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DM STITH - Tagebuch eines Hochschulmusikers

David Michael Stith ist DM Stith - „ein in sich geschlossener Kosmos“, der dauerhaft nur von ihm besetzt werden kann. So wie das Universitätszimmer, in dem er hauptberuflich als Kunsttheoretiker tätig ist; so wie eine Geisterstadt, in der niemand sonst wohnt. Ein seltsam vernebeltes Ein-Mann-Projekt, mit dem Stith seine Musik zur Welt bringt und für reichlich Verwirrung sorgt.
Theodor Fontane meinte während seiner Wanderung durch die Mark Brandenburg, dass stetiges Reisen dem Menschen ungeahnte Horizonte eröffne, die anderweitig für immer verschlossen bleiben. DM Stith ist ein Nomade, der schon halb Amerika bewohnte, bereiste und erkundete. Zuletzt stationierte er in New York City und entdeckte dort die Kraft der Musik - unter Mithilfe von Sufjan Stevens und My Brightest Diamond.

„Ich versuchte schon längere Zeit mein Kunststudium zu beenden, als ich durch meinen damaligen Mitbewohner zahlreiche Musiker kennen lernte. Unter ihnen war auch eine gewisse Sarah Worden, die mir anfangs sehr konfus erschien und ständig von Experimenten sprach. Irgendwann safl sie bei uns in der Wohnung und war von meinen Zimmer als Ort der Inspiration begeistert.“

Jene Sarah Worden aka My Brightest Diamond ist nun hauptverantwortlich dafür, dass wir DM Stiths Debutalbum „Heavy Ghost“ in Empfang nehmen dürfen. Sie brachte mit einer Remixarbeit den Stein ins Rollen und ließ begeistert vom Ergebnis nicht mehr locker.

„Ich versuchte mich an einer eigenen Version ihrer Lieder und sie mochte das Ergebnis so sehr, dass es wenig später auf dem Tisch ihrer Plattenfirma landete - der Chef rief mich an und fragte, ob ich ihm nicht mal ein Demo mit eigenen Songs schicken könnte“, erklärt Stith äuflerst zurückhaltend. So ganz geheuer ist ihm sein aktuelles Dasein als Shootingstar immer noch nicht. Allen voran sorgen die Vergleiche mit Antony Hegarty für Unbehagen.

Zwar ist er mit seiner Stimme inzwischen sehr zufrieden, aber so gut wie die Platten von Antony And The Johnsons sei er bei weitem nicht: „Es ehrt mich natürlich sehr. Anderseits weiß ich, wo DM Stith gerade steht und das es noch ein langer Weg Richtung Olymp ist.“ Er sagt dies mit einer Gelassenheit, die ihm sein Job an der University Of Indiana einbrachte.

Dort ist er am Institut für Kunsttheorie tätig und schreibt gerade seine Doktorarbeit. Das Thema sei noch nicht klar, aber so langsam käme Struktur hinein, bereichtet er und verweist auf „Heavy Ghost“ - ein Album, dass ihm unheimlich viel Zeit kostete und schlussendlich seinen Verstand vernebelte.

„Ich bin ganz schlecht darin Dinge fertig zu stellen. Wenn es nach mir geht, hätte ich noch zehn Jahre an den Songs schrauben können! Doch der Abgabetermin rückte immer näher und ich schaffte es gerade rechtzeitig. Wenn ich an der Uni also etwas gelernt habe, dann in einem gewissen Rahmen zu arbeiten und dies auch zu Ende zu bringen.“

Das Ergebnis lässt sich schwer beurteilen: „Heavy Ghost“ lebt von einer äußerst drückenden Atmosphäre, die durch allerhand Samples, Chöre und Loops erzeugt wird. DM Stith ist alles andere als ein Multiinstrumentalist und nutze demzufolge seinen Computer, um den Songs einen ganz eigenen Charakter einzuimpfen.

„Das habe ich von My Brightest Diamond gelernt: Wenn du mit einem Programm wie Pro-Tools umgehen kannst und es wie ein Instrument nutzt, dann erreichst du ein gutes Ergebnis.“

An der Uni ist er seitdem ein Held - einmal soll sich eine Studentin während der Vorlesung nach seiner Musik erkundigt haben, obwohl Picasso auf dem Lehrplan stand:

„Sie fragte mitten im Unterricht: ´Sag mal, wie klingt deine Musik eigentlich?´ Ich zuckte mit den Schultern und plötzlich meinte eine andere Kommilitonin: ´Wunderschön!´ Das hat mich beeindruckt und zugleich verwirrt!“

Ein ähnliches Gefühl hinterlässt „Heavy Ghost“. Die kryptischen Lyrics über Transzendenz und Körperlosigkeit werden mit experimentellen Soundscapes vermengt und ergeben ein Album, dass in diesem Jahr wohl konkurrenzlos bleibt.

DM Stith ist momentan der unkonventionellste Act, den die amerikanische Musikszene neben Antony Hegarty zu bieten hat!

Aktuelles Album: Heavy Ghost (Asthmatic Kitty / Ada) Vö: 03.03.09
© 01. März 2009  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth ||| Foto: Steven Johnson
März 2009

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