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SAMARIS - Unperfekt entspannt

Das Trio Samaris wurde vor 5 Jahren von den Schulfreunden Jófrídur Ákadóttir, Áslaug Rún Magnúsdóttir und pórdur Kári Steinpórsson alias ´Doddy´ - in der Tiefe eines isländischen Winters gegründet. Kein Wunder also, dass sich die ersten musikalischen Gehversuche – und auch das erste „richtige“ Album ´Silkdrangar´ - noch ganz auf die musikalischen Traditionen der gemeinsamen Heimat bezogen:

Es gab ergo feinsinnigen Elektronik-Pop mit Ambient-Ansprüchen und einer folkloristischen Note, die sich daraus ergab, dass Samaris auf isländische Gedichte zurückgriffen, die sie als Texte für ihre eigenen Klangkompositionen verwendeten. Damit scheint jetzt Schluss zu sein: Das neue Album ´Black Lights´, kommt nun ganz ohne die Folklore aus und Jófrídur Ákadóttir singt erstmals eigene Texte, die zudem vollständig auf Englisch vorgetragen werden. Was hat zu dieser Entwicklung geführt?

„Das war ein Art Experiment“, räumt Jófrídur ein, „das haben wir gemacht, weil uns immer alle Leute gefragt haben, warum wir nicht auf Englisch singen und wir nie eine richtige Antwort darauf hatten. Wir wollen ja vor allen Dingen Musik zusammen machen – also haben wir uns entschlossen, es mal auf Englisch zu versuchen. Und es ist ja auch so, dass für uns die Texte nicht wirklich von Bedeutung sind. Es geht uns mehr ums Ganze – um die Vibes, das Stück an sich, die Songstruktur und die Melodie. Die Texte machen wir mehr zum Spaß und nehmen diese auch nicht besonders ernst.“

Heißt das, dass es mehr um den Klang als um die Botschaft geht?

„Ja, das schon“ bestätigt Jófrídur, „aber es ist auch nicht so, dass die Texte nur aus totalem Unsinn bestehen. Sie sind aber auf jeden Fall offen genug, um sie auf die eigene Art interpretieren zu können. Es ist mir schon wichtig, dass die Leute einen Bezug zu meinen Texten aufbauen können. Die zugrundeliegenden Geschichten und Ideen sind jedoch vage. Es muss auch irgendwie grazil sein und zu der Musik passen und gut klingen.“

Was hat Samaris denn dieses Mal musikalisch inspiriert. Gab es zum Beispiel ein Konzept, nach dem die einzelnen Tracks geplant wurden?

„Nö – wir spielen einfach irgend was und wenn es uns gefällt, steigen alle drauf ein“, räumt Jófrídur ein, „und dann arbeiten wir an dem Material – oder lassen es auch mal liegen. Dann geht es darum, Kompromisse zu finden.“

Und wie findet man die dann?

„Ich weiß auch nicht“, lacht Jófrídur, “man muss sich einfach mal gehen lassen. Weißt Du, das schlimmste, was Dir als Musiker passieren kann, ist, wenn Du ein Perfektionist bist. Das tötet ja irgendwie die Spontaneität. Perfektionist zu sein ist ganz schön gefährlich. Man muss stattdessen einfach mal Sachen ausprobieren und mit anderen zusammen arbeiten. Vor allen Dingen darf man sich keinen Stress machen. Entspann Dich doch erst mal – dann klappt es schon.“

Das hört sich ja fast so an, als sei der Prozess für Samaris genau so wichtig – wenn nicht sogar wichtiger – als das Ergebnis?

„Absolut“, meint Jófrídur recht bestimmt, „ich finde es zum Beispiel am Schönsten, wenn man mit absolut nichts anfängt und dann aus diesem Nichts etwas erschafft. Ich bin zu diesem Zeitpunkt auch stärksten involviert. Ab einem gewissen Punkt gebe ich das Ganze dann auch ab. Sollen sich doch andere darum kümmern, es fertig zu machen und sich um den ganzen technischen Kram kümmern.“

Das erklärt natürlich auch, warum das neue Samaris Werk sehr viel spontaner und formal offener rüberkommt, als die bisherigen Elaborate. Das ist übrigens ein Prozess, der auf der anstehenden Tour dann auf der Bühne fortgeführt werden wird.

Aktuelles Album: Black Lights (One Little Indian)
© 01. Juni 2016  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Juni 2016

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