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FAKE PROBLEMS - Don´t Kiss My Attitude

Irgendwo im Nirgendwo in der Einheitstristesse Pennsylvannias erwische ich Fake Problems in ihrem Tourbus auf dem Weg zur nächsten Show. Gequietsche und Gekicher im Hintergrund vermitteln den Eindruck, dass es um die Stimmung bestens bestellt, und so ein Bandleben eine äußerst beneidenswerte Daseinsform ist.

Nach Rockstar-Attitude sucht man bei den Jungs aus Naples/Florida vergeblich, begeistert Sänger Chris doch durch perfekte Umgangsformen und fragt immer mit einem verlegenen ‚Pardon?’ nach, wenn unsere Konversation im vorherrschenden Chaos abzusaufen droht. So endet auch die Frage nach dem Bandnamen eher unprätentiös: Fake Problems heißen Fake Problems, weil sie keine Lust haben tonnenschwere Probleme zu besingen, sondern ihre Lyrics sich eher mit den Nichtigkeiten des Lebens beschäftigen.

„All we sing about is not really big of deal. We like to sing about everyday crap!“

Lakonisch geht es auch gleich weiter. Die meisten Bandgründungen passieren aus Unlust an schulichen Sportaktivitäten teilzunehmen oder weil man am Ende der Welt wohnt und nix Anderes abgeht. So, oder ähnlich gestaltet sich auch die Erfolgsgeschichte von ‚Fake Problems’

„Wir haben alle schon ewig in irgendwelchen anderen Bands gespielt, aber irgendwann zogen alle weg, um aufs College zu gehen oder irgendeinen einen supertollen Job anzutreten. Wir nicht, also lag es nahe, dass wir es miteinander versuchten. Die Chemie war perfekt - and here we are!“

Hm, ein bisschen großkotzige Selbstverliebtheit könnte an dieser Stelle nicht schaden: Zumindest ihre neueste Offenbarung ‚Dream Team’ erinnert mit seinem straighten, leicht schrammeligen Sound an alte Amipunk-Helden wie Face to Face oder Reno Divorce. Ab aufs Skateboard und erst wieder runterspringen, wenn man selbst seine Zwanziger hinter sich gebracht hat.

Auch wenn Punkrock nicht zu ihren expliziten Einflüssen gehört, würden sich doch mal gern mit den Flagschiffen trendigen Rumgerotzes, Blink 182 über die Bühne fegen.

„Meine Alltime Favourites sind jedoch eher die Almond Brüder. Es gibt wohl niemand, der mich persönlich mehr beinflusst hätte. Irgendwelche Parallelen zu alten Skatepunk-Bands sind nicht beabsichtigt. Wir sind einfach sehr energetisch, aber wir möchten nicht gerne gelabelt werden. Wir machen Rock’n’Roll. That’s it!“

Rock´n´Roll ist eine feine Sache, aber all jenen, die auch allerfeinstem Country nicht widerstehen können, sei hier noch ein besonderer Leckerbissen serviert: Eine anbetungswürdige Coverversion des Waylon Jennings Klassikers ‚I’m a Ramblin’ Man’. Zu finden auf einer Split CD mit dem verheißungsvollen Namen ‚Under the influence’. Im Augenblick befindet sich die Combo um Chris in ausgesprochen guter Gesellschaft, supporten sie doch die US Tour von Murder By Death, die durch ihre whiskeytriefenden Cowboy-Balladen legendär wurden und in der Auswahl ihrer Tourkollegen als äußerst picky gelten.

16 Staaten in sechs Wochen. Wie stets da mit Geld, Gold und Glück?

„Hmm, mal davon abgesehen, dass Musik machen das Allergrößte für uns ist, können wir uns was zu Essen kaufen, unsere Telefonrechnungen bezahlen und leben im Tourbus. Zählt das?“

Bei so viel Attitudenlosigkeit kann ich mir die Frage nach dem allerersten Konzert nicht verkneifen und werde nicht enttäuscht...

„Meine Mom schleppte mich zu ‚New Kids On The Block’, als ich fünf war. Ich erinnere mich daran dort gewesen zu sein, aber nicht an die Show. Mist, hätte ich mir nur ein paar Moves gemerkt...“

Manchmal ist Ehrlichkeit einfach nur knutschenswert! Ab Frühling auf Tour in Deutschland – don’t miss them...

Aktuelles Album: It´s Great To Be Alive (Sideonedummy / Cargo)
© 01. März 2009  WESTZEIT ||| Text: MIcky Repkow
März 2009

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