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Deine Lakaien - die Arche der Schwermut

Verdammt noch mal wie konnte das passieren? Woran mag es liegen, dass ausgerechnet im letzten Jahr stolzgeschwellt international verschollen geglaubte Bands wie The Mission, New Order, Depeche Mode oder gar The Cure (mit neuer 7inch) den Einfluss haben, die Floors einschlägiger Clubs und Großraumdiscos zu füllen? Hat es was mit der Renaissance der 80er zu tun?
Und national? Alarm! Ausgerechnet aus der Hauptstadt aller Deutschen kommt wieder einmal der Weltschmerz mit seiner faszinierenden Fratze! Die dunklen Socken stehen nicht mehr nur vor den Toren – nein, sie sind bereits mitten in der Republik. Überall stolpert man über sie, sei es im Radio, oben in den DAC (Deutsche Alternative Charts) oder gar im Musikfernsehen, die Rede ist von Deine Lakaien, die bereits Anfang November mit ihrer aktuellen Single "Generators", eine düster-elegische Wave-Hymne, den höchst notiertesten Charteinstieg seit Bandbestehen – und das war genau Mitte der 80er - verbuchen konnten. Jedes Album des Duos platzierte sich seit ´93 in den Media Control Charts und ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft! Dies ist der imposante und empirische Beweis dafür, dass sich Anspruch und Gedeih nicht zwangsweise ausschließen müssen. Dies und das am 07.01 erscheinende Album "White Lies" waren Triebfeder für ein paar Fragen an dem Wahlberliner Sänger Alexander Veljanov.

Wie kam es ´85 zu diesem Trutzbündnis aus dir und dem Münchener Elektronik-Spezialist Ernst Horn?

"Ich studierte zu seiner Zeit in München und lernte dort Ernst kennen. Aus den Gemeinsamkeiten wuchs Deine Lakaien".

Berlin und München, eine große räumliche Distanz!

"Eine Distanz aus der sich hervorragend arbeiten lässt und die trotz der enormen örtlichen Entfernung schnell überwunden ist."

Nach dem ´96er Album "Winter Fish Testosterone" und der anschließenden "WTF-Tour", in der ihr lange und eng zusammengearbeitet und wenig Distanz zueinander hattet, hattet ihr euch auf eure Solokarrieren konzentriert. Danach habt ihr für das ´99er Album "Kosmodiah" auch erstmalig andere Musiker verpflichtet. Ist Abstand eine gute Basis für die förderliche Arbeit in eurer Zweierkonstellation?

"Nach der Tour waren wir beide angespannt und brauchten Abstand zueinander, Abstand als ein Schritt um zu sich selber zu finden. Abstand ist für mich somit sicherlich ein Mittel um gut arbeiten zu können."

"Kosmodiah" war ein Album, das eine Vielzahl absoluter Wave- und Pop-Perlen enthielt. "White Lies" indessen ist ein recht ruhiges, bedächtiges und schwermütiges Album zugleich.

"Bekanntlich liegt in der Ruhe die Kraft. Auf ´White Lies´ sind sehr viele Gefühle, Gedanken und Emotionen verarbeitet worden. Es ist das Resultat eines Reifungsprozesses, denn ich gehe an bestimmte Sachen und Begebenheiten viel ruhiger bzw. bedächtiger ran."

Was ist mit den Erwartungshaltungen der Fans?

"Gewiss ist es mutig mit so einem emotionalen Album aufzuwarten. Andererseits spricht der Erfolg unserer aktuellen Single für sich. Ich denke es ist auch der passende Zeitpunkt für solche Sounds und die Auseinandersetzung damit. Außerdem haben wir nie auf das geschaut, was gerade massenkompatibel ist."

Ihr macht euch ja nicht zu Lakaien anderer Leute!

"Korrekt. Unser Name und das was daraus entsteht, ist die Ironie mit der wir spielen.

Deine Lakaien haben mit "White Lies" eine aktuelle Auswirkung geschaffen, die als Idee in den 80er Jahren geboren wurde. Quasi eine dynamische und anspruchsvolle Veränderung des klassischen Synthi-Wave-Sounds, wie ihn damals Bands wie Soft Cell, The Associates oder Yazoo praktizierten. 12 Songs die allemal eine musikalische Herausforderung darstellen.



Aktuelles Album: "White Lies" (Columbia)


© 10. Januar 2002  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen
Januar 2002

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