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SUPER PREACHERS - Schräge Töne aus der Vergangenheit

Zugegeben: der Name Super Preachers lässt an lauten, schmutzigen Rock, fettige Haare und einen Look weit jenseits jeder Gammelgrenze denken - dass eine Combo dieses Namens nur einem schmutzigen Loch irgendwo im Nirgendwo des amerikanischen Westens entsprungen sein könnte, versteht sich dabei wohl von selbst. Tja, weit gefehlt! Super Preachers kommen aus Frankreich und sind auch keine vollständige Band. Vielmehr dreht sich Alles um Mastermind Francois, der sich eigentlich eher als Fotograf, Videokünstler und nicht zuletzt DJ versteht und Alles wild mixt und sampelt, was ihm an schönen Tönen in seinem Lieblingsmedium, dem World Wide Waste of Time zu Ohren kommt.

Frei nach dem Motto „Was die Natur verhunzt, das schafft die Kunst“ verlässt er bei der Suche nach musikalischer Perfektion nicht auf gottgegebenes Talent sondern auf Technik. Dass sich seine Kreationen trotzdem wie geradewegs aus den Sixties anhören hat einen ganz einfachen Grund:

„Ich habe mich ganz der Easy Listening Music der 50er, 60er und 70er Jahre verschrieben. Ich experimentiere mit diesen Programmen rum, die eigentlich dazu konzipiert wurden Techno zu produzieren, aber stattdessen nehme ich alte Songs und remixe sie neu. Du bist in der heutigen Zeit nicht mehr drauf angewiesen, perfekt zu spielen oder eine tolle Stimme zu haben. Die Technik macht es möglich, sämtliche musikalischen Defizite auszubügeln. Ich bin ein großer Fan von alter Musik, ich mag den Flow, der 50er und 60er und fand es spannend, dies zu adaptieren, und dem ganzen die Perfektion zu verleihen, die damals aufgrund der weniger ausgereiften technischen Möglichkeiten nicht zu erreichen war.“

Das Ganze nennt sich ‚New Old School’ und wer diese wohl arrangierten Kompositionen hört käme kaum auf die Idee, dass Francois die meisten seiner Sänger und Musiker noch nie zu Gesicht bekommen hat.

„Tatsächlich ist es so, dass ich die Künstler, mit denen ich arbeite vornehmlich im Internet finde. Ich surfe rum und wenn ich auf jemanden stoße, dessen Arbeit mir gefällt, schreibe ich denjenigen an und frage ihn oder sie, ob sie nicht Lust hätten diesen oder jenen Song, den ich ausgesucht habe, aufzunehmen. Eine direkte Zusammenarbeit in einem Studio ist für mich gar nicht zu realisieren, weil ich es mir nicht leisten kann, all diese Künstler aus der ganzen Welt einfliegen zu lassen. Von daher ist Super Preachers auch kein Live Projekt. Mittlerweile sind zwar ein paar Musiker konstant daran beteiligt, mit denen ich auch ins Studio gehe oder wenn wir mal irgendwo auftreten, aber das hauptsächliche Geschehen spielt sich am Computer ab. Eine wirklich gelungene Ausnahme war ein Festival in 2003 in Paris, das mein Label Hazlewood veranstaltet hat und bei dem sämtliche dort vertretenden Künstler auftraten, so hatte ich einmal die Gelegenheit, mit allen zusammen meine Songs zu performen.“

Die Liste derer mit denen Francois bereits zusammenarbeitete ist lang und exquisit, und ein Name fällt mir sofort ins Auge: Patrick Tilon, Ex-Frontmann der legendären Urban Dance Squad, mit dem ich vor einigen Jahren im Rahmen seines neuen Projekts ‚Club Of High Eyebrows’ sprechen konnte.

„Ich war immer schon ein riesiger Urban Dance Squad Fan und als mir jemand von Hazlewood berichtete, dass Patrick Tilon gerade dort im Studio war, um ein neues Album aufzunehmen, nutzte ich die Chance sofort und fragte, ob ich er einen Song für mich einsingen könnte. Er sagte sofort zu und war mit dem Ergebnis wohl auch sehr zufrieden. Leider habe ich auch ihn nie persönlich getroffen. Ich will mich nicht beschweren: Ich habe schon mit so vielen außergewöhnlichen Leuten zusammenarbeiten können und kann von meiner Musik leben und das immerhin schon seit dem Debut Album. Die Scheibe als solche verkaufte sich nicht besonders gut, aber einige der Songs wurden für Werbung oder TV- Serien benutzt, so dass sie letztendlich doch noch sehr einträglich wurde. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, auch im Bereich Photography und Videos erfolgreicher zu werden und einen Film zu drehen. Das kommt schon noch!“

Für jemanden, der moderne Medien zu seinem Handwerkzeug auserkoren hat, ist Francois’ Musikgeschmack erstaunlich vintage-lastig...

„Ich liebe Bands wie die Sonics oder auch Trashmen. Die konnten damals nur auf zwei oder höchstens vier Spuren aufnehmen und der Sound schrammelt und krächzt, was das Zeug hält, aber dafür sind einzigartig originell und wurden zu ihrer Zeit verkannt, aber wer will schon a la mode sein? Ich jedenfalls nicht!

Aktuelles Album: The Underdog (Hazelwood / Indigo)
© 01. Dezember 2010  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Dezember 2010

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