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BEN HARPER - Palais Je´taime

Normalerweise geht ein Musiker mit seinem neuen Studio-Album auf Tour - wo sich dann die Band mit den Songs vertraut macht und die neuen Tracks mit der Zeit ggf. ein regelrechtes Eigenleben entwickeln. Warum sollte man diesen Effekt nicht mal für ganz neues Material nutzen? Das dachte sich Ben Harper und ging mit seinem neuen Album, „Lifeline“ quasi den umgekehrten Weg: Die Stücke entstanden auf der letzten Tour und wurden dann im Anschluss daran eingespielt. Und zwar innerhalb einer Woche in Paris, zusammen mit seiner Band, den Innocent Criminals (mit denen Harper immerhin seit 1994 zusammenarbeitet).
Warum musste es gerade Paris sein? Was ist so speziell an Paris?

„Paris hat eine sehr spezifische kreative Energie“, führt Ben aus, „es ist wie ein Fenster zu einer bestimmten Schwingung, die ich immer schon mal mit meiner Musik verbinden wollte. Ich habe immer mal wieder in Paris gelebt und kenne mich also ganz gut aus. Jede Stadt hat eine spezifische Energie und sie sind alle einzigartig und kulturmäßig speziell. Paris ist wie keine andere Stadt. Ich hatte schon länger mein Auge auf Paris geworfen und ich denke, Paris hat auch ein Auge auf mich geworfen. Wir wollten gemeinsam etwas teilen und es hat auch etwas aus mir hervorgekitzelt.“

Das klingt ja wie Liebe auf den ersten Blick. Haben denn auch die Texte etwas mit Paris zu tun?

„Nicht wirklich, denn die Songs haben wir - also die Band und ich - zusammen auf einer zweimonatigen Tour erarbeitet. Und ehrlich gesagt ist das die erste wirkliche Zusammenarbeit, die ich mit der Band hatte. Die Musik haben wir zum Beispiel kollektiv, alle zusammen, geschrieben - meist beim Soundcheck vor dem Konzert. Ich habe dann am Ende noch die Texte hinzugefügt.“

Dazu muss man wissen, dass Ben zwischen seinen Touren immer wieder auch gerne alleine - oder aber mit befreundeten Künstlern wie zuletzt M. Ward, Jack Johnson oder G. Love - arbeitet. Was war also das Besondere an der Zusammenarbeit mit den Innocent Criminals?

„Jeder in der Band hat sein Ego befriedigen können und es ist tatsächlich eine Scheibe der Innocent Criminals geworden. Die Band steht im Mittelpunkt - auch auf dem Cover“, antwortet Ben, „es ging nicht darum, wessen Idee es war, sondern nur, was die beste Idee war. Wir haben das alles zusammen in einer Woche geschafft und ich fühle ganz stark, dass diese Scheibe diese Band auf die Bühne der Welt befördern wird.“

Nun hätte man ja von einem Album, das mit dem Schwung einer Tour im Rücken eingespielt wurde, annehmen können, dass es auch wie eine Live-Scheibe klingt - etwa inklusive langer Soli und lauter Rocknummern. Stattdessen ist „Lifeline“ aber eher eine akustische Angelegenheit mit ruhigen, klar strukturierten Nummern geworden. Warum entschloss sich Ben - ausgerechnet bei diesem Band-Album - für den akustischen Ansatz?

„Es ist ja ein bisschen was Elektrisches dabei - das meiste ist aber akustisch“, räumt er ein, „weil ich denke, dass dies am besten repräsentiert, wo sich die Band künstlerisch und musikalisch momentan befindet. Und ich wollte eine modern klingende, akustische Soul-Scheibe machen, die alle Ecken des Soul zusammenführt. Ich könnte mir sogar vorstellen, noch ein paar Scheiben in diesem Stil zu machen. Das ist ein neuer Schritt für mich.“

„Lifeline“ ist dabei so etwas wie das fehlende Glied im Oeuvre des Ben Harper, mittels dessen er verschiedene offene Enden zusammenführt. Es wird also spannend sein zu beobachten, wohin er von hier aus musikalisch gehen wird.

Aktuelles Album: Lifeline (Virgin / EMI)
© 01. September 2007  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
September 2007

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