interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
FRANK SPILKER GRUPPE - Sonne, Mond und Sterne

Die Location ist bereits gebucht. „Die Sterne“ aus Hamburg funkeln demnächst wieder im Studio. Bis dahin strahlen die Scheinwerfer primär auf Sterne(n)-Sänger Frank Spilker allein. Denn der hat mit einigen Kumpels ein superbes „Solo-Album“ ans Sonnenlicht gezerrt. Und mit Textzeilen wie „Der Mond und ich, wir sind schon wieder voll“ wundersame Lyrik über die teilweise experimentelle Instrumentierung gelegt...
Auf „Mit all den Leuten“ singt Spilker Zeilen wie „Ich steh heute auch mal hinter der Bar. Und nicht wie sonst nur immer davor“. Die Lyrik des 41-jährigen Künstlers spiegelt oft alltägliche Momente wider, zusätzlich werden `Kafka-eske´ Elemente integriert. Alte Chansons von Friedrich Holländer bilden eine weitere Inspirationsquelle.

„Holländer ist ein Phänomen. Dort sind wir alle gelandet, da es (aus der Zeit) nicht soviele inspirierendeVorbilder gab, weil die große Nazi-Plattmacherei dazwischen war. Sven Regener kann dir sicher auch etwas dazu erzählen. Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten hat ebenfalls Friedrich Holländer-Songs gecovert.“

„Der Mond und ich“ entstand seinerzeit folglich nach dem Anhören von besagtem Liedgut aus den 20er Jahren und einiger Tassen Rum.

„Bei `Der Mond und ich´ haben wir versucht, die (sogenannte)`Tingeltangel-Zeit´ nachzuempfinden. Diese besondere Art, einen Chanson zu schreiben. Hinter der Leichtigkeit ist immer noch ein Konflikt. In diesem Fall die Einsamkeit, die Beziehungsunfähigkeit. Holländer hatte etwas, was fehlt in der deutschsprachigen Kultur.“

Spilker vermisst oftmals, dass es zwischen Haudrauf-Witz und der Ernsthaftigkeit nichts gibt, wo Konflikte einfach mit Humor bewältigt werden.

„´Der Mond und ich´ fällt definitiv (aus dem Gesamtbild der CD) heraus! Die Komposition ist wirklich aus dem Jahre 1987, seither ist eine Menge passiert. Bis auf das eine englische Stück, dass eineinhalb bis zwei Jahre vorher entstanden ist, ist das gesamte Album aber eigentlich innerhalb eines Jahres entstanden.“

Insgesamt befinden sich zwei Songs auf der Platte, die in Englisch eingesungen sind. Die Umsetzung dieser Titel war für Spilker kein Problem.

„Ich finde es erstaunlich normal, weil ich die englischen Stücke nicht anders auffasse als die deutschen Songs. Es ist so, wie ein anderes Instrument zu spielen. Ich bin da nicht ganz so flink mit den Fingern, dennoch kann ich auch aus der Sprache etwas herausholen. Die Texte und die Aussprache habe ich nicht kontrollieren lassen, weil ich finde, dass die Fehler, die ich hierbei mache, zu mir dazu gehören! Es ist nicht so wie bei den Leuten, die meinen, jetzt professionell International sein zu müssen. Die sich selbst so coachen, dass es nicht mehr auffällt, dass man aus Deutschland kommt. Das finde ich eigentlich unsinnig!“

Sinnvoll erscheint die Namensgebung des Projekts.

„´Die Sterne´ funktionieren viel mehr als Kollektiv, als die meisten Menschen es denken. Da sind wirklich vier Leute, die zusammen entscheiden, was sie machen. Solo heißt, allein entscheiden. Bei einem Stück der CD ist im Laufe der Produktion der Bass weggefallen. Ich hatte das Gefühl, er passt nicht, es müsste mehr ein Gitarrentornado werden. In einer Band ist das nicht so möglich. Begonnen habe ich die Aufnahmen unter meinem Namen. Daraus wurde jedoch die ´Frank Spilker Gruppe´ (FS.G), weil wir während der Produktion gemerkt haben, dass es soetwas wie ein Team ist, dass gut funktioniert. Es ist wichtig, diese Aktivitäten von jenen Sachen abzugrenzen, die ich allein mit der Gitarre mache, wenn ich allein auftrete.“

„Mit all den Leuten“ der FS.G, namentlich Mathias `Tex´Strzoda (Schlagzeug) und Max Knoth (Bass), hat Spilker via Banjo und Ukulele gar `Fiddle-Stimmung´ erzeugt. Seine Variante des deutschen ´Amerikana´ heißt „Kommt alle her“, klingt erfrischend neu, und hat im übertragenden Sinn eine wirklich wichtige Botschaft:

„Klapprige Autos zu mir, schimpfende Fahrer und scheppernde Lager; Kommt alle her; Gekränkte Gestalten zu mir, Gierige Herzen, Malaissen und Schmerzen, kommt alle her...“.

Denn am 29.03. startet die FS.G im Bremer ´Lagerhaus´ die Konzertreise zum Album, tags darauf performen die Musiker in Hamburg im legendären ´Pudel Club´. Anschließend geht die Reise durch die gesamte Republik und nach Österreich. Was danach passiert, steht noch in den Sternen...

Aktuelles Album: Mit all den Leuten (Staatsakt / Indigo) VÖ: 14.03.
Weitere Infos: www.frankspilker.de
© 01. März 2008  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
März 2008

Links

suche