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STEVE WYNN - Zwischen Auflösung und Akzeptanz

Nach einer relativ langen „Auszeit“ erschien mit „Northern Aggression“ soeben das vierte offizielle Album von Steve Wynn & The Miracle 3. Nun ist diese Art von Zählerei im Falle von Steve Wynn relativ, denn die besagte Auszeit füllte er mit dem Solo-Album „Crossing Dragon Bridge“ und nicht zuletzt mit dem Baseball-Project, das ihm - aufgrund des Themas und vielleicht, weil Peter Buck und Scott McCaughey von R.E.M. daran beteiligt sind - in den USA die größten Erfolge seit Dream Syndicate Tagen bescherte.

Sei es drum: Das aufgrund einer Wortspielerei „Northern Aggression“ benannte Album ist letztlich die beste Repräsentation dessen, was die Miracle 3 – zu der auch Steve´s Frau, Linda Pitmon gehört - auszeichnet.

„Das war auch der Gedanke“, erklärt Steve, „es sollte nicht eine Scheibe von Steve Wynn und seinen Musikern sein, sondern ein Band-Projekt.“

Was nicht heißen soll, dass sich Steve als Musiker hier zurück nahm. So spielte er z.B. erstmals alle Keyboards selbst und schrieb natürlich auch das Songmaterial. Und hier lief Steve besonders als Texter – mit einer geschickten Mischung von spezifischen Details und ambivalenten Metaphern - zu Höchstform auf. Kennt Steve die Charaktere, die seine Songs bevölkern, eigentlich heutzutage besser als früher, als er einräumte, diese „nur gelegentlich zu besuchen“?

„Meine Charaktere sind heutzutage erwachsen und Du kannst Erwachsenen ja nun nicht mehr sagen, was sie tun sollen“, antwortet Steve, „es ist so, dass sich die Songs heutzutage von selber schreiben, weil ich lange genug dabei bin und ich hoffe, dass man weder bei der Musik noch den Texten, die steuernde Hand dahinter erkennt.“

Aber seine Charaktere resignieren heutzutage öfter als früher, oder?

„Sagen wir mal, sie akzeptieren ihr Schicksal“, erklärt Steve, „das hat auch mit dem Erwachsen-werden zu tun.“

Ist der kreative Prozess dabei also leichter geworden?

„Jede Scheibe ist da anders“, führt Steve aus, „die letzten beiden waren für mich sehr detailreich und autobiographisch. Auf dieser Scheibe ging es um die Musik, die Produktion, das Artwork – eigentlich alles. Es ist ein impressionistisches Erlebnis.“

Warum ist dabei dann dieses gelungene „Soundbild“ der Miracle 3 herausgekommen?

„Ich habe immer versucht, den Sound der Miracle 3 einzufangen. Der Grund, warum es dieses Mal so gut geklappt hat ist der, dass wir in diesem Studio in Richmond, Virginia, aufgenommen haben, das sich 10 Schritte von unserem Haus entfernt befand und wo wir uns den ganzen Tag aufhalten und herumprobieren konnten.“

Und was geschah dort?

„Ich habe dieses Mal nicht zuviel geplant. Für die letzte Band-Scheibe haben wir die Songs vorher live ausprobiert – dieses Mal sind sie quasi erst im Studio entstanden und viele Aufnahmen sind erste Takes. Es gab also gar keine Möglichkeit, etwas zu manipulieren. Ich glaube nämlich, dass der größte Feind des Musikers das Nachdenken ist – jedenfalls, wenn man so lange dabei ist wie wir. Dann sind Instinkte und Eingebungen wichtiger. „Resolution“ ist ein First Take und „Consider The Source“ haben wir im Augenblick der Aufnahme geschrieben – ich konnte nicht mal mehr an den Texten feilen.“

Wie geht es weiter für Steve Wynn?

„Im Moment würde ich sagen, dass ich mir nach der Arbeit an dieser und der nächsten Baseball-Projekt Scheibe eine Auszeit nehme und etwas anderes mache – wie etwa ein Buch zu schreiben. Denn dass die Leute mich dafür loben, dass ich ein großes Output habe, reicht mir nicht mehr. Frag mich das aber besser in einem Jahr noch mal – kann sein, dass ich meine Meinung dann wieder geändert habe."

Aktuelles Album: Northern Aggression (Blue Rose)
© 01. Dezember 2010  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Dezember 2010

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