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LOIKAEMIE - und der "Spirit of 69"

Leukaemie distanzierten sich bereits von Bandbeginn an von neonazistischen Skins, und waren auch im Gegensatz zu anderen, antirassistischen Oi!-Bands nie in der Neonazi-Szene vertreten oder salonfähig. Sie versuchten stets einen Bogen zwischen den verschiedenen Skinheadgruppen zu schlagen und sehen sich bis heute als eine klassische Oi!-Band, die sich auf den ´Spirit of 69´ - was auch in ihren Songs wie "Remember" zum Ausdruck kommt - berufen. „Wir hatten immer klare Aussagen und waren eine der wenigen Skinbands die dafür sorgten, dass Rechte sich nicht etablieren konnten“ gibt mir mein Interviewpartner Thomas, mit dem ich jüngst in Madrid die Hochzeit seines Labelchefs Mosh feierte, eindeutig zu verstehen.

Ursprung der Band waren Ronny und Micha, die in ihrem Bekanntenkreis Musiker für eine Band suchten. Nach mehrmaliger Umbesetzung nahm die Band im Winter ´94/´95 eine feste Form an. Wie kamt ihr auf Loikaemie und wieso dieses beknackte Oi in dem Bandnamen?

„Das war zu dieser Zeit so. Es gab kaum Bands und für die, die sich neu gründeten, für die war auch Oi so was wie was neues. Es sind Wortspiele gewesen, genau wie Broilers oder Springtoifel, obwohl es die schon viel früher gab. So bescheuert ein Name auch klingen mag, das Oi darin hat seinen Sinn und Zweck, denn es drückt das aus was es ist, und ist mit Sicherheit nicht beknackt.“

1995 das erste Demotape. Etwa ein Jahr später erschien euer erstes Album „Ihr Für Uns Und Wir Für Euch“, das wegen der Lieder "Leichenschänder" & "Perverse Sau" indiziert wurde und erst 2000 wieder neu auf den Markt gebracht wurde. Der Albumtitel klingt nach Patriotismus und Staatstugend!?!

„Ihr für uns und wir für Euch“ drückt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Punkszene, was die Skinheadszene für mich einschließt, aus. Wie du dabei auf Patriotismus und Staatstugend kommst bleibt mir ein Rätsel. Das ich die beiden Songs heute so nicht mehr schreiben würde und schon gleich gar nicht so nennen würde, versteht sich auch von selbst, aber auf Patriotismus ist noch keiner gekommen oder hat uns das unterstellt.“

Euer zweites Album trägt den Titel „Wir Sind Die Skins“. Seid ihr auch heute - sieben Jahre später – noch die Skins (von einst)?

„Im Denken und Handeln auf jeden Fall. Auch wenn man im Laufe der Zeit nicht mehr im klassischen Skinheadoutfit unterwegs ist, im Herzen lebt man so was und da spielt Aussehen keine so große Rolle mehr.“

Welche Werte und Empfindungen haben sich seit der Zeit geändert?

„Vielleicht ist man nicht mehr ganz so wild wie früher, aber wenn es sie gibt dann sind die Feind – und Freundschaften dieselben geblieben.“

Hättet ihr genauso viel Erfolg, wenn ihr aus dem Westen unserer Bananenrepublik kommen würdet?

„Früher glaub ich nicht, da hatten wir eindeutig einen Ostbonus. Heutzutage würde das keine Rolle mehr spielen. Am Ende entscheidet die Qualität und nicht die Herkunft.“

1999 habt ihr einen Beitrag zum Soundtrack des preisgekrönten Films “Oi! Warning” der beiden deutschen Filmemacher Ben und Dominik Reding beigesteuert. Wie kam es zu dieser Verknüpfung und wo sind Identifikationspunkte mit den Protagonisten des Filmes?

„Verknüpfungen gibt es keine, da der Inhalt des Films für mich fiktiv ist. Es gibt schwule Skinheads, wovon die meisten den Skinhead aus reinen Fetischgründen nutzen, aber in der Realität spielt es keine solche Rolle, wie es der Film zu vermitteln versucht. Die beiden Brüder kennen zu lernen war schon was anderes. Jemand, der selbst nicht aus der Szene kam und darüber einen Film dreht, hat natürlich jede Menge Fragen und es hat Spaß gemacht die beiden kennen zu lernen.“

Gereifter in Text und Musik kommen die Aufnahmen der neuen Lieder erheblich praller und durchdachter als die es Vorgängers „III“, aber nicht weniger alltagsnah und realistisch. Dennoch ist eine deutliche Weiterentwicklung erkennbar. Welche Anstöße und Antriebe bzw. Kraftquellen zeigen sich dafür verantwortlich?

„Zum einen sieht man Dinge im Laufe der Jahre auch von einer anderen Seite, was nicht heißt das man den Kern der Sache aus den Augen verliert und zum anderen entwickelt sich eine Band weiter, genauso auch die Texte. Die Texte sind ein wesentlicher Bestandteil der neuen Platte, sie sind direkter und offener als früher. Mit mehr Strukturen, könnte man sagen.“

Was ist der Grund dafür, dass euer aktueller – fünfter – Longplayer keinen Albumtitel hat?

„Wir fanden, die Texte sprechen für sich. Das sind Wir. Unsere Musik und das was wir denken. Wozu also ein Titel, der mit einem Satz den Inhalt der Platte nicht so wieder gegeben hätte, wie die Platte jetzt ohne Titel wirkt.“

Aktuelles Album: 5 (Knockout Recs.)
© 01. Dezember 2007  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen
Dezember 2007

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