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BRITISH SEA POWER - Zurück Zu Den Wilden

“The album title (The Decline of British Sea Power; Anm. d. Red.) is meant to celebrate the death of the British Empire. The old is gone and now there is a new British Sea Power: us”

Dieses selbsbewusste Statement stammt vom BSP-Gitarristen Matthew Richard Noble. Selbstverständlich setzen wir ein mittelkräftiges Augenzwinkern voraus (das Interview konnte leider nur per Mail geführt werden).

Aber der Reihe nach: Die fünf Mitglieder von BSP, alle noch in der ersten Twenhälfte (davon zwei Brüder), stammen aus Reading, erkannten aber, dass dort nicht die großen Inspirationsquellen für sie lagen und zogen nach Brighton. Dort atmen sie frische Seeluft, erfreuen sich an Streifzügen durch die ländliche Gegend, halten Einkehr an Flüssen und beobachten Vögel. Die dort ansässige Musikszene mit The Eighties Matchbox B-Line Disaster, The Electric Soft Parade und Brighton Rock forcierte die Aktivitäten als Band, die nun ihren ersten, nicht nur auf der Insel bereits mit “ewige Top-10-Song”-Aussagen gefeierten Longplayer veröffentlicht. Dieser ist sowohl gespickt mit kurzen, glühend heißen Up-Tempo-Nummern als auch mit melodisch-verträumten Balladen und beseelt im Post-Punk à la Joy Division wühlenden Songs, in denen einem immer wieder euphorisch-jubilierende Strom-Gitarren und Bowieesker Gesang wie auch David Byrnes neurotische Nervosität begegnen. Nach klassischer Songwriter-Schule hört sich das nicht an...

Einige der Songs sind einfach so im Zusammenspiel entstanden. Das Schreiben der lauten Songs ist einfacher. Zuerst schlagen wir uns alle ins Gesicht, rütteln uns damit auf und dann passiert es eben. Einige Lieder schrieb Yan in der Einsamkeit. Er wollte als Kind immer ein Einsiedler werden. Wir mögen alle The Jesus & Mary Chain und auch Nick Drake. Wir alle spielen irgendwann einmal verrückt. In anderen Momenten sind wir wieder friedlich. Wir möchten unser Verhalten dokumentieren, jenes anderer Leute, das der See und jenes der Natur.

Im fantastischen Song “Lately” findet sich der Extrakt ihres Sounds. Ganz langsam baut Ihr ein harmonisch schwingendes Gebilde auf, das irgendwann am Ende gründlich dekonstruiert wird.

“Lately” ist eine emotionale historisch-geographische Achterbahn. Es beinhaltet Erinnerungen und Landschaften, Ruhe und Verrücktheit. Es ist, als würde man drei unserer Songs - vielleicht “Heavenly Waters”, “Carrion” und “Fear Of Drowning” - zu einem gigantischen, neolithischen Rock-Trip zusammen packen. Überhaupt enthalten unsere Songs eine gewisse Magie, die jener Magie gleichkommt, die Dich beim Durchwandern eines Waldes bei Nacht erfasst.

Aber was will die Band eigentlich aussagen?

Wir wollen viele Ideen fördern. Wo sind Erinnerungen gespeichert? In Büchern? Chemikalien? Wir wollen Geschichten vom Heroismus und von Melancholie erzählen und möchten die Menschen wissen lassen, dass Albert Einstein die Welt stets aus den Augen eines Außerirdischen, der gerade dort gelandet war, zu betrachten versuchte. Das Leben ist zerbrechlich. Die Welt ist ein wundervoller Platz, wenn Du richtig hin siehst.

Wünsche für die Zukunft?

Ich wünschte, ich könnte irgendwann einmal ein Vogel sein - oder zumindest ein Eichhörnchen. Wir hoffen, in Dörfern aufzutreten oder eine Tour 2000 vor Christus zu machen - wenn es je möglich sein sollte. Die Leute damals waren einfach wilder damals.

Gut, dass sie zunächst dieser Epoche erhalten bleiben, denn im September werden sie auf Solotour kommen und nicht nur ihre feurigen, artistischen Bühnenkünste unter Beweis stellen.

Aktuelles Album: The Decline Of British Sea Power

http://www.britishseapower.co.uk
Weitere Infos: www.britishseapower.co.uk
© 01. Juni 2003  WESTZEIT ||| Text: Marco Pawert
Juni 2003

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