interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
NATALIE MERCHANT - MUTTE(R)N-ROCK

Die Zeit ihrer 10000 Maniacs gehört lange der Vergangenheit an. Die nunmehr dritte Solo-Scheibe "Motherland" zeigt Natalie Merchant in s/w, in hausmütterlicher Tracht dem berühmtem "Frühstücksgemälde" ähnelnd im Grünen sitzend. Welchen musikalischen Strömungen gibt sich die karitative Künstlerin heute hin?
"Das Foto für das Cover schoss Laura Wilson. Ich rief sie an, weil sie meine Wunschkandidatin war. Sie arbeitete vor Jahren bereits mit Richard Avedon". Dennoch lässt dieses Shooting die Sängerin älter wirken, als sie wirklich ist. Sie ist jedoch nicht von gestern. "Ich kenne Harry Potter. Ich war kürzlich mit seinem jugendlichen Darsteller in einer TV-Show. Es ist wunderbar, das diese Bücher die Menschen wieder zum lesen bringen. Ich möchte den Kinofilm sehr gerne sehen." Walt Disney-Filmproduktionen schätzt sie ebenfalls sehr, was sie verbal in einem langem Analog klarstellt. Überhaupt ist die Konversation mit ihr anders, als all die vorangegangenen Interviews meines Lebens. Nach der Fragestellung überlegt sie recht lange. Sobald ich jedoch etwas hinzufügen möchte, oder das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken gedenke, unterbricht sie und erzählt. Und erzählt. Lange Abhandlungen ohne Pause kommen zu Gehör. Manchmal antwortet Merchant auch direkt auf eine Frage. "Die Aufnahmen wurden am 09. September abgeschlossen. Einige der Texte bekamen natürlich durch die Ereignisse des 11. 09. 01 eine völlig andere Bedeutung." Das Album eröffnet mit "This House Is On Fire", dessen Intro sich aus einem arabisch angehauchtem Streicher- und Flöten-Arrangement zusammensetzt. "Ich höre seit zwanzig Jahren Musik aus dem Mittlerem Osten, Zental-Asien oder Indien. Warum sollte ich die Instrumentierung nun ändern? Die Worte `Mutterland schaukele mich, schließe meine Augen und singe mich in den Schlaf. Beschütze mich, bleibe bei mir, gehe nicht fort´ in `Motherland´waren eigentlich ein wenig zynisch gemeint. Seit dem 11.09. sind sie mehr ein verzweifelter Ruf nach kindlicher Unschuld. Aber an dem Endmix hat dieses Unglück nichts verändert. Warum auch? Es gibt viele Ghettos in Amerika, wo Gewalt vorherrscht. Die meiste Kriminalität dort richtet sich von Schwarzen gegen Schwarze. Sie sind in gewisser Weise sogar etwas Stolz auf ihren Kampf." Merchant verschweigt nicht ihre wilden Theorien zum Zustand der Gesellschaft, der Gewalt. Sie lässt ihren Gedanken freien lauf.
© 09. Januar 2002  WESTZEIT ||| Text: RALF G. POPPE
Januar 2002

Links

suche