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MY BRIGHTEST DIAMOND - Das Kuchen-Orchester

Trotz der unübersehbaren Anzahl selbsternannter oder gekürter Songwriter gibt es doch vergleichsweise wenige, die sich außerhalb der allgemein anerkannten Pfade bewegen - solche, die sich strecken, die suchen, die sich und den Hörer herausfordern und die letztlich etwas Neues, Eigenes machen. Shara Worden alias "My Brightest Diamond" ist so jemand. Als sie ihr Debüt "Bring Me The Workhorse" veröffentlichte – und auf der anschließenden Tour mit einem Programm zwischen Nina Simone, Jazz, Avantgarde, Klassik, Indie-Rock und Led Zeppelin überraschte, da war klar, dass hier jemand heranreifte, der sich nicht mit den üblichen Maßstäben und Schubladen zufrieden geben würde.
Das neue Werk, "A Thousand Shark's Teeth" begann sein Leben als Projekt für klassische Streicher. Nun sprengt es alle möglichen Kategorien gleichzeitig. Wie kommt es, dass in Shara Wordens Welt grundsätzlich nichts unmöglich ist?

"Die Inspiration für viele Songs kommt von anderen Kunstformen", verrät Shara, "z.B. von Lewis Carrolls 'Alice In Wonderland', George MacDonalds 'At The Back Of The North Wind', die Gemälde von Van Gogh oder Anselm Kiefer, die Fotografien von Robert Parke-Harrison, Regisseur Jean Pierre Jeunet. Ravel's Oper 'L'Enfant et les Sortilges'. Ich glaube, dass all diese Künstler eine bestimmte Stimmung erschaffen haben und habe dies auf mein Album fokussiert. Außerdem ging es darum, wie sich persönliche Beziehungen in der natürlichen Welt und im Sonnensystem widerspiegeln und generell die Spiegelung des Makros im Mikrokosmos."

Universeller geht es ja kaum. Was hat Shara bei der neuen Scheibe anders gemacht, als bei dem Debüt?

"Das neue Material ist großteils durchkomponiert", erklärt Shara, "das bedeutet, dass es weniger Wiederholungen musikalischen Materials gibt. Die Musik ist meistens um die Texte herum komponiert, ohne dass ich irgend eine Art von Pop-Format darüber gelegt hätte. Ich denke, das ist ein großer Unterschied. Musikalisch ist das eine weniger Gitarren-orientierte Angelegenheit, so dass die Orchestrierung mehr ins Zentrum und die Rhythmusgruppe mehr in den Hintergrund rückt. Ich würde zum Beispiel sagen, dass die Streicher dieses Mal weniger die Kerzen auf dem Kuchen als vielmehr der Kuchen selber sind."

Dennoch ist die neue MBD-Scheibe eigentlich sogar zugänglicher als das Debüt.

"Nun, wenn es um meine Absichten geht, dann schreibe ich ja keineswegs in einem Vakuum", erklärt Shara dies, "beim Schreib-Prozess habe ich durchaus den Wunsch, mit anderen Menschen eine Verbindung einzugehen. Es ist also kein vollständig eigennütziger Prozess."

Und wie funktioniert das?

"Mein Gedanke ist der, dass, wenn es mir gelingt, unsere eigene Menschlichkeit oder unsere eigenen Erlebnisse in einer solchen Weise anzuzapfen, dass ich entdecke, was eigentlich das grundsätzlich menschliche dabei ist, es auch anderen möglich sein sollte, sich damit zu identifizieren."

Und das bedeutet dann: Shara Worden macht Musik nicht für den Kopf, sondern für den Menschen. Auch wenn sich das Ganze ein wenig theoretisch und losgelöst anhört: Sharas Musik ist dann – trotz aller musikalischen Finesse – doch eher bodenständig – was sich insbesondere bei ihren beeindruckenden Live-Konzerten manifestiert, bei denen sie (scheinbar) mühelos die ganze Skala musikalischer Variationen nutzt, verquickt und auslebt, die ihr zur Verfügung stehen. Und das sind so einige. Und dabei ist Shara nicht halb so naiv, wie Alice im Wonderland – auch wenn sie immer wieder auf dieses Thema zurückkommt.



Aktuelles Album: A Thousand Shark's Teeth (Asthmatic Kitty / Cargo)
© 01. Juni 2008  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Juni 2008

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