztens in England auf Tour waren, kam eine Dame von einem Radiosender vorbei und schien wenig vorbereitet“, erinnert sich Sänger Dougy Mandagi, „zwar wusste sie von unserem Erfolg, sprach mich aber die ganze Zeit mit Jonathon an – und unser Kollege, den sie damit meinte, war nicht einmal vor Ort.“

The Temper Trap sind Vollblutmusiker und seit Beginn ihrer Laufbahn Mitte letzter Dekade im Zeichen des Sounds unterwegs – um Ruhm und Geld ging es ihnen dabei nie und deswegen fiel es den Jungs anfänglich schwer das Promotionspiel in der Öffentlichkeit mitzuspielen, egal wie egal es ihnen war.

In Australien gestartet, zog es sie nach Veröffentlichung von „Conditions“ bald nach London und kaum waren The Temper Trap dort angekommen, ging es ruckzuck mit dem Erfolg – schrieben selbst größte Magazine über sie und wollte jeder an ihrem Platz an der Sonne teilhaben:

„Es war wie verhext, manchen Journalisten ging es damals wirklich nur darum, in den Interviews eine gute Headline für ihre Artikel und Beiträge zu bekommen, mehr nicht.“

Ergänzt Keyboarder Joseph Greer die Ausführungen seines Chefs und betont zugleich, dass die Formation aus solchen Erfahrungen gelernt habe und die Dinge inzwischen aus anderen Blickwinkel betrachtet: „Du musst das Spiel halt mitspielen, sonst dreht sich das Ganze in eine Richtung, die dir als Musiker nichts als Ärger bringt.“

Keine Kompromisse sind The Temper Trap hingegen im Studio eingegangen: Ihr neues, zweites Werk „The Temper Trap“ holt noch ein Stück weiter aus, will weniger wie TV On The Radio klingen als vielmehr einen elektronisch anmuteten Klang-Teppich ausbreiten, der die Tanzflächen ihrer englischen Wahlheimat erneut einnehmen könnte.

„Der Umzug von Melbourne nach London war längst beschlossene Sache, als wir 2009 unser Debüt veröffentlichten. Australien ist super, aber irgendwann wollten wir etwas Neues erleben und wahrscheinlich geht es jedem so“, betont Lorenzo Sillitto, der sich seinerseits für die stromlinienförmigen Gitarren im Kreise von The Temper Trap verantwortlich zeigt.

Was dies allerdings nicht erklärt, ist die Frage, warum die Fünf mit der Tradition brechen und eben nicht ihr Debüt nach sie selbst benannt haben, sondern nun erst das zweite Output ´The Temper Trap´ betiteln.

„Ganz ehrlich?“, vergewissert sich Mandagi mit Blick zu den restlichen Kollegen, „wir hatten nur unsinnige Namen und wählten aus dieser Situation heraus ‚The Temper Trap‘; that’s it.“

Klingt sympathisch und ist vielleicht die perfekte Erleichterung für die einst fehlinformierte Redakteurin?

„Ja, ich weiß worauf du hinaus willst - nun muss sie sich nun nur einen Begriff merken und der steht gleich für zwei entscheidende Dinge: Album und Band. Falls sie uns inzwischen also nicht mit Coldplay verwechselt, wird sie stolz auf uns sein.“

Das anschließende Gelächter im Raum beruhigt: Diese Combo scheint sich den „Gesetzen des Marktes“ – wie sie das Ganze im Gespräch häufig bezeichnet – gut angepasst zu haben und trotzdem bleiben The Temper Trap die absoluten Musiknerds. Wer will ihnen das aber verübeln?

Es macht ´The Temper Trap´ genau zu dem Album, das es geworden ist.

Aktuelles Album: The Temper Trap (Infectious / PIAS)
© 01. Juni 2012  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Juni 2012

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